Buch 
Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten der Schweiz / von Jakob Baechtold
Entstehung
Seite
309
JPEG-Download
 

Die Hochzeit des Theseus.

309

Da senkte sich verstohlen durch einen Eichenbaum10 Auf seinen Königsscheitel ein sonniger Heldentraum.

Ihm war, als schwebte hernieder der Götter selige ScharUnd jeder böt' im Wettstreit ihm Hochzeitsspenden dar,Sodaß von goldnem Segen die Gondel überquollUnd übersät mit Früchten der blaue Pontus schwoll.

15Auf, wähle dir einen Paten zum Fest aus unserer Zahl."Da musterte der König die Götter allzumal:

Ich bin ein Aegeide, von fürstlichem Geblüt,

Nach mindern: Preis zu langen hab' ich mich nie bemüht.Der wird sich nie erkühnen, der niemals sich erfrecht;

20 Zeus selbst, der Weltbeherrscher, ist mir als Pate recht."

Und als am Hochzeitstage der Bund geschlossen warUnd festlich Volk umjauchzte das junge Königspaar,

Da schwebte vor dem Throne, der die Vermählten trug,

In prächtigen Schraubenzügen ein Aar in stolzem Flug.

25 Und durch die Menge schob sich in atemlosem LaufEin schweißbedeckter Bote; der hielt die Sänfte auf.

Kehr' um, erhab'ner König, erlauchter Heldensproß!

Und wende deine Schritte zum Hafen Phaleros.

Ein Schifflein kommt geflohen fern her vom Chersonnes.

30 Es trägt den Knaben Hyllos, den Sohn des Herakles.

Von Haus und Hof vertrieb ihn Eurystheus' Eigennutz.Verfolgt von feigen Mördern fleht er um deinen Schutz.Horch, wie sein Hülfejammern vom Meer herüber dringt!Bald ist's um ihn geschehen; der Feind hat ihn umringt."

35Ein Schrei aus bangen Nöten ist Jovis heiliger Ruf.Dank Zeus, der mir zum Feste so edle Arbeit schuf.Erbarmen und Beschützen ist rechte Hochzeitslust.

Wem jetzt mein Dienst gebühret, des bin ich mir bewußt."Schnell sprang er von dem Throne, verlassend das Gemahl,40 Sammelt' in aller Eile von Kriegern eine Zahl,

Bemannte sechs Trieren mit einer festen MachtUnd fuhr mit raschen Rudern hinaus zur frommen Schlacht.Und als der Feind betroffen vor seinem Ansturm wichUnd mit zerfetzten Segeln blutrünstig heimwärts schlich,

45 Geleitete der Sieger den gottgesandten Gast,

Den edlen Herakliden, zuvor in den Palast,

Weckte mit Trostesreden und Zuspruch seinen MutUnd dient' ihm allerwegen mit Trank und Speise gut.

Dann reinigt' er im Bade den blutbefleckten Leib