Die Schlacht bei Lätzen.
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Hochtragisches, wenn wir nämlich mit diesem Ausdruck das bezeichnenwollen, daß auch je der Edelste und Beste durch verhängnisvolle Um-stände zu Unternehmungen fortgerissen werden kann, die über dasGebiet der Berechnung hinausgehen und dessen Folgen er somit nichtverantworten kann. Es war, kann man sagen, ein Irrtum, wennZwingst mit dem Schwerte es zu zwingen hoffte, wo Luther nur aufsWort baute. Aber es war ein großartiger Irrtum, und dieser Irr-tum, der einer heiligen Begeisterung für Recht und Wahrheit sich bei-gesellt, ist immerhin verzeihlicher und steht unendlich höher als dieseine Erasmische Klugheit, welche der Gefahr von weitem aus demWege zu gehen versteht. Auch war Zwinglis Stellung eine andereals die Luthers, sie war die doppelte eines Reformators und Re-publikaners.
37. Die Schlacht bei Lätzen.
Von Friedrich Schiller.
Kaum hatte Gustav Adolf Pappenheims Abzug vernommen, soverließ er plötzlich sein Lager bei Naumburg und eilte, den um dieHälfte geschwächten Feind mit seiner ganzen Macht anzufallen. Inbeschleunigtem Marsche rückte er gegen Weißenfels vor, von wo aussich das Gerücht von seiner Ankunft schnell bis zum Feinde ver-breitete und den Herzog von Friedland in die höchste Verwunderungsetzte. Aber es galt jetzt einen schnellen Entschluß, und der Herzoghatte seine Maßregeln bald genommen. Obgleich man dem zwanzig-tausend Mann starken Feinde nicht viel über zwölstausend entgegen-zusetzen hatte, so konnte man doch hoffen, sich bis zu PappenheimsRückkehr zu behaupten, der sich höchstens fünf Meilen weit bis Halleentfernt haben konnte. Schnell flogen Eilboten ab, ihn zurückzurufen,und zugleich zog sich Wallenstein in die weite Ebene zwischen demFloßgraben und Lützen, wo er in völliger Schlachtordnung den Königerwartete und ihn durch diese Stellung von Leipzig und den sächsischenVölkern trennte.
Drei Kanonenschüsse, welche Graf Colloredo auf dem Schlossezu Weißensels abbrannte, verkündigten den Marsch des Königs, undauf dieses verabredete Signal zogen sich die friedländischen Vortruppenunter dem Kommando des Kroatengenerals Jsolani zusammen, die ander Rippach gelegenen Dörfer zu besetzen. Ihr schwacher Widerstandhielt den anrückenden Feind nicht aus, der bei dem Dorfe Rippachüber das Wasser dieses Namens setzte und sich unterhalb Lützen derkaiserlichen Schlachtordnung gegenüberstellte. Die Landstraße, welche
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Bächtold, Lesebuch II.