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16. Jahrhundert.
unregelmässiges Fieber. Bei continuirli ehern Fieber genasenWenige. Abführmittel waren nützlich bei Erstickungsnoth auchAderlass. Die Reconvalescenz war eine langsame. Es herrschtenunterdessen keine pestartigen Fieber, wie in Delft . — Es gibtHungersnoth-Münzen der Generalstaaten von 57 und 61, vonDelft von 1559.
Die Pestzeit der J. 58—73 wurde durch Epizootien einge-leitet (Häser). 57—73 herrschte der Petechialtyphus namentlichin Spanien fast ununterbrochen.*)
In St. Ghislain nahm eine contagiöse Krankheit in d. J. 57eine grosse Zahl von Bürgern mit, zu Mons 8—9000 Personen.(Ann. de l’abb. de St. Ghisl.) Kussland, Livland , Pommern ,Sachsen , Thüringen und die Rheingegenden wurden von nichtnäher beschriebenen Krankheiten heimgesucht. In Spanien undFrankreich (Vendee , Gironde , Charente) war der Petechialtyphus(tarbadillo) verbreitet; er herrschte namentlich in Poitiers , Rochelle,Angouleme , Bordeaux . Bei Jüngern kamen unterdessen Blatternund Masern, bei Vielen Keichhusten. Eine von Ingrassias (1560)beschriebene Epidemie zu Palermo sah man als Folge lang-dauernder Regengüsse an. Bei einer Pest in Valencia zeichnete sichBertrand aus. Auch in der Moselgegend war in diesem oder demfolgenden Jahre die Pest. (Schnurr.) Vom Juni bis in den Winterherrschte die Beulenpest in Delft . In dem sehr harten Winterauf 58 wurde sie etwas milder, dann wieder stärker und hieltbis Mai d. J. an. An 5000, meist gemeine Leute starben, öfters80 —100 an einem Tage. Männer wurden nicht weniger als Frauenergriffen, besonders auch Knaben und Mädchen von 13—14 Jahren.Dass auch viele leichte Fälle vorkamen, erhellt daraus, dass Forestglaubte, über 2000 gerettet zu haben. Theuerung war vorher-gegangen und Sumpfmiasma beförderte die Krankheit. Es kamenmehr Karbunkeln als Bubonen vor, jene auch in der Nähe derAugen und dann Erblindung herbeiführend. Die Beulen kamenvor nicht blos an Armen und Beinen, sondern auch am Halseund an den Ohren. Wenige blieben ohne Beulen oder Karbunkeln.Sehr selten war fieberloser Anthrax, häufig biliöses Erbrechen,während Andere an Durchfall litten. Delirien häufig. Nasen-bluten seltener. Das Krankheitsbild gestaltete sich überhauptsehr verschieden. Schutz vor dem Krankheitsanfalle gewährtenFontanelle. Diese Epidemie, über welche Forest sehr lehrreicheBemerkungen liinterliess, verbreitete sich auch auf die Nachbar-schaft.
57—58 kamen Wechselfieber in Holland und England häufigervor. (Forest VI, 1, Schenck 751. S. unten.) Ganz Europa war vondieser Malaria-Pandemie befallen. (Palmar.)
*) Synoclius putridus, f. lenticularis, morbus Hungaricus per totamEuropam passim vagatur, eandem in Hispaniatum freq uentissimam tumvalde periculosam esse testatur Didacus Marinus Hispanus praesertim aba. 1557—73 hic morbus quam plurimos mortales invasit.“ Henisch ad Aret.