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Der Winterschlaf nach seinen Erscheinungen im Thierreich / dargestellt von Dr. H.C.L. Barkow
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Erstes Capitel.

stcn, nicht wie man sonst glaubte, in der hcissestcn Jahreszeitsich der Ruhe hingiebt. Ueber den Winterschlaf des gemei-nen Bären (Ursus arctos) sind die Meinungen sehr verschieden.Nach Aristoteles soll im Zustande der Freiheit der Bär wenig-stens 40 Tage im Winterschlaf liegen, und von diesen 14 Ta-ge hindurch vollkommen unbeweglich sein. Im Wesentlichenfinden sich diese Angaben wiederholt hei Plinius, Aelian undseihst in neuerer Zeit hei Agricola und Ol. Borrichius. Pal-las I * ) nimmt, indem er von den Bären Sihiriens spricht unzwei-felhaft einen Winterschlaf an. Cuvier 1 ) und Rudolphi 3 ) spre-chen sieh ebenfalls dafür aus. Jacobson 4 ) sagt, dass die Bä-ren zwar nicht in eigentlicher Erstarrung, aber doch ohne son-derliche Nahrung zu sich zu nehmen, und grösstentlieils schla-fend den Winter zubringen. Nach Sehreber 5 * ) und Bcchstcin)verlebt der Bär den ^Winter zwar nicht erstarrt, oder schlafend,aber doch in ununterbrochener Ruhe, und nach Tylkowshy 7 )verbirgt er sich im Februar einige Wochen, und saugt an denTatzen, wie er dies an einem Gefangenen selbst beobachtethat. Prunelle 8 ) und Otto 9 ) läugncn den Winterschlaf des Bä-ren ganz. Prunelle hat nie gehört, dass man einen Bären inBetäubung überrascht habe, obgleich er lange in Gegenden ge-wohnt, in denen diese Thicre sehr gemein waren. GefangeneBären halten auch in der grössten Kälte keinen Winterschlaf,

>) a. a. 0. S. 93.

Ä ) Thierreich B. I, S. 193.

3 ) Physiologie B. I. S. 281.

4 ) Meekel Archiv für Physiologie S. 151.

5 ) a. a. 0. Bd. 3. S. 507.

®) a. a, 0. S, 335.

) llaczynski Historia naturalis curiosa regni Poloniae, S, 226.

8 ) Gilberts Annalen. Bd. 40. Leipzig 1812. St. 4,

s ) Otto De animalium quorimdain per hiemeni dormientinm vasi.s ceplia-licis et anre interna, Nov, act. pliys, tned. Acad, Caes, Leop. Ca-rol. Tom, XIII. Bonnae 1826. S, 75.