Volksseucben im 14. Jahrhundert. Schwarzer Tod in England. 125
Bussübungen zu verrichten.*) Von Februar bis April 49 war inSurrey die Akme. In verschiedenen religiösen Häusern starben28 Obere; ein Hospital starb ganz aus. In Sussex war es indieser Beziehung nicht besser. Gloucester , Worcester (diesesbesonders im Sommer) und Oxford litten ebenfalls; letzteres be-hielt von seinen 30 000 Studenten kaum ein Drittel. Auch Wales wurde verwüstet; doch fehlen genauere Berichte. In der DiöceseNorwich, Norfolk und Suffolk umfassend, verloren im Jahre 1349800 Pfarreien (etwa 723 über die Norm) ihren Inhaber, davon83 sogar zwei- oder dreimal; wohl 2000 Geistliche nahm dieSeuche mit. Die Stadt Norwich verlor 57 374 von 70 000 Ein-wohnern. Varmoutli verlor im einem Jahre 7052 Einwohner,Cambridshire wenigstens 350 Kleriker. In Huntingdon, Nord-hampton, Leicester, Stafford, Hereford, Salop, Derby, Nottingham ,York (schon im Februar 49 befallen), Lancashire (in Preston undLancaster starben wohl 3000), Westmoreland, Durham , Northum-berland, überall weist Gasquet aus den Bischofsregistern, König-lichenPatentrollen und Klosterchroniken die grossen Verluste nach,welche Klerus und Volk durch die Pest erlitt. Man berechnet,dass wohl 2 Millionen Laien in England wegstarben.
In Folge der Pest des Jahres 1349 kam das ganze kirchlicheLeben Englands in Stockung, da die Mehrzahl der Kleriker, wohl25 000 derselben, wegstarben; die Klöster starben grösstentheilsaus und gingen unter, denn von diesem harten Schlage habensie sich nie mehr erholt; die Kenten versiegten; die zu ver-miethenden Gebäulichkeiten fanden keine Miether, das Landblieb zum grossen Theile unbebaut und wurde fast werthlos, daes an Arbeitskräften überall fehlte und die Arbeiter viel höhereLöhne wie früher forderten, wogegen auch die königlichen Ver-ordnungen machtlos blieben; häufig fiel der Werth des Vieh-standes so sehr, dass z. B. ein fetter Ochs für 2 Shilling, eingutes Pferd für 4 Shilling angeboten wurde.
Gesteigert wurde das Elend der irischen Bevölkerung durchdreimaliges Auftreten der Pest, deren Verheerungen der Franzis-kaner-Annalist Clyn in anschaulicher Weise beschreibt. „Genauerwogen habe ich,“ bemerkt er, „was ich geschrieben, wie eseinem Mann geziemt, welcher in steter Erwartung seiner eigenenAuflösung mitten unter Todten wohnt. Und auf dass der Ver-fasser nicht mit seinem Werke untergehe, habe ich Pergamentfür die Fortsetzung desselben aufbewahrt, falls ein Sterblicherder Pest entrinnen und das Buch vollenden möchte.“ In derTbat überstieg das Elend alle Begriffe. „Jene Pest,“ so meldetClyn, „entvölkerte ganze Dörfer und Städte, Schlösser und Märkte,so dass kaum ein Bewohner noch darin vorhanden war. DieAnsteckung wirkte so mächtig, dass, wer einen Kranken oderTodten berührte, alsbald davon ergriffen wurde und starb. Beicht -
*) Namentlich feierlichen Prozessionen betend beizuwohnen, und zwarbarfuss, gesenkten Hauptes.