Die Besazzung hatte sich aufs Schloss zurückgezogen und leistetemuthigen Widerstand, besonders in Vertheidigung der drei im ehe-maligen Fasanen - Garten — jezt HoRMUTii’sches Besixthum — be-findlichen Schanzen. Hier fochten Engländer und Niederländer,und der Kommandant des Schlosses, Ritter Herbert , ein Englän-der, fand seinen Todt. Am 10. September musste auch diese Festeerliegen; die Lebensmittel mangelten und jede Hoffnung war ver-schwunden. Unter Trommelschlag und mit zehn fliegenden Fähnleinzogen die Truppen vom Schloss herunter durch die Stadt. Tilly's„ begieriges Kriegsvolk” beabsichtigte Beraubung und drohte selbstmit Niedermezzelung, so dass der Feldherr „in Person mit blossemDegen abwehren und der Schloss-Be.sazzung bis gegen Weinheimdas Geleit geben musste”.
Bis zum Mai-Monat 1633 blieben Stadt und Schloss in Kai-serlicher Gewalt. Ein rüstiger Kämpfer, dessen Namen die Ge-schichtebewahrt, der Schwedische Oberst, Abei, Moda, wurde derBefreier. Unter Ober-Befehl des Prinzen Christian von Birken-fei-d gelang es ihm , sich der Stadt durch Eist zu bemächtigen,und nach kurzer Belagerung wurde auch das Schloss übergeben.
Während des besprochenen Waffen - Stillstandes ging es aufdem Schlosse hoch her. Die sorglosen Staabs-Offlziere waren beimBanket versammelt, die Soldaten ergözten sich mit Tanz und Spiel.Unterdessen vollendeten die vorsichtigen Schweden ganz in derNähe, im Angesichte des Feindes, ihre Batterie am „Pommeran-zen - Garten” und brachten das Geschfiz dahin. Am folgenden Mor-gen musste man kapituliren.
Das wechselnde Kriegsglück, der Sieg des Römischen KönigsFerdinand über den Deutschen Heros, den jugendlich ungestüm-lehrt habe, und der Oberst schenkte ihm das Lehen. Am nächstenMorgen schon wurde den Jesuiten das Kanzlei-Gebäude eingeräumt, undunser Krieger musste cs so schnell verlassen, dass ihm die Zeit fehlte,nach seinem „Lehrer aus der Sapienz” weiter zu forschen. Dieser hattesich indessen auf den Boden geflüchtet und war von einem theilnehmen-den Freunde, einem Kurfürstlichen Mundkoche, aus Tilly’s Küche ver-sorgt worden. Später in seine Wohnung zurückgekehrt, fand er, kaumder Todesgefahr entronnen, in seinem Studir-Zimmer einen feindlichenHauptmann, der ihm das werthvollste Werk aus der eignen Bibliothekals Geschenk darbot. Altixg soll, in ruhiger Haltung die Gabe abge-lehnt und geantwortet haben: er wünsche dem Hauptmann, wenn dieBücher sein Eigenthum seyen, einen längeren Genuss, als dem früherenBesizzer. — Wirerzählen, was wir hörten, und gestehen, dass wir nichtgenau unterrichtet sind, ob im Hergange Feindes-Härte und Uebermuthgelegen habe, oder ob, wie es fast scheinen will, die Krieger sich einensehr unpassenden Scherz mit dem Gelehrten erlaubten.