Buch 
III/1 (1895) [Elektricität und Magnetismus (II)] / unter Mitwirkung von Prof. Dr. F. Auerbach, Dr. E. Brodhun, Prof. Dr. F. Braun, Dr. S. Czapski, Dr. P. Drude, Prof. Dr. K. Exner, Prof. Dr. W. Feussner, Dr. L. Grätz, Prof. Dr. H. Kayser, Prof. Dr. F. Melde, Prof. Dr. A. Oberbeck, Prof. Dr. J. Pernet, Dr. F. Pockels, Dr. K. Pulfrich, Prof. Dr. Fr. Stenger, Dr. R. Straubel, Dr. K. Waitz ; herausgegeben von Dr. A. Winkelmann
Entstehung
Seite
550
JPEG-Download
 

55°

Erklärungsversuche für die elektrischen Erscheinungen.

-b ( a i X x -+- a 3 Yj, -t- . . . H- a e Xy) -b f 1 A -b f% B+ / 3 C,

und daraus folgt die Wärmezufuhr, welche erforderlich ist, um bei gleichzeitigstattfindenden Aenderungen X x . . - X y und A, B, C die Temperaturerhöhung zubewirken,

(JxA +f 2 B-b f a C).

e

Q 0 U = + -jjj- (tüj Xx -+- .+ a 6 Xy) -b

Das letzte Glied dieses Ausdruckes zeigt, dass bei fehlender Wärmezufuhrein pyroelektrischer Krystall, wenn er in ein elektrisches Feld mit den Kraft-componenten A, B, C gebracht wird, eine Erwärmung oder Abkühlungerfahren muss, je nach den Vorzeichen der Grössen Eine experi-

mentelle Bestätigung dieses merkwürdigen, zuerst von W. Thomson 1 ) gefundenenSatzes liegt zur Zeit noch nicht vor. F. Pocket.s.

Erklärungsversuche für die elektrischen Erscheinungen.

A. Fernwirkungstheorien.

Eine grosse Anzahl elektrischer Erscheinungen lässt sich durch die Annahmeverständlich machen, dass dasjenige, was wir Elektricität nennen, ein sehr feiner,leicht beweglicher Stoff sei, der so geringe Masse hat, dass sein Gewicht mitunseren Methoden nicht messbar ist, der also als frei von Gravitation angesehenwerden kann, d. h. dass die Elektricität ein fast gewichtsloses Fluidum sei. Dabeiaber verlangt der polare Unterschied zwischen positiver und negativer Elektricitätzunächst sofort zwei solche Fluida. Ein unelektrischer Körper ist danach einsolcher, welcher gleiche Mengen positiver und negativer Elektricität (gebunden)enthält. Diese Mengen müssen so gross angenommen werden, dass es nicht möglichist, einem Körper die eine Art Elektricität ganz zu entziehen. Diese Hypothese, dieHypothese zweier Fluida, rührt von Symmer (1759) her 2 ). Einen Körper positivelektrisiren, heisst danach eine gewisse Menge positiven Fluidums von einemanderen Körper auf ihn übertragen, oder eine gewisse Menge negativen Fluidumsihm wegnehmen und auf einen anderen Körper überführen. Von den kleinstenTheilchen dieser Fluida wird zunächst angenommen, dass sie sich nach demCouLOMBschen Gesetz abstossen oder anziehen. Wenn zwei Körper A und Bzunächst neutral sind und man entzieht dem Körper A P Einheiten positiverElektricität und bringt sie nach B, entzieht ebenso dem Körper B N Einheitennegativer Elektricität und bringt sie nach A, so ist das Resultat, dass derKörper B P -t- N Einheiten positiver Elektricität frei besitzt, dass dagegen seinegebundene Elektricität sich um N Einheiten von 4- und Elektricität verminderthat. Entsprechendes gilt für A. Wenn man dagegen, was zu demselben Resultatführt, P b N positive Einheiten von A nach B führt, so ist Körper B ebensopositiv elektrisch, aber seine gebundene Elektricität hat sich nicht vermindert.Bringt man drittens P-bN negative Einheiten von B nach A, so ist die gebundeneElektricität von B um P-bN positive und negative Einheiten vermindert. Die

*) W. Thomson, Math. phys. papers I, pag. 316. 1877.

2 ) Prtestley, Geschichte d. Elektricität, pag. 166 ff.