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Induction.
Doch wandte derselbe seine Theorie der Induction in körperlichen Leitern nurauf die Fortpflanzung der Elektricität in einem langen, dünnen Draht an. Beider Behandlung der Inductionsströme in einer unter dem Einfluss magnetischerKräfte rotirenden Scheibe hat ferner Jochmann 1 ) einen Theil der hier in Be-tracht kommenden Kräfte vernachlässigt. Dagegen hat Lorberg 3 ) für den Falleiner leitenden Kugel das allgemeine System der Weber - KiRCHHOFF’schenGleichungen gelöst und verschiedene Anwendungen auf die Entstehung von In-ductionsströmen in der Kugel gemacht.
Als H. v. Helmholtz 3 ) ähnliche Probleme, von denselben Gleichungen aus-gehend, zu lösen versuchte, fand er, dass dabei unter gewissen Umständenunzulässige Folgerungen eintreten, dass nämlich einmal erregte elektrischeStrömungen, anstatt nach kurzer Zeit zu erlöschen, zu stetig wachsendenWerthen anschwellen müssten oder dass das Gleichgewicht der Elektricität ein»labiles« wäre. Bei näherer Untersuchung ergab sich, dass diese Consequenzin dem Ausgangspunkt der Theorie — in dem WEBER’schen Gesetz — be-gründet war.
Die aus dieser Behauptung sich ergebende Discussion, an der sichW. Weber, C. Neumann, J. Bertrand u. A. betheiligten, können wir hier nichteingehender besprechen 1 ). Wir müssen uns begnügen zu bemerken, dass die-selbe schliesslich zu einer anderen Entwickelungsform der Elektricitätstheoriehinüberleitete, bei welcher an Stelle der unvermittelten Fernewirkung die elek-trischen und magnetischen Kräfte durch continuirlich sich fortpflanzende Ver-änderungen eines Mediums erklärt wurden.
Diese im Anschluss an Faraday’s Vorstellungen mathematisch von Cl. Max-well ausgearbeitete Theorie wird im Abschnitt VI. näher besprochen und aufverschiedene Probleme angewandt werden 5 ).
Zum Verständniss einer grossen Zahl von Inductionserscheinungen in körper-lichen I,eitern genügt andererseits die Kenntniss einer Reihe einfacher Gesetze,welche sich aus einer naheliegenden Erweiterung der F. NEUMANN’schen An-nahmen herleiten lassen.
2. Induction in Leitern, welche in einem magnetischen Kraftfeld
bewegt werden.
Nach F. Neumann war die elektromotorische Kraft für ein, in einem Kraft-feld bewegtes Drahtelement der negativen Arbeit bei der Bewegung diesesElements (durchflossen von der Stromeinheit) gleichzusetzen. Dabei war dieRichtung der inducirten Kraft durch das Element selbst gegeben, so dass nurnoch die Grösse derselben festgestellt werden musste. Für einen Punkt einesbewegten Leiterelementes ist dagegen Richtung und Grösse zu bestimmen.
Zu diesem Zweck denken wir uns durch den Punkt ein Flächenstück gelegtund nehmen an, dass dasselbe von der Stromeinheit in normaler Richtung durch-flossen wird. Bei der Bewegung des Leiters im Kraftfeld wird dann in der Zeit-einheit und für die Längeneinheit des Stromes^die Arbeit:
_ T = K • u> • cos fl
l ) Jochmann, Borchardt’s Journ. 63, pag. 1 u. 158. 1863.
3 ) Lorberg, Borchardt’s Journ. 71, pag. 53. 1870.
3 ) H. v. Helmholtz, Borchardt's Journ. 72, pag. 57—129. 1870; Gesamm. Abhandl. 1,P a g- 545— 6 28.
*) Die Literatur ist leicht aus den Abhandlungen von H. v. Helmholtz, Gesamm. Ab-handl. I, pag. 636—714, zu ersehen.
5 ) Vergl. auch den Artikel: »Erklärungsversuche der elektrischen Erscheinungen.«