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über, und erreichten ihr völliges Ende mit Einführung des ewigenLandfriedens. Eben dadurch aber erhielt Speyer eine neue fried-lichere Bedeutung für das Deutsche Reich, indem es seit 1530 derSiz des, zum Schuzze jenes Landfriedens geschaffenen, Reichs-Kammer-Gerichtes wurde und auch 150 Jahre lang — 1555 ver-legte man es wegen einer Seuche, die in Speyer herrschte, aufkurze Zeit nach Esslingen — blieb, bis dasselbe, nach dem grossenBrande (1689} nach Wcslar kam. Auch in dem grössten Ereig-nisse des XVI. Jahrhunderts, der Reformation, nahm Speyer wie-der eine denkwürdige Stelle ein; hier hielt Kaiser Kari. V. 1529den berühmten Reichstag, wo der Name „Protestant” aufkam. DieReformation fand in der Stadt selbst bald Eingang, und schon 1540nahm, troz der Gegen-Bemühungen des Bischofs, die LüTHEiiischeGlaubens - Gemeinschaft öffentlichen Anfang; dagegen wurde erst1700 der reformirfe Gottesdienst im Saale zum weis seit Ein-horn, feierlich eröffnet. — ln den stürmischen Tagen des XVII.Jahrhunderts dürfte kein Kaiser mehr in der Stadt verweilt haben.Ihre alte Bedeutsamkeit und ihr Wohlstand sanken mehr und mehr;Speyer fing an, ein Bild vergangener Grösse und Würde zuwerden. — Im dreißigjährigen Kriege bemächtigten sich bald dieSchweden, bald die Spanier der Stadt. Im Jahre 1633 hieb derSpanische Parteygänger d’Ossa das halbe Schwedische blaue Re-giment unter dem Obristen Hornegk, innerhalb der Stadtmauern,durch Ueberrumplung zusammen; allein noch in demselben Jahrenahm General Horn die Stadt wieder, und der Französische HerzogD’ENeuiEN vertrieb die Spanier 1644 zum zweiten Male daraus.— Im Orleans'schen Kriege (1689) besezte der Marquis d’Hüxel-X.ES die wehrlose Stadt und wirthschaftete darin auf unerhörteWeise. Man stampfte 138 Mehlfässer voll stiftischer und städti-scher Urkunden, und führte sie nach Strassburg ab, weil die Fran-zosen, einer alten Sage vertrauend, glaubten, in Speyer die Bur-gundischen Archive gefunden zu haben. Alles Geschüz der Stadtund der Bürger wurde nach Landau gebracht. Der FranzösischeIntendant Monclar verkündete den Bewohnern, sie hätten binnensechs Tagen mit Weib und Kind Speyer zu verlassen, um, auf sei-nes Königs Befehl, nach Eisass, Lothringen oder Burgund zuwandern, und dort sich anzusiedeln; über den Rhein aber durfteNiemand ziehen, bei Strafe, am Galgen, oder unter dem Gewehr-feuer zu sterben. Ein Gross-Profoss zog, in Begleitung von vier-zig Strickreitern, wahren Todesboten, in die Stadt. Sie trugenblaue Kleidung; statt der Lilien Frankreichs, waren auf ihrenWehrgehängen Galgen und Rad gestickt, und auf den Achseln ein