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Fremdenbuch für Heidelberg und die Umgegend / von K.C. Leonhard
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85
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hundert, und verdienen die Aufmerksamkeit aller Freunde klas-sischer Literatur. Grössere Ausbeute bieten freilich die ungleichzahlreicheren Deutschen Handschriften dar ("fast neuntehalb hun-dert, der Griechischen sind über dreissig, wozu noch einige Latei-nische , Französische und Englische kommen ), welche der DeutschenSprach - und Geschicht-Forschung ein weites Feld eröffnen, undmanche noch unbenuzte Seliäzze enthalten. Wir nennen darunternur Ottfrieds poetische Bearbeitung' der evangelischen Geschichte,gewiss aus dem X. Jahrhundert (nr. XLII.) ; die Werke Cunratsdes Pfaffen, Konrads von W'üjizburg, Gottfried« von Strass-burg, Wolframs von Eschenburg, Hugo.« von Trimberg (derIlenner), den Parcival, Otnit, Lanzelot, Rcdolvh von Montfort,Wolf Dieterich, die Biblia Vauperuni (nr. XXXIV), mehrereandere alte Bibeln, Liedersammlungen, Minnelieder, ein Theil derNiebelungen u. A. der Art. Als besondere Merkwürdigkeiten ver-dienen noch -weitere Beachtung die eigenen Handschriften Dr.Martin Luther«, nämlich seineUebersezzung' des Jesaias bis zumAnfang des 23. Kap. und seine ,,Vermahnung zum Gebet widerdie Türken (nr. DCCXXXI), dieErläuterungen zum Heidel-berger Katechismus vom Jahr 1607 (nr. DXV1I.), dann einigeGebetbücher von Pfalzgrafen und Pfalzgräfinnen, zum Theil vonlezteren selbst geschrieben (z. B. nr. DCXC1V von der PfalzgräiinElisabeth), mehrere durch glänzende Malereien höchst ausge-zeichnete Stammbücher oder Xativitätsbiicher. Auch auf dasVer-zeichnis« der Einnahmen und Ausgaben des Pfalzgrafen FriedrichIV. vom 7. Juni 1599 an (nr. DCCLXXXIV) wollen wir nichtunterlassen aufmerksam zu machen, da es manche höchst charak-teristische Züge für das Hofleben jener Zeit enthält *.

* In dem von Joh. Christian von Morsjieim geführten:Verzeug-nisz was wegen des D u r cli 1 e u c h ti g s t e n Herren Fridrichendes Namens dem Vierten u. s. w. In genommen und Auss-gebene habe finden sich besonders häufig Verehrungen erwähnt,welche Jungfrauen und Weiber erhielten, die Seiner KurfürstlichenGnaden bei Spazierfahrten und Musterungen, oder auf Reisen, an diesenund jenen Orten, «gesungen, so wie Geschenke an Bauern ertheilt,welche bei Jagden u. s. w.vor Pfalz tanzen müssen. Ferner liestman, unLer dem 31. Julius und 18. Oktober 1 599, nachstehende selt-same Ausgaben aufgezeichnet:Einer Allen frauen so den Jun-gen herreu von Chrihingen [?] müssen küssen auss Pfaltzbeutel gehen 2 Gold-Gulden, undHaben Seine Chur-fürslliche Gnaden des Bischofs von Spcier seinem narrenauf Dal berge rs Hochzeit vor 2 m a u 1 s c li e i 1 c n welche er ge-ll alten 3 Gulden geben.