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deren Grund-Gebirge Muschelkalk ist. Jenes Gebilde erscheinthier mächtig, in mannigfaltigen Abänderungen entwickelt, undzugleich durch Natur und Kunst höchst lehrreich aufgeschlossen.In der Nähe des Jägerhauses findet man einen der grössten Brücheim Keuper-Sandsteine auf weit und breit. Die Felsart istleicht verarbeitbar und sehr dauerhaft; Eigenschaften, die sie alsBau - Material, besonders aber zu Monumenten, Statuen u. s. w.vorzüglich brauchbar machen, darum werden die Heilbronner Steine,zumal Rheinabwärts, in grosse Ferne verführt. Die Säulen amDarmstädter Theater, viele Thürgestelle in Ehrenbreitstein undmanche neue Bauten am Dome zu Köln sind aus diesem Sandsteine.Am Wilhelms-Kanal bei Heilbronn wurden Massen von 100 —128Kubikfuss verwendet. Im Keuper-Sandstein am Wartberge undam Jaegerhause kommen die pflanzlichen Ueberbleibsel Marantoi-dea arenacea, Filiciten, Calamiten u. s. w., deren wir hei Sins-heim gedachten (S. 269) häufig und von besonderer Grösse undSchönheit vor ; auch ist im Jahre 1832 der Kopf einer fossilengrossgeschuppten Lacerta- Art gefunden worden. Die unterstenSchichten des Keuper-Mergels werden hin und wieder durchihnen eigenthüinliche Muscheln, Posidonien (Posidonia Keupe-riana), bezeichnet. Keuper-Gyps gewinnt man am Hfigel,welcher die unter dem Namen der Weibertreue so bekannte Burg-Ruine trägt, und in der Nähe des Wartberges , so wie jenseit desNeckars am Ileuchelberge. — Zum Bohren Artesischer Brun-nen zeigt sich die Keuper-Formation sehr günstig; diesshaben eilf gelungene Versuche in Heilbronn dargethan. NachBruckmanns schönen Erfahrungen * sind es die dem Gebilde ei-genen Mergel-Schichten, welche, oft in nicht beträchtlicher Tiefe,Wasser in grösster Menge und von gewaltiger Steighöhe liefern.Wir rathen den wissbegierigen Fremden, Heilbronns ArtesischeBrunnen nicht unbesehen zu lassen. — Freunde der Gebirgskundekönnen, unfern der Stadt am Neckar-Ufer, die ITeberlagerungdes Muschelkalkes durch Keuper-Mergel sehr deutlichbeobachten. Die Stelle heisst die Neckarheide. Hier zeigt sichrecht augenfällig, wie die Wasser auf der Oberfläche des Muschel-kalkes zusammen und sodann, an der Grenze beider Formationen,an den Tag treten.
An der Brücke misst der Fluss-Spiegel 490 Fuss Meeres-Höhe.
Die Flora ist von jener im Gebirge bei Heidelberg nicht sehrverschieden, doch bemerkenswerth, dass Parietaria officinalis in
* Anleitung ?,ur Anlag« Artesischer Brunnen. Heilbronn; 1833.