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Geschichte der Volksseuchen nach und mit den Berichten der Zeitgenossen, mit Berücksichtigung der Thierseuchen / von Dr. B. M. Lersch
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Volksseuchen im 13. Jahrhundert.

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Im Jahre 1223 verbreitete sich von Ungarn aus, vielleichtdurch mongolische Heerden eingeschleppt, eine Viehseuche, dieinnerhalb 3 Jahre sich bis Frankreich oder vielmehr über denganzen Westen Europas ansdehnte (Schnurrer). Schon im ge-nannten Jahre war sie in Deutschland und Frankreich verbreitetund nahm ein Drittel des Viehstandes mit. (Lancell. Hog. Dising.)Nach anderer Angabe kam sie im Jahre 24 über Griechenland nach Ungarn , im Jahre 25 nach Deutschland und im Jahre 26nach Frankreich . (Chr. Alber.) Jedenfalls wüthete sie besondersim Jahre 24 in Oesterreich , Mähren und Kärnten . Nach einemstrengen Winter ging sie auch auf die Schafe über. AuchSchweine und Ziegen, selbst Hühner wurden davon befallen.*)Italien litt unter dieser Seuche. Selbst in England war in denJahren 1224 und 25 unter Rindvieh und Schafen grosse Sterb-lichkeit. Die Brüsseler Annalen erwähnen die Seuche beim Jahre1224. In Thüringen war sie besonders in den Jahren 1225 und26, in Marseille , wie aus einer Lausanner Chronik hervorzugehenscheint, besonders im Jahre 26. Mit dem Viehsterben in ur-sächlichem Zusammenhang stand wohl die unerhörte Hungers-noth in den Jahren 24 und 25. (Ann. Brix., Godofr. Ann.) Auchim Jahre 26 war diese noch nicht zu Ende**).

In den Jahren 122327 soll in Deutschland , England undItalien die Pest geherrscht haben. Die dafür citirten Stellengehen aufs Jahr 25***). Sie wird auch für Frankreich erwähnt.In der Armee bei Bologna war die Sterblichkeit gross. (Papon.)Jedenfalls war damals eine Seuche fast über ganz Europa ver-breitet, sei es nun Pest, Hungertyphus oder eine von den Thie-ren übertragene Krankheit.

Dass in diesen Nothjahren auch der Gliederbrand vorkam,beweist die Stiftung eines Antonius-Hauses zu Memmingen imJahre 26 durch Friedrich II. Als 1231 (1230 nach Fuchs) aufMajorca noch immei 1 das h. Feuer häufig war, errichtete König

*) 1224.Pestilentia animalium per totum fere mundum grassatur.A. S. Eudbert.Hyems continua sicca subsecuta e vestigio tempore aestivogravis et inaudita pecorum mortalitas. A. Gotwic. 1225.Maxima mor-talitas bovum, pecudum et pullorum. Ann. Brix, in M. G. XVHI.

**) 1226.Fuerunt mortui boves et vacce a mari Butenorum in Hun-garia et Saxsonia et Alemannia et Burgundia usque ad mare Massilie inplurimis locis fere omnes et in quibusdam locis oves, in quibusdam porci, inquibusdam capre, in quibusdam gailine et in quibusdam pisces. Canon.Laus. Chr. 1226.Pestilentia pecudum per universas terras grassatur,fames etiam pressit homines. A. Zwifalt.

***) 1225.Fames valida et pestilentia magna. A. Scheftl.Magnapestilentia et antea inaudita vastavit pene Universum mundum. Chr.Claustr. Neob.Pestilentia pecudum maxima ita ut non sigillatim sedcatervatim ruerent, quem secuta est non parva fames et lues hominum.Chounr. Schir. in M. G. XVII. Pest unter Menschen und Vieh (A.nn.Brix., Ann. Mellic.) 25 oder 26.Auch plagete got die lute dorch Sündewillen mit grozinn sterbin unde pestilencien, unde groz wasser ergoz sichuff daz jar, daziz bi vel jaren nicht grozir gewest war. Berthold. Ann.Bheinh.