Wirkung von Magneten auf Ströme.
Dieser Satz erweist seine Brauchbarkeit nicht nur für gleichförmige, sondernauch für ungleichförimige Felder, und er lässt erkennen, dass in solchen nichtnur Drehungen, sondern auch Verschiebungen des Stromkreises eintreten werden,also Anziehungen oder Abstossungen nach oder von gewissen Stellen des Feldesher. Man kann das durch sehr zahlreiche Experimente verfolgen, in denenz. B. ein beweglicher Stromkreis über einen genäherten Magnetstab hinüber-schiebt oder von ihm abgestossen wird u. s. w.
Ebenso wie ein Kreisstrom wird sich natürlich auch eine Spule einstellen*d. h. sie wird ihre Axe dem Felde parallel einstellen, gerade wie ein Magnet.Die Einstellung wird desto sicherer und energischer erfolgen, je stärker derStrom, je stärker das Feld und je grösser die Zahl der Windungen ist. Aberauch schon im gewöhnlichen Felde des Erdmagnetismus stellt sich eine bifilaraufgehängte oder mittelst Spitzen in Quecksilbernäpfchen schwebende Spuleaxial ein. Man kann dann mit dieser Spule alle Experimente anstellen, welcheman mit Magneten anzustellen gewöhnt ist, und erhält stets den entsprechendenErfolg. Insbesondere wird sich eine solche Spule unter Einwirkung des Erd-magnetismus und eines dazu senkrechten künstlichen Feldes (oder auch einermechanischen Richtkraft) unter einem gewissen Winkel einstellen. Hieraufberuhen z. B. die Galvanometer mit festem Magnet und beweglicher Spule(vergl. Bd. III ( 1 ), pag. 231).
Wirkung des Erdmagnetismus auf Ströme. Bei den obigenBetrachtungen ist zunächst an künstliche Magnete gedacht, aber sie geltennatürlich ebenso auch vom Erdmagnetismus, sowohl im Ganzen als von seinenComponenten; ist der Stromleiter vertikal gerichtet, so kommt die Horizontal-componente H, ist er horizontal gerichtet, so kommt die Verticalcomponente Vdes Erdmagnetismus in Betracht. Gehört das Stromelement ds einem längerenhorizontalen geraden Leiter l an, der um eine durch seinen Anfangspunktgehende vertikale Axe drehbar ist, so ist das auf ihn ausgeübte Drehungsmoment\VH 2 . Riecke 1 ) hat diese Formel mit Hilfe eines sinnreichen Apparates zuprüfen unternommen. In ein mit Kupiervitriol gefülltes Gefäss hängt einerseitsvon oben eine drehbare Kupferscheibe herab und ragt andererseits von unteneine teste Kupferscheibe herauf; beide Scheiben sind überall nicht-leitendbedeckt, nur auf den einander zugekehrten Seiten ist je ein ringförmiger Streifenblank gelassen; ein durch den Aufhängedraht durchgeführter Strom geht dannvon dem Rand der oberen Scheibe zu dem der unteren und dann durch denBoden des Gefässes weiter. Versteht man jetzt unter l den mittleren Radiusder blanken Ringstreifen, unter S ihre halbe Breite, unter D die Directionskraftder Torsion, so ist der Drehungswinkel der beweglichen Scheibe unter Einflussdes Erdmagnetismus durch die Gleichung
bestimmt. Die so berechneten Werthe erwiesen sich als mit den beobachtetenhinreichend übereinstimmend. Ist auf diese Weise die Theorie bestätigt, soliefert nunmehr der Apparat von Riecke eine Methode zur Bestimmung von V,und in diesem Sinne ist er schon früher (pag. 83) erwähnt worden.
Deformation durch elektromagnetische Wechselwirkung. Wennvon den beiden auf einander wirkenden Gebilden das eine fest, das andere aber
') Riecke, Wied. Ann. 13, pag. 194. 1881. Vergl. auch Krüger, Wied. Ann. 28,pag. 613. 1886.