Volksseuchen im 12. Jahrhundert.
89
worauf grosse Trockne folgte. Audi ging ein verdächtiger Nebelvoraus.*) Schon im Dezember 73 starben Viele an dieser und.an andern Krankheiten (Sig. Ct. Aqu., Ann. Bland.). Vom 1. De-zember an verbreitete sich diese „tussis intolerabilis et inaudita“über ganz Deutschland und Gallia comata, kein Lebensalter ver-schonend und bei Mehreren tödlich werdend. Italien und Englandlitten unter derselben Plage. Den „grossen Husten“ setzenA. Remens. et Colon, auf 1174, wo er jedenfalls noch fort-dauerte (Cf. Rodulf. de Diceto).
Im J. 74 war in England eine Pockenepidemie. (Guy.)**)In Italien grosse Hungersnoth. (A. Pisan.) Auch 75 war Tlieue-rung. 75 Pest und Hungersnoth in England. (Bened. Petrop.)Am schlimmsten in dieser Hinsicht scheint es mit dem J. 77geworden zu sein; ein harter Winter und Pest waren vor derHungersnoth.***) An verschiedenartigen Fiebern starben Viele ind. J. (in Flandern ?) M. G. VIII. Auch 78 herrschen in Fries-land Hungersnoth und Pest. Etwa dieser schlimmen Zeit desNahrungsmangels mag auch die von Avenzoar (| 1179) erwähntegrosse Pest angehören, wobei die Menschen todt hinfielenund welche dadurch entstanden sein soll, dass Kräuter- undfaules Fleisch ihre Speise waren. Im J. 79, wo die Theuerunganhielt, brachen Seuchen unter Schafen und Kühen aus. (Ann.Bosov., Cont. Sigeb.) Capocci setzt- eine Pest in Italien auf 79;es wird wohl die zumeist im J. 80 nach Ueberschwemmung inder Campania und in den J. 80 u. 81 in Parma herrschendeSterblichkeit gewesen sein.f) Im J. 80 war eine pestähnlicheEpidemie des h. Feuers in Lothringen . Einzelne Kranke, derenHaut brandig und maulbeerfarbig wurden und deren Gliederbrandig abstarben, erfüllten mit ihrem AVehegeschrei Strassenund Kirchen. (Villalba.) Von 77—82 hatte die Hungersnoth
*) 1173 „Processit de terra nebula crassa, de qua concepta est inhominibus tussis gravissima ipsaque lues graviter invaluit pluribus ex eamorientibus et precipue pregnantibus. mortuus est ex ea LothowigiusMonaster. episc.“ A. Magd. — „Pestilentia liominum ex tussi mortalitas.“Ann. Bland.
**) Nach Avenzoar waren zu seiner Zeit die Pocken so unver-meidlich, dass es wunderbar erschien, wenn einmal Jemand ihnen ent-ging. — Mit Bezug auf die Verbreitung der Pocken durch Thiermilch istes wohl von Bedeutung, dass nach den Arabern vorzüglich jene Völkerdaran leiden, welche von Pferde- und Kameelmilch und Daktylen leben.
***) 1177 „Hiemps dura et hominum pestilentia simul evenerunt, sub-secuta magna fames.“ A. Halebr. in M. G. XVI. 1176 Sehr grosse Hun-gersnoth in Frankreich . (Chr. Guil. de Nangis.) 1177 Grosse Hungersnoth(A. S. Benign. Divin.) Fieber und Sterblichkeit. (Cont. Aquic.)
f) 1180 „Tiber fiuvius nimium inundavit et multas domus subvertitet serpentes innumeros duxit inundatione. ITnde Bomae maxima mortali-tas extitit et per totam Campaniam.“ Ann. Cecan. in. Mon. G. XIX. „1180et 81. Immensa mortalitas hominum his 2 annis in civitate Parme et alibiin multis locis, ita quod 4 et 5 cadavera omni die per magnam partemdictorum duorum annorum erant in ecclesia maiori s. Marie et per multasalias ecclesias civitatis Parme 5, 8 et 10 et plura ad sepelienda per die inuna ecclesia.“ A. Parm. maj.. in Mon. G. XVIII.