Buch 
Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
Entstehung
Seite
272
JPEG-Download
 

272

Beowulfs Tod.

105 Sich wahrlich nicht rühmen. Doch den Recken gewährteDer Siegesherr, sich selber zu rächen.

Meine Klinge bracht' ihm nur kleinen TrostVor dem lodernden Feind. Sein Leben zu retten,

Ich vermocht' es nicht; doch das Meine tat ich,

110 Und schwächer ward auch, da mein Schwert ihn traf,Des Wurmes Hitze. Doch zu wenig HelferUmstanden den Greis in der Stunde des Grauens!

Nun sei Schatzesspende und Schwertesgabe,

Haus und Herd und Heimatwonne115 Eurer gesamten Sippschaft versagt und verbannt!

Des Landrechts verlustig und der Leute GemeinschaftSollt ihr irren im Elend, wenn eure ehrlose FluchtFern und nah die Völker vernehmen.

Lieber sterben als leben in Schmach!"

120 Dann hieß er die Kunde nach dem KönigshofDer Mannschaft melden, die den Morgen langSaß und harrte mit sorgendem Herzen,

Ob Tod oder Rückkehr dem Teuren bestimmt sei.

Ein rascher Bote ritt über den Berg125 Und meldete treulich die traurige Märe:

Auf der Walstatt liegt beim erlegten WurmDer gabengütige Gautenherr.

Ueber Beowulf dem Gebieter sitztDer junge Wiglaf, Wichstans Sohn,

130 Der Held beim Helden, und hütet den Toten.

Leidvoll hält er die LeichenwacheBei Freund und Feind. Nun befahren wirTage des Kriegs, wenn des Königs TodFranken und Friesen in der Ferne vernehmen.

135 Auch schwöret nicht auf der Schweden Freundschaft!

Zu hart und herb ist der Hort bezahltMit des Königs Leben, ein leider Kauf!

Die Ringe fresse Feuer und Rauch,

Hungrige Glut. Keinen Helden soll140 Ihr Schimmer schmücken, keiner schönen MagdAm Halse hangen das helle Geschmeid!

Nein, gramvollen Geistes, goldesberaubt,

Werden viele gefangen in die Fremde gehn,

Da des Landes Lenker das Lachen vergaß,

145 Des Saales Gesang und gesellige Lust.

Manche Männerfaust wird den morgenkalten