Band 
Zweyter Theil [2].
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L a n fr a n ch o.

fcntlichen Arbeiten ausführte*). Alsdann erwarber sich durch diejenige in den Pallästen und Villendes dortigen Marchese Sannest großen Ruhm,theils durch al Fresco's, worinn man schon seineanmutbige, zu Verkürzungen sehr geneigte Manierwahrnahm, theils durch ein Oclgemälde (dieGeburt des Heilands), wo er, in Absicht aufBeleuchtung, Allegri's Nacht sehr geschickt nachzu-ahmen, und nämlich das Licht von dem Gesichtdes Kinds herzuleiten wußte. Wie er die lappischenGrillen einer Eminenz (des Kardinals Montalto)zu befriedigen wußte, und dieß Kunststück ihm dieArbeit der berühmten Kuppel in St. Andrea dellaBalle verschaffte, und dafür Zampieri's ewigenHaß ihm auf den Hals lud, muß in der eigentlichenKunstgeschichte nachgesehen werden; eben so, wieüberhaupt bey ihm ein schönes Weck nach demandern folgte: Iezt sein Gemald in der KircheSt. Joseph a Capo de Cafe, welches wegen derBehandlung des Helldunkels, des Heraustretensder Figuren und einer überaus reihenden Ver-schmelzung, abermals einem Correggio wenignachgiebr; dann seine Himmelfahrt Maria u. a.in der Kapelle von St. Antonio; dann seineVersammlung der Götter in einer Loggia der VillaBorghese; wieder sein St. Peter, der auf demWasser geht, in der Hauptkirche der Hauptstadtder Welt, welcher ihm die Gunst Urbans VIII.und den Christus-Orden verschaffte, u. s- f. u. f.In 1621. gieng er hierauf nach Neapel , wo seineKuppel der Jesuiterkirche ihm (zum Theil auchihrer gerippten Baute u. a. Umstände wegen)nicht so, wie die zu St. Andrea gelang; eben so<i6-ji.) diejenige der dortigen Kapelle del Tesoro,worüber passeri (S. 147.) nachzulesen ist, wieunser Johann, aus Leidenschaft gegen denbereits in seine Ruhe eingegangenen Zampieri sichselbst durch ein Kunstmittel schadete, womit erden Ruhm des Verstorbnen verdunkeln wollte.Der scinige wird indessen durch sein oftbenanntcsHauptwerk in della Balle ewig blühen.Denn"(heißt es bey'orillo II. 5)8 49 -) »es istunlaugbar, daß nächst den großen Mustern derbeyden Kuppeln von Correggio zu Parma , jenevon Lanfranco den ersten Platz einnimmt, undvollends in Rücksicht der Hauptparthik derselben(einer himmlischen Glorie), durch die Vercheilungund Verschmelzung der Farben, die Kraft desHelldunkels, und die Harmonie des Ganzen einbis zur bewunderungswürdigsten Vollkommenheiterhobenes, einziges Kunstwerk ist." Deßwegenaber verdient nicht minder alles Nachdenken, waslMengs t Oper« II. l2Z. , freylich in seiner ge-wohnten seltsamen Sprache sagt, wenn er unsernKünstler ein fruchtbares Genie nennt,der sichvorzüglich auf das Studium der Vercheilung derMassen und der Bewegungen, welche man inden Kuppeln des Correggio wahrnimmt, gelegt,aber mehr den bloßen Schein, als die feinernGrundsätze jenes Kunsttheils erreicht habe"; undvielleicht eben so sehr, wenn er anderwerks (I. o.I. i 64 -) der Composition des Lanfranco, geradeso, wie späterhin Bererrini's eine gewisse Kältevorwirft. Wohl erläutert ihn Füßli (II 332 -Zs.)auf seine lichtvolle Weise am beßten, wo es vonunserm Künstler heißt:Lanfranco hatte eineausserordentlich fruchtbare und reiche Einbildungs-kraft, welche durch die gelehrten Grundsätze desLudwig Carracci, seines Lehrmeisters, eine glück-liche Richtung erhielt; gleichwohl zeigen seine Werke,

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daß eben eine so gar ausserordentliche Fruchtbarkeitgemeiniglich einen gewissen Drang von Ideen ver-ursachet; daß der Ueberfluß selbst den Tiefsinn inihrer Wahl, und die Genauigkeit in ihrer Aus-führung oft nur zu sehr beschränkt. Die großenWerke des Correggio , die wegen ihrer vortrefliche»und angenehmen Wirkung seinem ideenreichen Geisteam angemesscnsten waren, bestimmten endlich ganzseinen in der Carraccischen Schule noch nicht völligentschiedenen Kunstcharakter. Er machte sich näm-lich eine Art der Ausführung eigen, die jener desCorreggio zwar nicht gleich kömmt, aber dennocheine große und schöne Wirkung thut, und ihnbey großen Prachtwerken diesem Stifter der Lom-bardischen Schule in Rücksicht auf die optischeZauberey des Helldunkels und die Leichtigkeit derBehandlung am nächsten gebracht hat Lanfrancoerfand gewöhnlich mit mehr Leichtigkeit als Scharf-sinn; seine Anordnung ist kühn und reich, oft aberzu überladen; er zeichnete in einem großen, aberetwas schweren Styl, ohne sich immer an dieRichtigkeit zu binden; seine Köpfe haben meistensein wenig Übertriebenes, aber auch immer etwasGroßes und Kühnes in ihrem Charakter; seineDrapperien behandelte er in einem hohen Ge-schmack, und seine großen Massen des Helldunkels,die er mit ungemeinem und oft des Correggio würdigem optischen Gefühl in seinen Anordnungenanzuwenden wußte, geben seinen Fresko-Werkenein überraschendes und majestätisches Ansehen,welches in seinen Oelgemälden in minderm Gradegefunden wird"**) Ungefähr eben so zeichnetunsern Künstler Lanzi (l>. 2. i 3 o.). Dort heißtes von ihm z. B.Sein Charakter liegt (wiesich Bellori zwar etwas blöde, aber nicht minderwahr ausdrückt) in seinem Namen; denn es istsicher nicht leicht, einen frankern Maler in Er-findung und Ausführung zu finden. Er bildetesich eine ihm eigenthümliche Manier, welche inZeichnung und Ausdruck die Schule der Carracci (auch Ludwig war, nach Augustin's Tode eins-weileu sein Lehrer), so wie in der Compositionden Corregio verrieth eine zugleich leichte undgroße Manier; groß nämlich durch den Adel inden Köpfen und den Bewegungen seiner Figuren,in den grandiosen und wohl ausgespendeten Massenseiner Lichter und Schatten, in seinen edeln Ge-wändern und einem piazzoseu Faltenwürfe, bisauf ihn ohne gleichen eine Manier, die, wirwiederholen es, so groß war, daß mehrere Vollen-dung in seinen Werken, was anderer KünstlerWerth vermehrt, den seinigen nur verringert hätte;daß er darum nicht minder gefiel, theils durchseine herrlichen Erfindungen, theils durch ein wonicht fröhliches, doch wunderwürdig harmonischesColorit, seine zierlichen Verkürzungen, seine glück-lichen Contraste endlich in dem Ganzen und denTheilen seiner Figuren, so daß er (wie denn docheben auch Lsskengs bemerkt) hierin» dem geschmack-vollern Styl der Neuern zur Norm diente Vonihm lernten die Machinisten, das Aug auf weiteDistanzen zu befriedigen, indem er (wie er zusagen pflegte) nur einen Theil selbst malte, undeinen andern der Luft für ihn zu malen über-ließ." Von Oelgemälden dann führt Lanzi be-sonders seinen St. Andrea Avellino zu Rom unddie darinn erscheinende prächtige Architekturseinen todten Christ zu Foligno , mit dem EwigenVater, der in Menschengestalt deßwegen nichtminder den Begriff von der Gottheit gebe

' 2 ) So lange Hannibal lebte (sagt der Abt de Fontenai vielleicht sehr gründlich), blieb Lanfranco correkt;«ach dessen Tod hingegen ließ er sich nur tu oft von dem Ungestümm seines Genies hinreisten.

In den neuesten Tagen dann urtheilt, von Deutschen , die Sckrift: Winkelmann u. f. O"kwbundert,Lanfranco an verschiedenen Stellen, wie folgt:Gute Wirkung des Ganzen durch breite Massen von Lichtund Schatten zu erzielen gelang, vor Andern , diesem Künstler, welcher sich dieses Theils der Kunst zu Bemalungvon Kuppeln u. a. großen Räumen bediente (S. -72.)." 2 » der Kirche della Morte steht man auch vonihm drey landschaftliche Gemälde in Fresko, groß gedacht und behandelt (S. -82.)."Was die Wirkungseiner Bilder betrifft, folgte er einem idealen Muster, dem Correggio ; in den Formen aber behielt er denStyl seiner Meister (der Carracci ) bey, nur mit weniger Energie und Gründlichkeit (S. 218.)."GleichCarravaggio und Guercino sammelte er seine Lichter sehr, und vertiefte die Schatten mit möglichster Kraft(S- 222.)."