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seinen Tod der H. Mutter zu Macerata , undendlich seinen St. Roch und St. Conradus zuPiacenza an, welche zugleich zu seinen vollendet-sten Arbeiten geboren. Weit minder vortheilhaftdann sprechen freylich von unserm Künstler diebeyden Franzosen warelet und I'Evesque. Daheißt es z. B. „Wenn er von Correggio jenegroßen Maschinerien lernen konnte, womit mandie Kuppeln ziert, so war er hingegen nicht dafürgeschaffen, zugleich auch die Grazie in seine Werkeaufzunehmen, welche Allegri's Eigenthum ist.Lanfrancho schien mehr geeignet, Erstaunen zugebieten, als zu gefallen. Das heißt noch wenigan Correggio gewahr werden, wenn man dieSchönheit seiner Verkürzungen, die Kunst seinergroßen Ordonnanz, und sein Talent, treflich aufnassen Kalk zu malen, entdeckt. Zu Rom dannentfernt «hu sein ungestümmer Charakter von Ra-phacls weiser Kunst noch weiter, als in Parma von der Nachahmung des Correggio ; und sollteman wirklich denken, daß er sich noch eher zuden Werken Michael Angelo's hingezogen gefühlthakte, da ihn die Natur mit einigen Eigenschaftendes kühnen Florentiners versah, und dagegen mitkeiner von denen, womit sie Raphael so vorzüglichausgestattet hatte." Ferner: „Man kann es ihmkaum verzeihen, daß er dem Dominichino dieKuppel zu St. Andrea entzogen hat, und darfannehmen, daß die Arbeit des letztem noch voll-kommner würde geworden seyn als die scinige, obman gleich gestehen muß, daß Lanfrancho'« seineeine der schönsten Arbeiten sey, welche Rom in dieserGattung besitzt. Man merkt, daß er seine Kräfteverdoppelt hat, um gegen einen fürchterlichenRival zu streiten, und man empfindet selbst einigesVergnügen, sie so nahe bey einander zu sehn, undsie vergleichen zu können. Sehr künstlich ist dasLicht aus der Christusfigur oben in der Laternegezogen, und mit demselben wird das Ganze un-gemein mild und harmonisch beleuchtet Bey derungeheuer großen Oeffnung der Kuppel stelltdieselbe überraschend einen unermeßlichen Raumdes Himmels dar, und endigt sich mit einerGlorie und jenem Lichte, welches sich von derHauptfigur ergießt. Man bewundert, wie derKünstler sich nicht geschcuet hat, den Figuren,die dem Zuschauer am nächsten sind, ein Maaßvon 00. Palmen zu geben , und mit welcher Rich-tigkeit er die entfernter,, abgestuffet hat, u. s. f.Dieß sind ohne Zweifel große Schönheiten. Aberwelche andre von einer andern höher,, Gattungwürde man nicht zu bewundern haben, wenn dasWerk von Dominichino wäre, und Er daraus seinMeisterstück hätte machen wollen. Lanfranchosetzt in Erstaunen, Donnnichino hätte Rührungerzeugt. So sehr man die Arbeit des erstembewundert, so sehr würde man die des letztemlieben — Seiner Kuppel der Schatzkapelle zuNeapel wirft man einen zu dunkeln Ton vor.Ueber diejenige von St Carlo Catenari zu Rom *)muß man ^elibl'en hören. „„Hier war es""(sagt dieser), „„wo ich Lanfrancho kennen lernte,mehrmals das Vergnügen hatte, auf sein Gerüstzu steigen, und ihn an diesen großen Figurenarbeiten zu sehn, wo man in der Nähe nichtserkennen konnte, und welche doch von unten soerstaunende Wirkung thun. Damals fieng ich anzu begreifen, daß es außer der so nöthigen Kunstder Perspektive, der Verkürzungen u. s. f. nochandre Geheimnisse in der Malerey, und eineschwerere Wissenschaft gebe, die sich nicht durchRegeln lernen läßt, u. s. f. Man kann nichtbehaupten, daß er immer sehr correkt gezeichnet,oder daß er die Leidenschaften und Gemüthsbe-wegungen vollkommen ausgedrückt habe; aberdafür hatte er eine ganz besondere Leichtigkeit,einen großen Gegenstand wohl zusammenzusetzen,und eine fertige Einbildungskraft, um seine Ge-danken schnell auszuführen, was ihn denn ebenoft verleitete, nicht alle Theile seiner Werke ge-
Lanfrancho.
hörig zu studiren Dieß geschah besonders, theilszu Neapel , theils in den Arbeiten seiner letztenZeit, wo er sich mit nur allzuviel Freyheit derbloßen Praktik überließ. Daher denn auch dasgewöhnliche Urtheil über ihn: Er sey mehr alsgeschickt, aber gebe sich nicht die Mühe, sehenzu lassen, was er wisse."" Nun fahren wiederLVareler und Levesque vollends also fort:„Es mangelte Lanfrancho am Ausdruck; undebeu so wenig kann man sagen, daß feine Con-ceptionen tief gedacht waren. Er disponirte seinenGegenstand, ehe er sich die Mühe gab, darübernachzudenken, und so, wie er ihn entworfen hatte,führte er ihn sofort aus; wenigstens hatte erniemals die Geduld, seine ersten Gedanken reifwerden zu lassen. Er war ein großer und kühnerKleckser (ll ötait Argrill, karcli mal« struziassö?).Seinen männlichen Figuren gab er zwar ebenfallseinen großen Charakter, aber wahre Schönheitsuchte oder kannte er nicht, und weibliche Grazienoch viel minder, so sehr er auch Raphael undCorreggio studirt hatte. Man kann nicht sagen,daß er ein großer Coloriste gewesen sey; aber seineFärbung thut dennoch oft ihre Wirkung. Carra-vaggio's braune Schatten finden sich gerne beyihm; bisweilen aber ist sein Colorit glänzend undklar, harmonisch wenigstens nicht immer. VollFeuers, bemerkt man seine Iucorrektheit beyWeitem nicht allezeit. Er hat das Schrecklichegesucht, und man tadelt ihn, daß er oft seinegigantische Kühnheit übertrieben habe. Immerhinmuß er mehr von feurigen Geistern als vonempfindsamen Seelen geliebt werden. LUengsbetrachtet ihn als den Erfinder jener theatralischenGattung, welche die Gegenstände künstlich so zuordnen (U^onoer) weiß, wie sie dem Aug gefallen.Diese Gattung" (wohl ein wahres Wort!) „haknachwerts eben darum so großes Glück gemacht,weil man, um sie zu beurtheilen, weder nachzu-denken, noch zu empfinden braucht." Da Lan-francho sich nur bey große» Machinerien inseinem Elemente befand, so kann man ihn nichtleicht aus seinen Oelarbeiten beurtheilen, die sichbald in allen großen Kabinetten Italiens, Frank-reichs, Spaniens (von diesen hat Meng« einigeNachrichten ertheilt), Deutschlands u. s f. be-finden. Von einem derselben im französischen Museum (Mars und Venus, ein kleines 5 ^breites und 2^ 7" hohes Staffeleygemälde) sagtdaher Landon (Anna!. IX. 90.) der davondie Abbildung im Umrisse giebt: „ An giganteskrCompositionen gewöhnt, war Lairfranco weniggeschickt, graziöse Gegenstände darzustellen. Sol-ches bemerkt man an diesem Bilde, alles Glanzesder Farbe und Anmuth des Ausdrucks ungeachtet.Die Umrisse sind trocken, und der Styl der Zeich-nung zwar rein. aber nicht edel genug", u. s. f.Die beßte Litteratur der nach unserm Künstlergestochenen Blätter findet sich in dem Mmkler-fchen Gantkatalog, und in einem Verzeichnissemeines scl. Vaters. Von ganzen Folgen bemer-ken wir:
1. Die Kuppel in St. Andrea della Balle zu Rom , 8. Bl.von C. Cesio.
2. Die Kapelle von Buongivvanni in der St. Augttstins-Kirchc zu Rom , von Ebendems. und nachwerts auchvon Sandrart.
z. Nach seinen Aei'chnugen ein ausgeführtes Gemälde inder Loggia della Benedizione im Batlkan (welche dieGeschichte St. Peters und Pauls vorstellen sollten),21. Bl. von p. S. NartoU, eine schöne, seltenvollständig gefundene Folge.
4. Die Apostel, nach so viel Frescogemälden, inBlättern, von F. llouwemont; späterhin ebendiescl-geschabt, von I. D. Herz
5. Die vier auf Christum weissagenden Propheten an denAngeln der Kapelle Sacchetti in der Kirche St. Johannder Florentiner zu Rom , von D. «kuiieno.
6. Die vier Evangelisten an den Angeln der Kuppel derIeluiienkirche Z» Neapel , von I. ll. Koullet und F.llouvemout.
") Es war llmifrancho's lebte große Arbeit, welche zuerst an dem Festtag dieses Heiligen (29. Nov. >6j7.)ausgestellt wurde, der zugleich — des Künstlers Todestag war.