i §4 Canozio.
Sollte die ungewöhnliche Weitläufigkeit diesesArtikels bey dem ausserordentliche Interesse welchesein Gegenstand , bey übrigens ungleichen Urtheilenüber ihn, noch auf den heutigen Tag, hat und ver-dient, irgend einer Entschuldigung bedürfen? ?l^c.
* Lanozio, (Lorenz). Denselben sondert dasLexikon von einem andern Künstler, Lorenz Len-denart, mit welchem er jedoch Einer zu seyn scheint;was aber unten naher zu erörtern seyn wird.
Cansin, (Ludwig), ein Kupferstecher, geborenzu Orleans, arbeitete zu Paris für die Buchhändler;um welche Zeit, ist uns unbekannt,
Lanr, (Arent), ein Arzt und Kunstliebhabervon Dordrecht , der um 1721 verschiedene ana-tomische Blätter gezeichnet und gestochen hat.
* Cantagallina, (Remigius), geboren um1582. und gestorben 1624. beydes zu Florenz . DerAbt von Marolles nennt ihn Hurgensis. Dievon und nach ihm gestochenen Blätter, meist Land-schaften, führen Rost III. 308—9. und noch ge-nauer und beyde sein Zeichen an. Das einzigeeigentlich historische Blatt von ihm ist eine unbe-fleckte Empfängniß, nach Callot . Zehn Opern-szenen von ihm nach Jul. Parigi 1595. geatzt,scheinen ein früheres Geburtsjahr, als das obenangezeigte, vorauszusetzen.
* Tancarelli, (Joseph). Die 20. Blättervon ihm, deren im Lexikon gedacht wird, gehörenzu dem Gedichte von Bertoldino und Cacasena.
* Tantarini, auchTanrarina, (Simon),auch der pesarese genannt. Einige setzen seinGeburtsjahr in r 6 ro. Anfänglich waren die Werkedes Baroccio, für das Colorit die Venetiancr, undfür die Zeichnung die Blätter der Carracci seinvornehmstes und fast einziges Studium. In derManier des erstem sieht man noch von ihm eineH. Familie im Pallaste Olivieri zu Bologna . Als-dann bezauberten ihn Guido's Arbeite» zu Fansund Pesaro , und zeichnete er sich bald als der beßteSchüler desselben aus, begegnete aber bekanntlichseinem großen Meister so stolz und gröblich, daßdieser ihn endlich aus seiner Schule entfernen mußte;woraus er nach Rom gierig, wo er eine Weile nachRaphael und den Antiken studierte. Dort, so wienachwerts wieder bey Hause, und an dem Hofe zuMantua schätzte jedermann seine Talente, und trughingegen Mißfallen an seinem Charakter. Nach demUrtheil aller Kenner kam kein andrer Nachfolgervon Guido demselben so nahe, wie Simon. Warenseine Ideen vielleicht minder edel, so fand mansolche hingegen nicht selten noch graziöser. Mindergelehrt, aber genauer als Guido, war er einzig inseinen schönen Contouren (nell' estremltä) wobeyihm unabläßig Ludwig Carracci zum Muster diente.Eben so emsig war er, Modelle zu seinemGebrauche zuformen, nach welchen er dann seine Köpfe bildete,und seine Falten, doch diese letzter» nie so gut wieRheni und Tiarini warf, was er, aller seiner Eitel-keit ungeachtet, selbst cingestand. Sein Colorithatte eben so viel Abwechslung als Wahrheit.Hauptsächlich studierte er das Fleisch, das er,doch mit Bescheidenheit, graulicht hielt, und, wieer sich ausdrückte, das Hübsche von Dominichinoeben so sehr als das Dunkele der Carracci auswich.Wohl übertrieben nennt ihn Malvasia den korrek-testen Zeichner seines Jahrhunderts. Lanzi II- 2.n 6 —ig. der überhaupt dieses merkwürdigen Künst-lers wegen nachgelesen zu werden verdient. Zuden schönsten Gemälden, welche er von Canrarinikennt, zahlt er: Einen St Anton bey den Fran-ziskanern zu Cagli ; einen St. Jacob in der Kirchedieses Heiligen zu Rimini ; eine Magdalena beyden Philippinern, und einen St. Dominik bey denPredigermönchen zu Pesaro ; ebendaselbst bey denEdeln Paolucci einen St. Romuald, der aus demTuche hervorzutreten scheint, und im Hause Mosca,neben andern», eine bezaubernd schöne Nonne.Seine vornehmsten Blätter, alle historischen, geisi-
Canuti.
und weltlichen Jnnhalts findet man in BarrschLatalvAue raisonne «los estampes ^ravees ä 1'earr-korts psr Clulclo kbeni, et sts celles 6s sesäisciples. 8. Visnns 795. und nach demselben beyIII. 342—46. verzeichnet. Eine seiner Ruhenin Aegypten (wo St. Joseph in der Ferne untereinem Baum auf seinen Arm gestützt sitzt); dann dieEntführung der Europa , und endlich Jupiter,Neptun und Pluto, welche ihre Kronen demWappen des Kard. Borghese übergeben, werdenfür seine beßte Arbeit, und letztres zumal für seinKapitalblatt gehalten. Einige sind, um die Lieb-haber zu täuschen, wahrscheinlich von spätererMacklerhand,mit 6ul<lo kbeni inv. et f. bezeichnet;wie z. B. eben auch eine andre als die oberzahlkeRuhe in Aegypten , das Glück, u. s. f. Etlichenach ihm von Bartolozzi, Rob. Lowrie, Picot u. s. f.gestochene Blätter führt der Drnklersche Katalogan, und nennt besonders einen St. Lukas der dieH. Jungfrau malt, von Bartolozzi geätzt, ein sehrartiges Blatt.
* Lantr, (Johann). Er setzte sich zu Mantua ,und starb 1716. Seine historischen Gemälde warensehr mittelmäßig. Lanzi II. 250.
* Lanrone, (Joh. Gabriel), dessen im Lexik,unter dem Art. seines Vaters Fr. Thomas gedachtwird. Man siehet eines von seinen Gemälden, dasein Dorffest vorstellt, in der Kais. Kön. Bilder-gallerie zu Wien . Mrc.
*Canroni, (Simon). Offenbar derselbeKünstler, dessen im Lexikon unter dem Namen Sün.Lanr. Grigo, nach Füßli Erwähnung geschieht,der ihn zu einem italien. Schweizer macht (ein Jn-digenatrecht, welches der wackre Mann reichlich zuertheilen pflegte). In den Handschriften meinessel. Vaters findet sich von ihm, unter dem gegen-wärtigen Namen folgende Notiz: Ein Baumeistervon Genua, studierte lange Zeit zu Rom unter denbeßten Meistern. Er bekam 1766 den ersten Preisin der Akademie zu Parma , durch das Modell voneinem Hospital. Dieser Künstler erneuerte dieVorderseite des 1777. abgebrannten herzoglichenPallastes zu Genua . Aattr.
Canu, ( ) ein französischer Kupferstecher,
Schüler von Delaunay, dem jünger», lebte zuParis um r 8 c >4 Von ihm kannte man verschiedenein die Naturgeschichte einschlagende Blätter, alsVögel, Fische, Pflanzen u. s. f. nach Barraban,Redoute' u. a.
* Lanuri, iDominicus). Einige geben seinGeburtsjahr in 1623. andre sein Todesjahr in 1678-an. Derselbe erwarb sich ohne Meister, alleindurch die Stärke seines Genies, eine solche Kennt-niß der Zeichnung und des Colorits, daß Guidoseine ersten Werke mit Verwunderung betrachtete,und ihn gern unter seine Schüler aufnahm Beyden PP. Olivetanern zu Bologna sieht man vonihm eine Abnehmung vom Kreuze beym Fackelschein,von welcher sich viele Copien finden, die man dahergewöhnlich die iJachr von Tanuti nannte, undeinen St. Michael, welcher für ein Meisterstück vonPerspcktiv gehalten wird, da sich derselbe theilsinner einem Bogen, theils ausser demselben be-findet. Aehnliche große Werke von ihm sieht manin den Pallästen Pepoli zu Bologna , Colonna znRom, und in dem Herzoglichen zu Mantua ; sowie er überhaupt für einen der beßten Frescomalerseiner Zeit gehalten wird. Indessen gefielen ein-zelne Figuren bey ihm meist mehr als das Ganze.In Oel dann wird seine Copie von Guido's Mag»dalena de Barberini, in St. Michele de Bosco,vornehmlich hochgeschätzt. Zu Bologna hielt ereine Schule, deren Mitglieder aber, sobald er sichnach Rom begeben hatte, fortan mehr den Pasinellozu ihrem Führer und Muster nahmen. Lanzi ll- 2.n3- In seinen geatzten Blättern folgte er ebenfallsder Manier seines Lehrers Guido, welche er zwarin der Zeichnung und dem Geist der Umrisse nichterreichte, in Zierlichkeit des Styls und Feinheit der