14. Jahrhundert. Pest nach 1350.
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Blutspeien, hätten sich Drüsengeschwülste gesellt. Nach dergrossen Trockenheit im August wurde die Seuche besondersheftig.*) Namentlich Polen wurde von der Pest schrecklich ver-wüstet, vorzugsweise Krakau.** ***) ) Yon Michaelis 60 bis Mitte61 starben hier 20000, darunter alle Universitätslehrer. VieleOrte in Polen verloren die Hälfte ihrer Bewohner, andere star-ben fast gänzlich aus (Spaan). Auch .Russland wurde heimge-sucht, namentlich Pleskau am Peipussee (Karamsin) und Nowgo-rod, die damaligen Grenzstädte, wohin sie von Polen aus ge-langte (Richter Gesch. d. Med. in Russl. 1813.)
Ostfriesland, besonders das nördliche, war im J. 60 argheimgesucht (Wiarda.)
Der Süden war nicht frei geblieben. Schon Ende Februarbrach die Pest zu Spalato aus und raffte viele Einwohner weg.(a Cutheis.) Auch Mailand war befallen. Sie herrschte in ganzSicilien. (Buonfigl. H. Sic.) Auch in der Gegend von Luzernzeigte sich die Pest. (Lechner.) In den J. 60 u. besonders 61 warsie zu Avignon. In Südfrankreich war sie seit Michaelis einge-drungen und liess nicht vor Mitte des folgenden Jahres nach.An vielen Orten halbirte sie die Zahl der Lebenden. Die Rei-chen nahm sie vorzugsweise mit, auch viele Kinder, wenigeFrauen. Zu Montpellier starben 1361 täglich über 500 Personen.Zu Avignon wüthete die Pest ungemein, plötzliche Todesfällenicht selten verursachend; jedoch nicht ganz die Hälfte der Be-wohner mitnehmend. Yon Michaelis 60 — Mitte 61 — hat sienur einige mässige Zahl von Opfern gefordert, in den folgen-den Monaten aber um so mehr. Sollen doch nach Rebdorfvon Ostern bis Jakobi 17 000 Personen (1700 bei Häser), darun-ter 100 Bischöfe und 5 Cardinäle, gestorben sein, oder nachDiessenhoven bis 21. Sept. 7000 Personen, worunter 150 Bischöfeund 9 Cardinäle, welche Angaben, wenn sie auch übertreiben,immerhin eine ganz ausserordentliche Sterblichkeit voraussetzen.f)
*) „Coepit mortalitas post Augustum per majorem partem terra-rum, ut dicebatur, et quinta gens infmita moritur ex impedimia et maximein mensibus Sept., Oct. et Novembri.“ (Ann. Foss. in Mon. Germ. V.)
**) „Talis füit in tota christianitate et maxime in regno Poloniae mor-talitas quod vix tertia pars christianitatis remanserat et maxime Oracovie,quae mortalitas imputabatur Iudaeis per intoxicationem, qui tune temporisCracovie et alias cremebantur.“ Ann. Meohov. in Mon. Germ. XIX,, 670)
***) „1360. regnavit quasi ubique permaxima pestis. mortalitas, namhomines de mane sani euntes, ad prandium effleiebantur graves, prandioinfirmi reperiebantur et mortui de sero.“ Ohr. com. Flandr.
t) 1361. (Innocentii VI. anno 8.) „subsecuta est alia secunda mortalitas ;in prima magna due partes gentium fuerunt fere mortue et quotquot in-firmati sunt ex epidimia tune quasi omnes mortui sunt, in secunda veroet minore media pars gencium fere mortua est et de illis qui fuerunt in-firmati de epidimia aliqui sed pauci evaserunt.“ Chalin de Vinario.
„1361 in Junio max. pestil. et mortal. in curia Rom. Avinione,tune obierunt ibi multi clerici Alamani. . . . Maxime viguit lues horribilisAvinione ita quod defecerunt ministri palacii pape et ceciderunt hominesmortui ex improviso tarn in lectis quam in viis et ubilibet, et mortui suntplures clerici et 8 cardinales obierunt.“ Mainzer Chr. (Städtechr. XVIII.)(Auch nach Vita II. Innoc. VI. das Sterben im Sommer wieder anwachsend.)