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Geschichte der Volksseuchen nach und mit den Berichten der Zeitgenossen, mit Berücksichtigung der Thierseuchen / von Dr. B. M. Lersch
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Volksseuchen im 1. Jahrhundert vor Chr. G.

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sind sehr tödlich nnd akut. Vorzüglich in Lybien, Aegypten und Syrien entstehen sie. Ihrer gedenken die unter Dionys.dem Buckeligen; Dioscorides *) und Posidonius * handeln vor-zugsweise darüber in den Büchern, welche sie über die zu ihrerZeit herrschende Pest schrieben. Dabei entstand ein hitziges,schmerzhaftes, die ganze Constitution ergreifendes Fieber:HupEXov dEjuv 7 . at dSuvvjv xal suaxaaiv oloo xoü aco[j.axoc, Delirium,Ausbruch grosser, harter, nicht eiternder Bubonen, nicht blosin der Schamgegend, sondern auch in den Kniekehlen nndAchseln.*'*)

Sind in der obigen Stelle die Bubonen deutlich erwähnt,so sind sie umständlich auch bezeichnet in einem andern beiAetius erhaltenen Fragmente von Rufus. Dort heisst es:Auchkönnen in der Pest böse, carbunculöse, perniciöse Geschwüre ent-stehen, im Gesicht und den Tonsillen, sowie am übrigen Körper.Ohne Zweifel waren die Schafpocken zur Zeit desTiberius bekannt, wie ans folgender Stelle von Columella(VII,5) hervorgeht.Est etiarn insanabilis sacer ignis,***) quampusulam vocant pastores: ea nisi compescitur intra primampecudem, quae tali malo correpta est, Universum gregem conta-gione prosternit, siquidem nec medicamentorum nec ferri remediapatitur. Kam pene ad omnem tactum excandescit; sola tarnenfomenta non aspernatur lactis caprini, quod infusum tantnm valet,ut eblandiatur igneam saevitiam, differens magis occidionem gregis

*) Dioscorides Anazarbeus lebte unter Nero ; es muss hier aberein anderer Dioscorides gemeint sein, ein Zeitgenosse von Posidonius .Dieser war nach Osann wohl kein anderer als der gelehrte Rhodier,(f 50 v. Chr. 703 A. TJ.), der über-Meteore, Kometen, Blitz, Erdbeben etc.geschrieben, und von dem Strabo einen Ausspruch über Lybien berichtet.Posidonius, welcher ein Alter von 84 Jahren erreichte, soll die imJahre 628 U. 0. durch Fäulniss von Heuschrecken entstandene afrikanischePest im Auge gehabt haben.

**) Ferner: itapaxolou&ov 6e scpaaav auxio (xtö Aoijxtp) Trupsxov etc.xa^a oe xal xo vapa 'IiL-oxpaxoo? ßooßcovuiosc -afloj xrjv Eip7]p.evY]v otd&satvorjXot. -ysvotxo oav ttoxs xalsv aiooup 6 xoioüxoj ßooßwv, Sa~Ep xal xo xoiaöxaEoxi, SiaxE xoiva slvat TjXtxttjöv xal cpoascov ev xtaiv a>pai£; aipsxcoc a-avxüWxa7j 8taxopta vavxo? xou xotooxou ^pvja-tfj.T], Tva xov jaev ODvrjJr) ßoußuiva llspa-TiEocopiEv, <bj ouosv SoxxoAov s^ovxa xov 8s Xoip.co8v), [xsxa TrpoafopsoasuK xalrcpojoyrjc dxpißsaxepaj.

***) Der sacer ignis des Celsus ist im Allgemeinen ein schleichendes,zuweilen kriechend um sich greifendes, gefahrloses Uebel, welches ambesten durch ein eintägiges Fieber geheilt wird. Die eine an Pockenetwa erinnernde Art desselben besteht aus sehr vielen ganz kleinen gleichgrossen Pusteln mit Röthe und Eiterung, die sich auf der Brust, denSeiten und den vorragenden Theilen, namentlich in den Sohlen zeigen.Celsus erwähnt Karbunkeln, die im Auge entstehen (VI,6), auch gewisseArten von Pusteln (V,14).

Auch sonstige Beschreibungen des sacer ignis (Virgil. Georg, etc.)erinnern sehr an Pocken.

Man meint fast das Wort Pocke zu hören bei einer Bezeichnung,welche Plinius einer exanthematischen Krankheit beilegt (XXIV,8): Boaeappellatur morbus papularum cum rubent corpora, sambuci ramo verbera-tur. Boia, Buna soll man noch gewisse Pusteln in Italien nennen.

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