14. Jahrhundert. Schwarzer Tod. Herkunft.
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dann die Seuche sich auf Indien ausgebreitet zu haben, vonwelchem Lande russische Chroniken sie ableiten. Die Pskow ’scheChronik nennt die Tudischen Länder. Auch Fracastori leitet dieSeuche vom Ganges her.*) Ueber den Zeitpunkt ihres Anfangesgibt eine im J. 1407 beendete Schrift eines Aacheners (BenfeyOrient und Occident I, 1862) einige Anhaltspunkte**). Danachwar schon im J. 41 im Oriente grosses Sterben gewesen. Eineähnliche Erzählung über die Best unter Tataren und Christengibt Gabriel de Mussis. Der Verf. bringt den Anfang derSeuche in Verbindung mit der Belagerung der Stadt Caffa (jetztFeodosia ) in der Krim durch die Tataren; zuerst sollen vondiesen unzählige Tausende an der Bubonenpest gestorben sein;dann soll durch die leichenverpestete Luft und durch Leichen,die mit Wurfmaschinen in die Stadt geworfen worden, dieKrankheit sich auf die Belagerten und durch Flüchtlinge (unterwelchen der Verf. selbst war,) in alle Länder, zunächst nach Genua verbreitet haben. Nach Martin kam die Krankheit von Kipt-schak, einem Deiche, das sich damals zwischenUralundAsow’schenMeere ausbreitete, über Tana am untern Don, Caffa und Kon stantinopel herein. Eine russische Chronik nennt die LänderOrda, Ornitschai an der Mündung des Don, Sarai, Beschdesch,Schidasch, und die Völker der Bessermenen, Tataren, Ormenen,Oabesen, Juden, Friasen, Tscherkessen — in und unter welchendie Seuche wüthete. Nikephorus leitet den Ursprung derKrankheit ab von den Scythen und den Ufern des Maeotis undTanais, Kantakuzen vom Lande der hyperboräisclien Skythen,d. i. von der taurischen Halbinsel.***) Alle diese verschiedenenAngaben sprechen für die Verbreitung der Epidemie über einengrossen Theil Asiens . „Die Einwohner von Katlray, sagt de Mussis,Indien , Persien und Medien, Cardenser, Armenier, Tarser, Ge-orgier, Mesopotamier, Nubier, Aet'hiopen, Türken, Araber, Sara-cenen, alle erlagen der Wuth der Seuche.“ — „Die damals
*) Nach Arbuthnot soll die Pest Ostindien, China , Tonking, Cochin- china und die meisten Orte des westlichen Indiens nie befallen haben."Wenn dagegen von Andern Indien als nicht freigeblieben genannt ist.so fehlt es doch an einer nähern Angabe.
**) Er berichtet: „Na der gebürt unss hern 1341 Jaire, doe bestoentdie groissze stervede in der heydenschaf ind doe en sturven gejme kirsten,mer heyden ind türken, doe drogen die heyden ind die türken over eyn.so dat sy kirsten wolden werden, up dat sy nyet en sturven. Ind do be-gunten doe die kirsten mit zo sterven. Ind do quamen des soldaynsknechte van Indien ind sprachen, dat dat sterven hette dru Jair geweystin India ind dat dierde deil van den luden en were da nyet levendichhieven. Ind so bleven die heiden ind die türken as sy wairen. Ind dasturven wale dusent lüde da eyn starf.“
***) „1347 morbus gravis et pestilens homines invasit, ducto ab Scy-this et Maeotide Tanaidisque ostiis initio, recente adhuc vere, annumqueillum perpetuum duravit, pervadens et corrumpens solam praecise mariti-mam terrae oram, urbes simul et agros, tum nostros, tum eos omnes, qui■continenti traetu ad Grades usque et Herculis columnas pertinent“ Nikeph.XVI, 1.