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III/1 (1895) [Elektricität und Magnetismus (II)] / unter Mitwirkung von Prof. Dr. F. Auerbach, Dr. E. Brodhun, Prof. Dr. F. Braun, Dr. S. Czapski, Dr. P. Drude, Prof. Dr. K. Exner, Prof. Dr. W. Feussner, Dr. L. Grätz, Prof. Dr. H. Kayser, Prof. Dr. F. Melde, Prof. Dr. A. Oberbeck, Prof. Dr. J. Pernet, Dr. F. Pockels, Dr. K. Pulfrich, Prof. Dr. Fr. Stenger, Dr. R. Straubel, Dr. K. Waitz ; herausgegeben von Dr. A. Winkelmann
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Beobachtungsmethoden.

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scheint sie mit Wachsthumsanomalien im Zusammenhang zu stehen. Wirwerden uns in der unten folgenden Aufzählung specieller Beobachtungsresultateauf die hemimorphen Krystalle beschränken, und verweisen wegen des pyro-elektrischen Verhaltens von Krystallen mit mehreren polaren Axen, wie Quarz,Strontiumhyposulfat, Zinkblende, Natriumchlorat, Helvin, Seignettesalz, Asparaginit. a. auf die Abhandlungen von Hankel, sowie auf dessen Artikel in Wiede-manns Elektricitätslehre, Bd. 2, § 378385, und auf Liebischs jphysikalischeKrystallographie, pag. 25525g.

Beobachtungsmethoden. Die älteren Beobachtungen wurden meist inder Weise angestellt, dass die zu untersuchende Stelle des sich abkühlendenKrystalls mit dem Zuleitungsdraht eines Elektroskops berührt, oder ihr dessenSpitze genähert wurde. Riess und Rose 1 * ) bedienten sich eines Bohnenbf.rger-schen Elektroskops und erwärmten die Krystalle in einem Bade von feinemSchrot; die beim Herausnehmen des Krystalls etwa entstehende Reibungs-elektricität wurde durch kurzes Bespülen mit einer Alkoholflamme entfernt. Beiden sehr ausgedehnten Untersuchungen von Hankel 3 ) wurden die Krystalle bisauf die zu prüfende Stelle mit Kupferfeilicht umgeben, in einem kleinen Ofenerhitzt, nach dem Herausnehmen ebenfalls mittelst einer Alkoholflamme von derelektrischen Ladung befreit und dann der Abkühlung überlassen; zur Prüfungdiente ein HANKELsches Elektrometer.

Sehr erleichtert wurde die Untersuchung der Krystalle auf Pyroelektricitätdurch das von Kundt 3 ) 1883 angegebene Bestäubungsverfahren, welches ge-stattet, die Elektricitätsvertheilung auf der ganzen Oberfläche eines Krystalls zu-gleich sichtbar zu machen. Dieses Verfahren besteht darin, dass man den zuuntersuchenden Krystall, der zuvor in einem Luftbade auf die gewünschteMaximaltemperatur erwärmt worden ist, während der Abkühlung mit einem Ge-menge von Schwefel und Mennige bestäubt, welches durch ein Sieb von Mous-selin hindurchgeblasen wird. Hierbei wird nämlich das Schwefelpulver negativ,das Mennigepulver positiv elektrisch, in Folge wovon das erstere an den positiv,das letztere an den negativ elektrischen Stellen des Krystalls haften bleibt, so-dass erstere gelb, letztere roth gefärbt erscheinen. Natürlich darf bei der Er-hitzung des Krystalls die Schmelztemperatur des Schwefels nicht überschrittenwerden; ferner dürfen die Krystalle keine Risse oder stark einspringendeWinkel haben. Im Uebrigen gestattet aber die Methode, selbst ganz kleineKrystalle leicht und sicher auf Pyroelektricität zu prüfen, und ist daher bei denneueren qualitativen Untersuchungen fast immer angewandt worden.

Qualitative Beobachtungsergebnisse. Im Nachstehenden geben wireine Uebersicht der bisher bekannten Krystalle, welche durch gleichförmigeTemperaturänderungen pyroelektrisch erregbar sind. Wir ordnen dieselben nachden Symmetriegruppen und bedienen uns für letztere der von Schönflies 4 ) vor-geschlagenen Benennungen; um die charakteristischen (»erzeugenden«) Symmetrie-

) Riess und G. Rose, Abhandl. Akad. d. Wiss., Berlin 1843, P a g- 59- Vergl. auch Riess,

Lehre von der Reibungselektricität, 2. Band, pag. 472.

3 ) Hankel, Inauguraldissertation 1839, Habilitationsschrift 1840, und zahlreiche Ab-handlungen in Pogg. Ann. und den Abhandlungen (Bd. 4, 812, 14, 18, 21) u. Berichten derk. sächs. Ges. d. Wiss. Siehe auch G. Wiedemanns »Lehre von der Elektricität«, 2. Bd.,§ 377387-

3 ) A. Kundt, Sitzungsber. d. Berl. Akad. 1883, pag. 421. Wied. Ann. 20, pag. 592.1883. A. Kundt und E. Blasius, Wied. Ann. 28, pag. 145. 1886.

4 ) Schoenflies, Krystallsysteme und KryStallstruktur, Leipzig 1891, pag. 146.

Winkelmann, Physik. III. 2. 34