Buch 
Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
Entstehung
Seite
310
JPEG-Download
 

Das «Musische Fest.

50 Und flog auf Sehnsuchtsflügeln zu seinem jungen Weib.

Weh' mir, der Ungeliebten! bedeckt mit ewiger Schmach!

Litt jemals Neuvermählte so schimpflich Ungemach?

In Hymens heiliger Stunde, da Hermes selber weilt,Verschmäht mich mein Gebieter, der in die Ferne eilt.

55 Statt sanfter Frenndesworte, statt Kuß und Liebesschwur,Vernehm' ich Kampfgetöse und schaurig Morden nur.

O, daß nach Joniens Strande ich nie den Fuß gekehrt!

In meines Vaters Hause da war ich baß geehrt."

Genug der eitlen Tränen! Ist jetzt zum Weinen Zeit?

00 Sieh mich zu deinen Füßen zur Buße froh bereit.

Wenn du Behagen suchtest und träges Wohlergehn,

So durftest du nicht freien den König von Athen.

Windstille herrscht im Sumpfe; der Blitz fegt um den Turm.Die Wipfel und die Kronen besucht zumeist der Sturm.

65 Ein schwächlich Liebesfeuer hat einen ruhigen Docht;

Allein im Heldenbusen da schäumt's und kocht und pocht.Schau, wie der goldne Morgen die trübe Nacht durchbricht;Er weiß, Ariadnens Schönheit erträgt das Tageslicht.

Laß finstere Barbaren im Dunkeln selig sein;

70 Doch des Hellenen Hochzeit begehrt den Sonnenschein.

Sieh mich von Wohltun heiter, von hoher Arbeit groß,

Und Jovis Huld und Segen leg' ich in deinen Schoß."

64. Das eleusische West.

Von Fried>

1. Windet zum Kranze die gol-

denen Aehren;

Flechtet auch blaue Chanen hinein!Freude soll jedes Auge verklären,Denn die Königin ziehet ein,

Die Bezähmerin wilder Sitten,

Die den Menschen zum Menschengesellt,

Und in friedliche, feste HüttenWandelte das bewegliche Zelt.

2. Scheu in des Gebirges KlüftenBarg der Troglodyte sich;

Der Nomade ließ die Triften

'ich Schiller.

Wüste liegen, wo er strich.

Mit dem Wurfspieß, mit dem BogenSchritt der Jäger durch das Land;Weh dem Fremdling, den die WogenWarfen an den Unglücksstrand!

3. Und auf ihrem Pfad begrüßte,Irrend nach des Kindes Spur,Ceres die verlaßne Küste.

Ach, da grünte keine Flur!

Daß sie hier vertraulich weile,

Ist kein Obdach ihr gewährt;Keines Tempels heitre SäuleZeuget, daß man Götter ehrt.