wollten schon früheren theils meine vielfältigen eigenen Urtheile, theils die Anführungenvon Andern, über Lebende, als eine, in ähnlichen biographischen Werken klug ver-miedene, Unvorsichtigkeit rügen. Allein, warum sollte der Kunstgeschichte nicht dieselbeFreyheit, wie jedem andern Litteraturzweige, vergönnt seyn? Ist es doch ein so süßesVergnügen, die Edelsten unter seinen Zeitgenossen zu preisen — so nöthig, so nützlich undzugleich so ermunternd für die junge kunstreiche Hand (so gut, wie für den talentvollenKopf), dieselben auf das Mehrere und Mindere aufmerksam zu machen, was ihr nochzur Vollendung gebricht! Was dann den Tadel des Schlechten betrift, so wird, desunsrigen ungeachtet, dem Kunststümper sein verdientes — dürftiges Brod auch weiter,leider! so wenig als unsern elendey Scribenten fehlen, die ja auf deutschem Grund undBoden wie muntere Pilze wachsen, und, aller Geißel unsrer Allgemeinen und besondernLitteratur-Zeitungen zu Trotz, täglich mehr in einer Zahl und Derbheit gedeihen, wiesolche sonst keine andre Nation auszuweisen hat. Nicht für die Untrüg liehkeit(dergleichen ich bisher unter dem Mond keine kenne), wohl aber für die volle Befugnißmeiner eignen diesfälligen Urtheile, steh' ich übrigens Allen und Jeden zum Rechten.Was die weit zahlreichern fremden, aus Zeitschriften u. s. f. angeführten betrift, sohab' ich überall die Quellen nachgewiesen; und selbst das so selten Parteylose, noch seltenerGründliche, und besonders das häufig Widersprechende derselben, dürfte für den Wahr-heit liebenden Leser, oft von nicht geringer Belehrung seyn.
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