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Geschichte der Volksseuchen nach und mit den Berichten der Zeitgenossen, mit Berücksichtigung der Thierseuchen / von Dr. B. M. Lersch
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16. Jahrhundert. Paracelsus über die Pest.

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Paracelsus schrieb mehrere Abhandlungen über die Pest; siefinden sich zumeist im 3. Bd. der Baseler Ausgabe (1589) seinerSchriften. Ich will Einiges daraus mittheilen, weniger zurCharakteristik der verschiedenen Pestformen, als in der Absicht,die sonderbaren Theorien dieses Phantasten vorzuführen. Wäh-rend er an einer Stelle (I, 9) von 5 Pesten, herrührend vonGestirn, Gift, Natur, Geist, Gott spricht, begnügt er sich ananderen (V, 187) mit vieren, je nach dem Yorherrschen des Ein-flusses eines der Elemente.

Die Pest aus dem Feuer:Es kompt sie mit einem strengenSchlaff an, mit Narcotischen und seltzamen Zeichen, nach artlider zufeil: Als mancher hatt vorhin ein unrein geblüt, da werdenauf der Haut viel kleiner pünctlein, und düpfflein, gantz braunund schwartzfarb anzusehen, und verkehren die Augen. Acci-dentia sunt: spasmus, tetanus, febris, opilatio hepatis (III, 80).Weiter spricht er auch von Beulen (83). Die Pest aus derLuft nicht aus der eingezogenen Luft, sondern aus dem ElementLuft in uns hervorgegangen (p. 301) :Tibiarum hinc inde iacta-tio cernitur, die Stirn wirt weiss, ut Oerussa, der Mund schwartz-farb, und enger Athem, et spasmus in collo. Accidentia: para-lysis, Haemoptoica, epilepsia et gutta. Pest aus dem Wasser:Sitiunt et potare nolunt, und geschwelten ihnen die Lippen undAugbranen, und haben rote flecken auff den Wangen, rosinfarb undgeschwelten ihnen die beiden Füss hart, bis an die Knie. Weiterspricht er von Apostemen, Beulen, kleinen Bluteyssen. Pestaus der Erde:Apostema cum pestilentia, primum signum terrae,und schlecht die Breune zu mit der Taubsucht (Tobsucht).signum terrae, quando Blattern, Apostemata aufflaufen.Esbegibt, sich offt, daz in der zeit der Pestilentz drey frembdekrankheit mitlauffen; als kleine Bluttaisslen gross Bluttgeschwerund stich in Seiten. (p. 119):So sein auch Pestes nach demLauft der kranckheit, die ein sond Zeit haben und wesen inderselbigen zeit: Als Pestis, die sich mit der Dysenteria , dz ist,in derselbigen zeit herfürbrechen: Etlich in der Fasten mit demLauff Pleuresis. Im Früling mit dem Lauff Febris etc. (p. 185).Die Pestes, die in Yere kommen, sind alle mit Pleurischer Naturu. dergl. begabt; also auch die in aestate auf Cholerische arth;die im Herbst, auff die Splenetische arth: die im Winter, auf diePhlegmatische arth. (187). Früher dagewesene Krankheiten(Hothlauf, Delirium, Dysenterie etc.) kommen bei der Pest wiederzum Yorschein (188). Dann ist die Pest verschieden, je nachden getroffenen Säften. Aus dem Blute entstehen die Aposte-mata, die etlich heissen Carbuncula, etliche Anthraces. Wirdder Fleischsaft getroffen, so ist eine allgemeine Entzündung des-selben ohne Lokal-Ausbruch da. Wird der viscöse Saft ge-troffen, so leiden die Glieder, Ligamente etc., besondersdieGlaichen. (187).

Das sollet ihr wisset, das ein jedes Excrement der Sternenanzeigt im Winter und Sommer, was für kranckheiten kommen