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Geschichte der Volksseuchen nach und mit den Berichten der Zeitgenossen, mit Berücksichtigung der Thierseuchen / von Dr. B. M. Lersch
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Volksseuchen im 14. Jahrhundert. Pest der Jahre 1313--18. 105

Jahr 13 die Sterblichkeit so gross war, wie sie seit langer Zeitnicht gewesen, besonders in der Kheinprovinz, auch zu Frank­ furt am Main . In Liefland und Esthland war im Jahre 13 dieHungersnoth so arg, dass Mütter ihre Kinder schlachteten! (Can.Sambiens. A.) Gentium mortalitas inerrabilis nach A. Foss. AnHunger und Pest soll in den Jahren 13 und 14 wohl ein Drittelder Menschen gestorben sein, obwohl die für die Todesfälle an-gegebenen Zahlen Worms 6000, Speier 9000, Strassburg 13 000, Basel 14 000, Mainz 16 000 Zweifel erregen. ImJahre 14 war in Böhmen unsägliches Elend, da Theuerung, Pestund Viehseuche das Land heimsuchten. *) In Burgund , Holland (Seel., Friesl.) war die Pest verbreitet und so intensiv, dass siein 12 Tagen zum Tode führte. Koch im folgenden Jahre wardie Sterblichkeit so gross, dass die Gesunden kaum genügten,um die Todten zu begraben. (Spaan.) Das Jahr 15 war wohlnoch schlimmer. Es regnete von Mai an (von Johann Bapt.an: Chr. v. Geull) 10 oder gar 12 Monate in Einem fort; Hun-gersnoth war die Folge. Besonders scheint das westliche Europa namentlich Flandern und Holland heimgesucht gewesen zu sein. **)In England, Deutschland , Brabant herrschten Viehseuchen undauch Krankheiten unter den Menschen. (Ohr. Belg. , Crus. Staind.Chr., Königsh. Chronik.) Aller Orten war die Pest allgemein.(Schröder Beschr. von Wismar .) In den östlichen Gegendenwar es kaum besser.***) Manche starben gleich am 1. Tage, diemeisten am 3., spätestens trat der Tod am 6. ein. (Bzov.) Diesgrosse Sterben hielt 2 Jahre an. (Brüsseler Ann.) Zu Tournai sollen 13 000, in Löwen 2 /s der Einwohner gestorben sein. InBrüssel mussten mehrere neue Kirchhöfe angelegt werden. Be-sonders mörderisch waren die mit Hungersnoth verbundenen

*)Ex magnitudine frigoris et nivis facta est caristia maxima etpestilentia hominum et brutorum animalium infinita multitudo ... etfacta est tum miseria inaudita. Ann. Bohem. in Mon. Germ. XVII.

**)Farne plere pecus ac homines periere Post Noe non vere cladestalesque fuere. Engol. in Mon. G. XVI.Magna pestilentia ita quodmulti fame perierunt. Ann. Agripp. in Mon. G. XVI.Fuit inundatioaquarum et sterilitas et terrae nascentium caristia ac strages hominum,quod fere tertia pars populi fame et peste est consumpta. Ohr. com.Flandr. De Klerk V (Joh. Boendale) erwähnt die 3 Plagen: den anhal-tenden Regen. die schreckliche Hungersnoth und als dritte die Pest:

Die derde plaghe groot ende swaerVolghede na dit, int naeste jaer;

Das was die sterfde, die swaerlikeQuam op arme ende op rikeDat niemant en was soe ghesontHi en ontsach hem tier stontVan der doot, des sijt gheweS,

Luttel ontghinc ieman desHi en moeste grote siecheit lidenVan der socht, den selven tidenWe der hie starf oft ghenasMan seide dat verstorven wasVar den volke dat derdendeel.

***)Magna fames in Livonia et Esconia. Ann. Polon.