14. Jahrhundert. Pest nach 1350.
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Deutschland eine Seuche (pestilitas) grassirt habe, unerhört hef-tig zu Augsburg , Strassburg und andern Orten, und dassviele Kranke dabei dämonisch geworden, d. h. wohl, dass sie intobende Delirien verfielen, wenn dies nicht wieder die bei 1374erwähnte Geistesverwirrung ist. Eine grosse Pestepidemie zuSalzburg und in der Umgegend hielt von Himmelfahrt Ohr.(3. Mai in d. J.) bis Michaelis (29. Sept.) an (Ports, der Chr.v. St. Peter, Ann. Boh. in Mon. G. XVII). Vom März bis zumWeinmonate war die Pest in Meiningen , am schlimmsten imAugust, wo täglich bis und über 30 starben; 1500, nach andererNachricht 1700, starben in der Stadt, Priester und Laien, Altund Jung, Reich und Arm. Auch benachbarte Ortschaften star-ben fast aus. (Güthe.) Im Mai starben Viele zu "Wasungen ,Massfeld, Schleusingen , Themar und auf dem Schlosse Henne-berg. Im Juli war in Böhmen eine grosse Pest; aus Prag , woin einer Woche 1100 Personen gestorben sein sollen, flohen fastalle Studenten. Im Sept. und Okt. war eine starke Pest in undüberall um Frankfurt a. M., viele Knaben und Greise, auch einigerobuste Männer fielen ihr zum Opfer. (Erat pestis epidemialis.(Chr. Magunt. in Städte-Chr. XVIII.) 15. Sept. „Do gien-gen alle die pfaffen, die in Augspurg waren, mit gotz lichnamund mit allem hailtum und giengen alle burger und burgerin,rieh und arm, mit grozzer andach t all umb und umb die statund bauten got und Marien, gotz muter, daz sie verkerten dengrozzen sterben, der do was in der stat und überal in demland; der was ser groz, wann ez stürben in den dorfern wolhalbez folk und ettwa mer dann halbez folk.“ (Chrom deutsch.Städte IV, 66.) Im nächsten Jahre lagen viele Güter leer undunbesetzt. Eine Kölner Chronik schreibt vom J. 1381 „groissesterfde in Ungarn ind in Behem, so dat zo Präge in der statstorven 11 hondert minschen up einen dach ind 16 minselienbeschreven.“ Das grosse Strassburger Sterben im Sommer die-ses Jahres hielt man für das bedeutendste und langwierigste, sobisher gewesen; die Kirchen wurden davon so reich, dass manderen drei abbrach und neu baute. (Königshofener Chronik.)
Nach der Kasseler Chronik wüthete im J. 80 die Pest inKassels Mauern und es fielen derselben der Landgraf Johannnebst dessen Gemahlin Adelheid, der Landgraf Otto, ein Bruderdes Vorigen, die Gemahlin des Königs Kasimir von Polen , eineTochter Landgraf Heinrichs II. und eine nicht näher bezeichneteAnzahl Bürger zum Opfer. Alle diese wurden in der unter derKirche des Ahnaberger Klosters befindlichen Gruft beigesetztund letztere darauf, um den Wiederausbruch der Pest zuverhüten, fest vermauert und mit einer Kupferplatte verschlossen.Das Jahr 80 war gewitterreich. (Papon.)