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Freie Plätze.
Ausser dem Karlsptazze und dem Paraden- oder Ludwigs-Platze sind die übrigen freien Räume im Stadt-Inneren nicht be-deutend. Der Karlsplaz hat einen besonderen Vorzug - durch dieAnsicht der Schloss-Ruine, welche man hier geniesst. Ehedemstand ein Barfiisser-, später ein Franziskaner-Kloster an der Stelle,durch dessen Abbruch der Plaz beträchtlich erweitert worden. Dasjezzige Oberamts-Haus war in früheren Zeiten ein Besizthum desberühmten Geschlechtes von Sickingen. Innerhalb des mit Bäumenbesezten Raumes hält man, zu gewissen Zeiten, Jahrmarkt. Aufdem, durch einen Halbkreis von Bergen umgebenen, Paraden-Plazze — welcher in früheren Zeiten Stadt und Vorstadt schied,einst zum Augustiner-Kloster gehörte, und unter Karl Theodorzum Behuf des Exerzirens eingerichtet wurde * — erbaute man1827 das Museum. Der sogenannte Hexenthurm , an der Süd-seite dieses I’lazzes, gehörte ohne Zweifel einst zur Be-festigung der Stadt. — Der Markt (Speisemarkt) , welcher siehum die Kirche zum heiligen Geiste ausbreitet, hat in seiner Mitteeinen Brunnen, den eine gut gearbeitete Statue des farnesischenHerkules ziert. Die Buden zwischen den Strebe-Pfeilern derKirche bestehen schon seit 1487. In diesem Jahre wurden diePläzze an die Stadt verkauft. — Beim Wandern über den Markt,versäume man nicht, ein merkwürdiges Haus zu besehen, dasälteste der Stadt, ausgezeichnet durch einen, für die Zeit auswelcher dasselbe stammt, prachtvollen Baustyl. Es ist das Gast-haus zum Ritter , welches der jezzige Eigenthiimer, J. F. Hor-muth, neuerdings, so weit solches möglich war 5 in seiner ur-sprünglichen äusseren Gestalt wieder herstellen liess, und sich da-durch wahres Verdienst erwarb; denn nun gewährt „der Ritter”Einheimischen und Fremden eine der interessantesten Anschauun-gen. Der Erbauer Avar Charles Belier (Karl Widder ) , wahr-scheinlich einer jener Flüchtlinge, die, ihres Glaubens halber ausErankreich vertrieben, in der Pfalz eine sichere Freistatt fanden.Belier, welcher Glück und Klugheit genug gehabt, seine Schäzzeaus dem undankbaren Vaterlande zu retten, siedelte sich in Heidel-berg an, und führte, 1592, den Frachtbau auf, ganz im Geisteund im Style des OTTo-HEiNRicii-Palastes, A r on dem wir bei derSchloss-Ruine zu reden haben werden. Eine Geschichte vom Ur-sprung des Hauses, und zugleich eine Deutung der, nach der Auf-
* Ansicht des Paraden-Plazzes; Kupferstich von de i.a Roqiie. 1 758.