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Geschichte der Volksseuchen nach und mit den Berichten der Zeitgenossen, mit Berücksichtigung der Thierseuchen / von Dr. B. M. Lersch
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Volksseuchen im 10. u. 11. Jahrhundert.

Pest war in Apulien , Bulgarien und im Orient, Viehpest inDeutschland. *)

Beim J. 996 wird eine papulöse tödliche Krankheit erwähnt,wohl nichts anderes als Variolen: Hugo rex papulis totocorpore confectus in oppido Hugonis Judeis (medicis?) ex-tinctus est. (Riberti Hist, in M. Gr. V, 657.)

96 und 97 war eine bösartige Influenza in England, 97durch ungünstige Witterung in Dänemark grosse Hungersnoth.(A. Ryens.) Pest in Deutschland , Asien , Constantinopel, nachBardi . 99 war das h. Feuer in Leon (Villalba), 1000 in Metz(Naumann), zugleich allgemeine Hungersnoth**). Das h. Feuerscheint sich damals auch nach England verbreitet zu haben.Eine tödliche Hautkrankheit war gegen diese Zeit sehr allgemein***).

Ans Ende des 10. Jahrhunderts oder in den Anfang desfolgenden gehört eine, wohl vor dem Tode des Verduner BischofsG-erard (-j- 994) zu Tüll (Toulon ?) herrschende Krankheit, welchedie Stadt mit Leichen erfüllte, wovon 16 an einem Tage gezähltwurden (Vita S. Gerardi in M. G. VI). Nach einem anderenErzähler (Vita Mansuetis, ibid.) war es eine Art ansteckenden,weit verbreiteten Seitenstichs, woran die Kranken vor Be-endigung des 3. Tages starben, und zwar so häufig, dass man710 Leichen täglich zählte|).

Eilftes Jahrhundert n, Chr.

Auch wieder fürs J. 1001 wird, ausser blutiger Diarrhö(Ruhr?), das h. Feuer erwähnt. Im f. J. folgte nach grosserFruchtbarkeit ein so starkes Sterben (wo?), dass man die Be-gräbnisse kaum vollführen konnte. (Güthe.) In Konstantinopel wüthete die Pest.

Schon im J. 3 war eine unerhörte Hungersnoth in Italien .(Sabellico.) Viele Geschichtsschreiber gedenken beim J. 4 derHungersnoth, die alle bekannten Länder, besonders Spanien be-drängte und zu welcher sich eine ebenso schreckliche Seuchegesellte. Es war ein durch heftige Regengüsse ausgezeichnetesJahr. Ausser der sehr unheilvollenPest , herrschte in einigenProvinzen die Kynanche (Diphtheritis?) so sehr, dass dieLebenden nicht ausreichten, um die Todten zu begraben.

1005 starb der Doge von Venedig P. Orseolo und seineGemahlin, die Schwester des Kaisers Romanus an der Pest, an-geblich,weil sie durch ihren Luxus, indem sie zum Essen

*) 995La peste afflisse la Puglia et danneggio la Bulgaria: Bardi .Pestis et fames orientalibus ingruunt. Tietm.Commune damnum pestil.porcorum et boum omnem Germaniam vexat. A. Quedl.

**) 1000Fames magna per multas regiones. (An. Magd.)

***) Gegen 1000.Pestis, quae elephantia medicis vocatur eodem annonimis grassatur et non minimam stragem populi Christiani dedit. M. G.X de translat. Celsi.

t) Quidam lateralis dolor ubique redivivo germine spargitur ac leti-feris invalescens successibus, regionum finibus late pervagatur.