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Geschichte der Volksseuchen nach und mit den Berichten der Zeitgenossen, mit Berücksichtigung der Thierseuchen / von Dr. B. M. Lersch
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Volksseuchen im 7. Jahrhundert.

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Uin 622 soll in Konstantinopel und Alexandrien eine blat-ternähnliche Seuche grosse Verheerungen angestiftet haben.(Moore hist, of the small pox, 1815.)*)

Einer grossen Pest in Palästina um 634 und 35 gedenktdie Hist. Sarac. Erp. 1,2.

Etwa in die dreissiger Jahre dürfte die kolikartige Seuchegehören, die von Convulsionen und completer Paralyse der Be-wegung gefolgt war, und besonders in Italien beobachtet wurde,aber, wie Avicenna bemerkt, wie eine Pest von einer Gegend indie andere wanderte.**)

Um 639 (640 nach Freind) sollen unter Omar die Araber,während eine Pest im eigenen Lande wüthete, die Pocken nachAegypten gebracht haben. (Nach Wernher war die EroberungAegyptens durch die Saracenen um 630 von einer Eecrudescenzder Blattern begleitet.)

Die wirkliche Pest soll im Jahre 39, demJahre der Zer-störung in Syrien und Arabien, besonders zu Medina, geherrscht

*) Ahrun aus Alexandrien (622 etwa), Zeitgenosse des Paul v. Aegina,liefert die erste Beschreibung der Pocken. (Sprengel II, 366, Aaronis pan-dect. in Halleri Bibi. m. I, 376.) Nach Wernher beschreibt der vor Bhazeslebende Ibn Jacub ben Ischaac, dessen Manuscript die Mainzer Stadtbiblio-thek bewahrt, die Pocken. Im 7. und 8. Jahrhundert werden Pockennar-bige von den Arabern erwähnt. Auch Maseyawaih aus Basor, welcherein Werk Ahruns aus dem Syrischen ins Arabische übersetzte, soll alsFolge der Pocken Augenentzündung und Erblindung erwähnen. (Bhaz.cont. 421 angeblich.) In der G-escliichte der Saracenen von Elmacin sindmehrere Khalifen genannt, welche Pockennarben oder Augenfehler vonden Pocken behalten hatten. Giodari, Algigran heissen im Arabischen diePocken. Avicenna nennt diese Krankheit eine Pest. Nach ihm ist derFall häufig, dass ein Mensch zum 2. Male pockt. (IV fen. 1. tr. 4, c. 6.)Im 10. Jahrhundert stirbt Balduin v, Flandern an Pocken. Unter denGriechen ist die Abhandlung des Synesius im 12. Jahrhundert die erste;er nennt die Pocken OXux-aivouvr) Xotjxixrj und unterscheidet sie von denMasern: exepa Xs~x9) xa't vuxvrj Xotjxtxij. Seine Beschreibung ist aber vonArrasi entnommen (II, 329).

**) Paul. Aegin. III:Nostra aetate (634?)-colicus quidam morbushomines vexavit, in quo absoluta motus privatio in artubus conse-quebatur, et maxime in his qui superstites evasuri essent. Verum sensustactus illaesus conservabatur . . . sua sponte rediit plerisque motus tem-poris progressu. Qui vero difficilius eurari potuerunt, his simplicioresex relatis illitiones profuerunt etc. An späterer Stelle:Arbitror eamquae nunc invaluit colicam affectionem, ex talibus humoribus gene-ratam esse, quae ab Italiae quidem regionibus initium coepit, sed etin aliis multis Born, reipublicae locis grassata est, pestilenti quadamdistributione: in qua plerisque ad morbum comitialem, aliis adartuum resolutionem servato sensu, quibusdam ad ambo, delapsus con-tigit. Et qui quidem ad comitialem delapsi sunt plerique perierunt. Quivero ad resolutionem plerique servati sunt, velut in indicatione causa trans-lata. Sic igitur aegrotantes medicus quidam in Italia curavit, incredibiliac temerai'io frigefactorio victu constituto ... et frigidam aquam dabat.Et plurimos hoc modo praeter omnem opinionem sanavit et ex his aliquosqui iam ad comitialem aut resolutionem delabi coepissent. Cfr. AvicennaHl, ten. 16, tr. 3. Wahrscheinlich war es eine Epidemie von Meningitiscerebralis, in welcher Krankheit heftige Schmerzen der Bauchmuskelnöfters Vorkommen. An diese Krankheit erinnert auch eine Stelle beiAretäus (de tetano).

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