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Geschichte der Volksseuchen nach und mit den Berichten der Zeitgenossen, mit Berücksichtigung der Thierseuchen / von Dr. B. M. Lersch
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Volksseuchen im 13. Jahrhundert.

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Kärnthen und Italien erwähnt, Hungersnoth in Polen . 1278Theuerung in Utrecht .

1278 war in Russland eine Seuche. In Utrecht herrschteTanzsucht; wenigstens sah man auf der Rheinbrücke 200 Perso-nen tanzen. (Martini flor. temp. in Eccard. corp. hist. 1723,I, 1632.)

1280 war Thierseuche in Oesterreich . (Cont. Olaustron.)In Tournai herrschte eine Seuche, mit welcher die Errichtungder confrerie des Damoiseaux i. e. Chevaliers aspirants Zusam-menhänge

1280 und 90 treffen wir in Lübeck Siechenhäuser für dieElenden, exules leprosi genannt.

Im J. 81 ist eine allgemeine Theuerung in einem TheileEuropas , besonders in Böhmen und Schlesien nach Ueber-schwemmungen. *) Yon vielen Chroniken wird das grosseStei'ben in Böhmen und Mähren aufs folgende Jahr gesetzt.**)Im Winter und Frühling starben so Yiele, dass man die Leichenin grosse Gruben warf; so war man in Prag genöthigt, 8 grosseGruben anzulegen, wovon eine 2000 Leichen aufnehmen konnte.Ein schreckliches Bild der nach einem langen und starkenWinter in Böhmen herrschenden Hungersnoth tritt uns in einerSchilderung, welche Cosmas entwirft, vor Augen. (Canon. Prag ,cont. in M. G. XI.) Seuchen und grosse Sterblichkeit scheinenvielerorts gewesen zu sein. Auch in Schottland und Dänemark herrschten Seuchen. (Webster.) InOesterreich litten nur dieThiere daran. (A. Zwetl., Chr. Austr.)

Im Oriente traf um diese Zeit eine pestartige Seuche dasrömische Heer.***)

Auf das windstille Jahr 83 folgte ein Sterben, was Gütheeiner Eäulniss der Luft zuschreibt. Zu Erfurt war in den J.83 und 84 nach Ueberschwemmung eine Epidemie. Im J. 84nehmen Hungersnoth und Pest in Thüringen viele grosse und

*) 1281 Hungersnoth und grosse Kälte. (A. Heinr. Heimburg .)A. D. 1281 fuerunt nives, pluviae et inundationes aquarum magne etcepit esse fames valida in cunctis inferioribus Europe et Bohemi quo-cumque divertebant, fame et pestilencia interibant.' Chron. imper. et pont.Bohem.Inundatio aquarum fere per totum mundum. A. Polon.Mortalitas Bohemorum. M. Gf. XIX. 532.

**) 1282.Maxima mortalitas hominum per Boemiam et Moraviam.Ham Pragae et Brunae et alibi deluncti innumerabiles velut fenum in cur-ribus ad agros ducebantur, ubi in fossis profundis catervatim obstruuntur,tempore hyemalis et veris. Cont. Olaustron.Pestilentia in multislocis. (Vorher Honigthau erschienen.) A. Colmar, in M. G. XVH.Theuerung und Pest nahmen Viele mit. Hist. dAncona .

***)In Somanorum castrorum milites longam tali loco et opere tra-hentes moram gravis incubuit calamitas pestilentis morbi (voiroc, Xotpo?)quo multi sunt brevi spatio necati, lue quippe per contagia grassante accorrupto magis magisque coeli tractu saevam augente vim, frequentatis inmomenta funeribus inexpleta libitina feritate bacchabatur, foeda stragecadaverum late cuncta consternens, adeo nec ipsis parcente principibusclade, ut protovestiarium quoque ducem eius exercitus supremum pestisexstinxerit. G. Pachymeris de Andronico Pal. I, 27.