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Geschichte der Volksseuchen nach und mit den Berichten der Zeitgenossen, mit Berücksichtigung der Thierseuchen / von Dr. B. M. Lersch
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15. Jahrhundert.

Furchtbarer denn je war im Jahre 1400 die Seuche in Italien ausgebrochen. In allen von ihr ergriffenen Städten und Dörfernwurden Prozessionen und öffentliche Bussübungen veranstaltet.Dem unheilvollen Frühling folgte ein unheilvoller Sommer. Inden heissesten Monaten zog der Taumel allgemeine Angst und.Verwirrung jeglicher Ordnung nach sich; da war von Hecht undJpresetz keine Hede mehr. Stadt und Land lagen öde. An manchenOrten erliess der Magistrat den Zurückkehrenden nicht blos die-der Gemeinde abzulösenden Schulden, sondern gewährte ihnenauch Steuerfreiheit auf 10 Jahre. Cf. Murat. XVI, 560. Diezum Jubiläum nach Hom strömende Menschenmenge trug sehr vielzur Ausbreitung der Pest bei.*) In Florenz sollen 30000 Menschendaran gestorben sein **). Bei dieser Epidemie zeigten sich Beulen(bulten) und Blasen-Ausschlag (Spaau). Der Sommer dieses Jahressoll heiss und gewitterreich gewesen sein, namentlich in Baiern . Auch1401 war reich an verheerenden Gewittern; auf einen sehr kaltenlangen Winter folgte ein nasser Sommer, darauf Misswachs undHungersnoth als bester Bundesgenosse der Pest. In Asien wüthetdiese im Heerlager Tamerlans. Verheerende Krankheiten ver-breiteten sich unter den verschiedensten Namen von Calabrien aus über ganz Europa (Trith.). In Sevilla war es die Beulenpest(Villalba). In Augsburg starben ohne Kinder 4650 Menschen ander Pest. Zu Paris untersagte man die Leichenbegleitung wegenherrschender Pest. Ein grosses Sterben war zu Köln , sei es indiesem oder dem vorigen Jahre oder in beiden.***) Namentlichvon August bis Oktober 1401 starben zu Köln die Leute sehran denDrösen und innerer Hitze. Die Epidemie dauerte bis11. November. Sehr grosse Pest umher (zwischen Aachen und Maestricht) und in ganz Deutschland ; zu Lüttich 12 000 ge-storben. (Chron. v. Haus Geull.) Die grosse Pest zu Lüttich wirdauch von Zantfliet erwähnt. Zu Frankfurt veranstaltete manwegen der dort grassirenden Pest eine Bussprozession (Latomus).Lammert setzt die Pest von Frankfurt und diejenige, welche zuAugsburg 4650 Erwachsene mitnahm, auf 1402.

Von Britannien aus wurde im Jahre 2 Island von der Seucheergriffen, welche in 3 Jahren zwei Drittel der Einwohner auf-gerieben haben soll. Von 12 bis 15 Begleitern einer Leiche sollenkaum 2 bis 3 gesund geblieben sein. (Johnsen, Biorn, MaurerIsl. 1874.) Im Holas-Kloster starben im Jahre 3 und 4 alle ander Pest, ausser 6 Priestern, 3 Diakonen und 1 Mönch. Zu Pavia

*)Constat, post tantam colluvionem, quae . . . partim frequentiaiobilaei obvenerat, magnam hominum nrnltitudinem pestilentia consumptumfuisse. Platina , Vit. pont. 1500.

**)Florentiae in vacua pene urbe, a qua cives magno effugerantnumero, supra 30 hominum milia absumpsit lues. Palmer. (Spaan gibt3000 Todte an.)

***)Groyss sterffde tzo Coellen, dat der lüde in Coelne sere indwill starff dat men groisse kulen machde und die dair in warp. (Chron.d. h. St. Coeln. Die Erzählung über die scheintodte Frau wird auch bei.diesem Jahre vorgebracht.)