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— Was am aulfallendsten, ist, dass man, und nicht blos in Jahr-hunderten des Aberglaubens, dem Volks-Gerede ein besonderesGewicht beigelegt, indem die Sache zum Gegenstände akten-mässiger Verhandlungen vor dem Amte zu Reichelsheim gemachtworden (1743 bis 1796), ohne dass jedoch, wie zu erwartengewesen, befriedigender Aufschluss über das Getöse in derLuft sich ergeben*. — Seitdem das Deutsche Reich erloschen,treibt der Geist, wie versichert wird, seinen Spuk nicht mehr;wenigstens vernehmen seit langen Jahren die Bewohner des Meier-Hofes unmittelbar unter dem Rodenstein auch nicht das mindesteUnheimliche. — Die ganze Erscheinung dürfte zu den Sagen ge-hören , die mit mehr oder weniger Stärke oder Blindheit des Aber-glaubens aufgenommen und weiter erzählt worden.
Zur Rückkehr aus dem Odenwalde schlagen wir den Wegüber Beerfelden und Eherbach vor.
Im schönen und freundlichen Flecken Beerfelden entspringtdie Mümling, von welcher eines der lieblichsten Odenwald-Thäler — das Blum-Gau der Alten — den Namen trägt. Früherwar Beerfelden Eigenthum des Lorscher Klosters, kam jedoch,muthmasslich schon im X. Jahrhundert, an die Schenke vonErbach. Stadt-Rechte erhielt der Ort 1328 von Kaiser Ludwiödem Baiern. Im Jahre 1810 wurde Beerfelden mit seiner alten,aus dem Jahre 1500 abstammenden, Kirche durch Feuer bis aufwenige Gebäude zerstört. — Tuchmacherei ist eine Haupt-Nah-rungs-Quelle der Einwohner. —■ Wirthshaus: zum Fürsten-auer Hofe.
Von Beerfelden nach Eberbach führt eine wohl unterhalteneChaussee zwischen schön bewaldeten Bergen durch angenehmeThäler. Von Eberbach nach Heidelberg kann man den Weg zuLand machen oder auf dem Neckar. Wir haben in der näch-sten Reise ein Weiteres darüber zu sagen.
* Der Glaube an Geister und Gespenster indessen war schon imAnfänge des vorigen Jahrhunderts auch unter den Landleuten der dortigenGegend etwas geschwächt. Dies geht aus einem Protokoll vom Jahr1753 hervor, in welchem eines anderen Landgeistes, des sogenannten„Krise h ers“ gedacht wird, der sich auf der Spreng, bald als Hirsch,bald als Ochs, auch als Esel wahrnehmen lisss. Einer der Deponen-ten drückt sich hierüber also aus: Er habe einstmalen mit einemandern Manne in der Nacht an besagtem Orte Kohlen geladen, da ihmjener bemerkt, wie er einen grossen Esel sehe, den er, Aus-sager, aber nicht sehen könne.