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Geschichte der Volksseuchen nach und mit den Berichten der Zeitgenossen, mit Berücksichtigung der Thierseuchen / von Dr. B. M. Lersch
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16. Jahrhundert.

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Im J. 18 ist die Pest zu Audenarde, zu Turnliout und JDm-gegend. Zu Köln und anderwärts herrscht ein schrecklichesSterben, das zwischen Ostern und Pfingsten begann; viele Tausendstarben in der Stadt, Tausende flohen, ganze Häuser starben aus,(Berichte und Schulen hörten auf. Die Reliquien der Heiligenwurden umgetragen (Weinsberg ). (Ficinus de epid. morbo, ausdem Ital. [Consiglio c. la Pestil., gegen 1500], ersch. 1518 zuAugsburg .) Für d. J. wird auch Petechialtyphus angegeben.Schweissfieber in England?

Im folgenden Jahre regierte die Pest erschrecklich zu Simzenich. Eine pestis saevissima ist zu Frankfurt a. M. Im süd-lichen Deutschland , besonders im Württembergischen, namentlichzu Ulm , hatte die Pest*) in letzter Zeit grosse Verheerungenangerichtet (Schnurrer). Harliz schreibt es den zu Feldkirch .angeordneten sanitären Massregeln zu, dass dort kaum 30 Per-sonen an der Pest starben gegen 1000 aus der Umgegend. ZuBasel starben viele Tausend daran. (1519 erschien: K.olbenschlagRegiment, Nürnb., Weidmanns Pestschrift zu Strassburg .) Indiesem und dem folgenden Jahre starben in dem kleinen Städt-chen Waiblingen 1300 Menschen. Belgien und Holland sind starkheimgesucht. **)

In den J. 19 und 20 war Namur wieder Sitz der Pest.Zwischen 1925 ist überhaupt Pest und Typhus in Deutschland ,Holland , Italien , England, Spanien und Malta verbreitet. (Massade f. pest. 1556 u. A.)

Im J. 20 ist die Pest zu Leipzig und Gera (Burckhard); siewüthet um diese Zeit auch zu Colditz in Thüringen (Schnurrer).Nach dem Nekrologium des Franziskanerklosters von Brühl starbim September zu Köln an der Pest ein Pater, welcher in vielenKlöstern beinahe bis zum letzten Augenblicke seines Lebens denKranken gedient hatte. Zu Aachen war eine, wies scheint, nurunbedeutende Epidemie.***) A. Dürer zieht wegen der Pest ausNürnberg mit Frau und Magd nach den Niederlanden. In Augs­ burg starben vom Juli bis zum folgenden März an 4000 Personen.Man errichtete ein Pestspital dort. Ueber die Pest in Regensburg berichtet Widmanns Chronik.Diss jar hat es wohl gestorben,hat 2 jar geweret, es war eine anhangende (ansteckende) Pestilenz,

*) Mit der damaligen Pest hängt es wohl zusammen, dass im J. 19zu Regensburg die Synagoge abgebrochen wurde, obwohl der Ausbruchder Epidemie in dieser Stadt erst im nächsten Jahre stattfand.

**)1519 et sequenti per patriam Leodiensem epidemiae lues vagatamulta mortalium millia absumpsit, Trajecti, Hoy, Tongris 5 vel 6 hom.millia, alibi plura, vix ullo in oppido pauciora. . . . Saeviebat malum nonin urbibus tantum et castris, sed et in locis saluberrimis vel ipsis Ar-dennae saltibus. Der Bischof Erard sorgte für Absonderung der Er-krankten und für geistliche u. körperliche Pflege u. berief Lollarden-Brüdernach Hasselt . Chapeaville.

***) Wie der Chronist Meyer sagt, hatten Diejenigen, welche demKaiser abriethen, nach Aachen zur Krönung zu kommen, durch Vergrösse-rungsgläser geguckt und einen Floh für ein Pantherthier oder Nashornangesehen.

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