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Geschichte der Volksseuchen nach und mit den Berichten der Zeitgenossen, mit Berücksichtigung der Thierseuchen / von Dr. B. M. Lersch
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Volksseuehen im 1. Jahrhundert nach Chr. G.

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Erstes Jahrhundert nach Chr.

Zunächst wird in diesem Jahrhunderte eine Seuche aufSicilien erwähnt (Tac. Ann. II, 17), ums J. 10 eine in Italien (Dio C. L1Y) und im J. 17 eine solche in Rom (ibid., Anast.quaest. XX, 242). In Irland herrschte im J. 36 eine Rindvieh-seuche, wobei fast kein Stück am Leben blieb (Cens. of Irel.).Im J. 42 war eine Seuche in Aegypten und Rom (Clarus u. Rad.Beitr. II, 1833, No. 13). Diese wenigen Notizen sind All es,was über Epidemien der 1. Hälfte des Jahrhunderts zu findenist. Es soll ja auch Caligula sogar bedauert haben, dass keingrosses Unglück, wie Hungersnoth und Pest, seine freilich nurvon 3741 dauernde Regierungszeit ausgezeichnet habe.*)

Unter den akuten Krankheiten könnte noch die von Oelsusbeschriebene sporadische Cholera genannt werden, die oftmit Muskelkrämpfen verbunden war und wohl selbst tödlichwurde, obwohl Celsus ihre Heilung im Anfänge der Krankheitals sehr leicht schildert. Spätere Aerzte, wie Caelius Aurelian ns(Acut. III, 1921) und Aretäus (Acut. II, 5), der die Muskel-krämpfe und das Erlöschen der Stimme erwähnt, sind nichtminder sorgfältig in der Beschreibung dieser Kr ankh eit gewesen.Bei Galen, wo sie häufig genannt wird, werden auch die Waden-krämpfe erwähnt.

Grösser ist die Ausbeute für die Chronologie der Seuchenin der zweiten Hälfte des Jahrhunderts.**) Ausser derjenigen,welche die von der Winterkälte mitgenommene und Mangelleidende Armee des Yologeses betraf (51?) und einer Seuchein Asien im Jahre 51 (Tac. XII, 50) gab es einzelne grössereEpidemien. Um 5563 n. Chr. herrschte unter den Juden zuBabylon eine Pest (Jos. Ant. XYIII, 9, 9). In dem durch Stür-me ausgezeichneten Jahre 65 wüthete zu Rom eine grimmePestilenz unter allen Yolksklassen, ohne dass irgend eine augen-fällige klimatische Ursache dafür wahrzunehmen war, und esfüllten sich die Paläste mit Leichen und die Strassen mitLeichenzügen. Kein Geschlecht, noch Alter blieb verschont.Sclaven wie freigeborene Bürger wurden gleicherweise weg-gerafft von ihren jammernden Weibern und Kindern, die,wenn sie eben noch pflegend und weinend am Krankenlager

*) Einige chronische Uebel, die sich nicht recht in die jetzt gang-baren Formen unterbringen lassen, kamen freilich vor, namentlich das inRom verbreitete colum (scroful. Geschwür?), woran zuerst der KaiserTiberius litt und das von Horaz erwähnte Bauernübel (morb. campanus)mit warzenförmigen Auswüchsen im Gesichte. Die Mundfäule, woran dasrömische Heer unter Germanicus im heutigen Westpfalen (in der Bretan-schen Heide) litt, wogegen die herba britannica, eine Rumex-Art, half,war S c o r b u t.

**) Plimus machte als allgemeine Beobachtung die Bemerkung:pesti-lentiam a meridianis partibus ad occasum solis semper ire, nec unquamfere aliter quam in hyeme, nec ut ternos excedat menses. Senes minimepestilentiam sentire. An anderer Stelle berichtet er, dass zu Lokris undCroton nie Pest noch Erdbeben gewesen.