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Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
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307
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Das Joch am Leman.

25. In eurem Tempel haften wird sein Speer;Da schlagen ihn die Feldherrn schulternd an,

Wann sie ausführen über Land und Meer

Und um den Erdkreis zieh» die Siegeöbahn.

26. Ihr habt vernommen, was dem Gott gefällt.Geht hin; bereitet euch; gehorchet still!

Ihr seid das Saatkorn einer neuen Welt;

Das ist der Weihefrühling, den er will."

IVgl. Nr. S. >

62. Das Joch am Leman.

Von Konrad Ferdinand Meyer.

1.Die einen liegen tot mit ihren Wunden,

Die andern treiben wir daher gebunden!

Den Römeraar der Zwillingslegion,

Der eingegarnten Wölfin scharfen BissenIm Männerkamps, im Roßgestampf entrissen,

Schwingt Divico, der Berge Sohn!"

2. Weit blaut die Seeflut. Scheltend jagen TreiberAm Ufer einen Haufen Menschenleiber;

Die nackte Schmach umjauchzt Triumphgesang;

Ein Jüngling kreist auf einem falben PferdeUm die zu zwein gepaarte RömerherdeDie Krümmen des Gestads entlang.

3. Er knickt den Aar mit einem stolzen Schreie;

Er schickt den Ruf zur nahen Firnenreihe

Die Grät' und Wände blicken groß und bleichHebt, Ahnen, euch vvm Silbersitz, zu schauenDie Pforte, die wir für den Räuber bauen,

Der sich verstieg in euer Reich!

4. Wir bauen nicht mit Mörtel noch mit Steinen;Zwei Speere pflanzt! Querüber bindet einen!

Zwei Römerköpfe drauf! Es ist getan!"

Das Joch umstehn verwogne KriegsgesellenMit Auerhörnern und mit BärenfellenUnd schauen sich das Bauwerk an.

5. Die Hörner dröhnen. Zu der blut'gen PforteStrömt her das Volk aus jedem Tal und Orte;

Groß wundert sich am Joch die Kinderschar;