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Geschichte der Volksseuchen nach und mit den Berichten der Zeitgenossen, mit Berücksichtigung der Thierseuchen / von Dr. B. M. Lersch
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15. Jahrhundert.

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Fünfzehntes Jahrhundert.

Senac (tr. de la peste 23) glaubte, dass die vor dem 15.Jahrhundert und die in demselben herrschende Pest wesentlichverschieden aufgetreten sei.Bis zum 15. Jahrhundert blieb sichdie Pest im Aeussern gleich, aber alsdann nahm sie eine andereGestalt an, oder vielmehr herrschte eine ganz neue Krankheit,welche unter verschiedenen Aussenseiten im Organismus dieselbenVerwüstungen anrichtete. Die Zufälle waren denen ganz ent-gegengesetzt, welche anderen Pestseuchen charakteristisch sind.An den Kranken erschienen keine Flecken, keine Karbunkel,keine Beulen (?); kein einziger von den Ausschlägen (?), die beiden Kranken in den früheren Seuchen überall (?) zum Vorscheinkamen, die Haut war nicht trocken und verwelkt, im Gegentheilsie war mit Strömen von Schweiss überschwemmt; es schien, alsob der ganze Körper in Wasser zerflösse. (Bereits Rufus schriebaber: in pestilentia multi sudores erumpunt.) Inwiefern sich diesestrenge Scheidung der Pest-Epochen bewährt, wird der Leserselbst beurtheilen.

Es herrschte die Pest schon i. J. 1400 in vielen Ländern.*) Wohlein Drittel der Einwohner starb in Friesland daran; die Epidemiewurde durch eingetretene Kälte vermindert (Gesch. v. Eriesl. 1660).Zu Tournay begann im Mai 1400 ein lange Epidemie derselben; zu-erst befiel sie nur Biertrinker, dann Personen aus allen Ständen. **)Auch in Köln war sie sehr stark. Die Furcht vor der nahendenPest, auch wohl vor dem beim Ausgange des Säculums erwartetenWelt-Untergange dürfte die Veranlassung gewesen sein, dass vonden Alpen bis an die äussersten Grenzen Italiens das Volk etwa3 Monate hindurch Wallfahrten und ein neuntägiges Fasten hielt.Die Theilnehmer an diesen oft 7000 Personen haltenden Zügengingen in weissen Kleidern und verschleiert einher, das Stabatmater singend und Misericordia rufend. Wenn diese Wallfahrtenin moralischer Hinsicht das Gute bewirkten, dass manche Feindselig-keiten anfhörten, so verhinderten sie doch nicht, dass die Pestnachher kam (Palmer). Am 28. April 1400 litten die hohen Herrendes Pariser Parlaments anRheuma und Fiebern und herrschteein starkes Husten im Saale : Influenza?

*)1400 regnabat quasi ubique pestis mortalitas, Chr. com. Elandr.

**)1400 Et icelle pestilence eommenchante, il ne moroit que labou-reurs campestres et gens mecaniques, gaignant leur vie ä journee ou aul-tremant. Dont les bourgois et rices marchans disoient entre eulx que ilzne avaient garde et que la mort ne prenait que buveurs de ambours et degoudale (Biersorten). Mais assez tost apres eile se aherdi aux buveursde vin, de ypocras et de Malevisee, telement que eile ne espargnoit bour-gois ne bourgoises, canonnes, curez, vicaires, capellains, ne aultres gensde eglise: ne pareillement toutes manieres de gens, feussent gentilz ouvillains, jusque aux medieins et flsiciens, qui se vantoient donner remedespreservatifs contre ladite malladie et en faire quite et garir ceulx et cellesqui le avoient. Et estoit laditte mortalite si soubdaine, aspre et forte enla dite ville et pareillement partout que il serait inpossible le bien ra-compter. (de Smet Chr. de Flandre II.)