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Der Winterschlaf nach seinen Erscheinungen im Thierreich / dargestellt von Dr. H.C.L. Barkow
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Achtzehntes Capitel,

indem eine geringere Ausdehnung der Lungenbläschen, ein«geringere Entfaltung der Haargefässc, ein weniger freies Durch-slrömcn des Blutes durch sie, und somit ejnen verringertenOxydations-Prozess nach sich ziehet muss, der bei den Am-phibien von der geringeren Entwickelung der Zellen in denhäutigen Lungcnsücken abhängig- ist. Hierin ist meiner Mei-nung nach die wichtigste und wesentlichste, in der Organisa-tion nachweisbare innere Bedingung der grossem Trägheitbegründet, durch welche die Winterschläfer überhaupt sichauszeichnen, wenn sie nicht durch äussere oder innere Reizebesonders erregt werden. Dies findet auch seine Bestätigungin dem Bau und der Lebensweise der niedern Thierc, soweitletztere bekannt ist. Der weite Lungensack der Schneckenzeigt eine unverkennbare Aehnliehkeit mit den Lungen derAmphibien, und der complieirterc Bau der Respirations-Orga-ne der Insectcn, die zahlreich verzweigten Tracheen nur eineeinseitige Entwicklung der Luftwege, ohne entsprechende ca-piliarc Blutgefäss-Entwicklung. Deshalb erscheint bei ihnenauch der Winterschlaf so allgemein. Die Vögel zeichnensich bei einer vollkoimnncrn Entwicklung des Gefässsystemszugleich durch den höchsten Grad der Entwicklung der Re-spirationsorganc aus. Nicht allein sind die Lungenzcllen miteinem fein verzweigten Haargcfäss-Systein reich umsponnen,sondern die Bronchien öffnen sich in die Luftsäcke, unddie eingeathmetc, in der .Luftröhre und den Bronchien er-wärmte, aber ihres Sauerstoffs noeh nicht beraubte Luft,dringt in alle Gegenden des Körpers bis in die Knochen undbedingt bier noch einen unvollständigen seeundären Respira-tionsprozess. Es ist die Circulatiou und Respiration der Säu-ge thiere gleichsam eombinirt mit der Respiration der Insectcn.Daher kommt das höher oxydirte Blut der Vögel, seine irriti-rendere Kraft, die höhere und unveränderliche Temperatur, unddie gäuzlichc Abwesenheit des Winterschlafs bei den Vögeln,