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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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306
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15. Ein Volk hast du vom Fall erlöst, o Mars!Von Schmach der Knechtschaft hieltest du es reinUnd willst dafür die Jugend eines Jahrs;

Nimm sie! sie ist dir heilig; sie ist dein."

16. Und wieder warf das Volk sich aus den Grund;Nur die Geweihten standen noch umher,

Von Schönheit leuchtend, wenn auch bleich der Mund;Und heil'ger Schauer lag auf allen schwer.

17. Noch lag die Menge schweigend wie das Grab,Deni Gotte zitternd, den sie erst beschwor;

Da fuhr aus blauer Luft ein Strahl herabUnd traf den Speer und flammt' auf ihm empor.

18. Der Priester hob dahin sein Angesicht(Ihm wallte glänzend Bart und Silberhaar);

Das Auge strahlend von dem HimmelslichtVerkündet' er, was ihm eröffnet war:

19.Nicht läßt der Gott von seinem heil'gen RaubDoch will er nicht den Tod, er will die Kraft;

Nicht will er einen Frühling welk und taub,

Nein, einen Frühling, welcher treibt im Saft.

20. Aus der Latiner alten Mauern sollDem Kriegsgott eine neue Pflanzung gehn;

Aus diesem Lenz, inkräft'ger Keime voll,

Wird eine große Zukunft ihm erstehn.

21. Drum wähle jeder Jüngling sich die Braut!Mit Blumen sind die Locken schön bekränzt;

Die Jungfrau folge dem, dem sie vertraut!

So zieht dahin, wo euer Stern erglänzt!

22. Die Körner, deren Halme jetzt noch grün,

Sie nehmet mit zur Aussaat in der Fern'!

Und von den Bäumen, welche jetzt noch blühn,Bewahret euch den Schößling und den Kern!

23. Der junge Stier Pflüg' euer Neubruchland!

Auf eure Weiden führt das muntre Lamm!

Das rasche Füllen spring' an eurer Hand,

Für künft'ge Schlachten ein gesunder Stamm!

24. Denn Schlacht und Sturm ist euch vorausgezeigt;Das ist ja dieses starken Gottes Recht,

Der selbst in eure Mitte niedersteigt,

Zu zeugen eurer Könige Geschlecht.