Band 
Zweyter Theil [2].
Seite
767
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Maratti.

(heißt es bey Fiorillo l. 18285.) verrieth ereine leidenschaftliche Liebe zur Kirnst, indem er,m Farben zu bekomme», den Saft von Blumenund Krauter» ausdrückte. Er war erst 11. Jahrealt, als er nach Rom kam, wo er zuerst von seinemHalbbruder Baruabco einige Zeit unterrichtet, dannaber in die Schule des Sacchi eingeführt wurde.<)fn dieser übertraf er alle seine Mitschüler; er erhieltdaher den Beyuamen ttarluccio d'Andrea, denseine Neider nachher (ohue zu wissen, wie hoch sieihn lobten) in Earluccio delle Doninne verwan-delten. Seine Talente gewannen ihm die Gewogen-heit des Taddeo Barberini, eines Neffen UrbansVIII - Sein erstes öffentliches Werk (i 65 «i.) warein Christ in der Krippe für die Kirche St. Josephde Falegnami. Nachher wurde er durch Bernini ,(anfänglich, als Sacchi's Gegner, auch der seinige)Alexander Vll. bekannt gemacht, und von diesem,so wie von Clemens IX. und X. und Jnnocenz XI.zu verschiedenen Arbeiten gebraucht. Für den letzternmußte er einer (wie wir glauben noch jetzt in dergeheimen Kapelle auf Monte Cavallo ersichtlichen)Madonna von Guido die Brust bedecke», was erdann mit Leimfarbe und Pastell vollführte. Eineandre Madonna von ihm schenkte eben dieser Papst(1689.) den Gesandte» des Königes von Siam.Unter dieser Regierung wurde er zum Aufseher derVatikanischen Zimmer ernannt. Jnnocenz XII.bestätigte ihn in dieser Stelle. Zu welchem wich-tigen Werke ihn endlich Clemens XI. (dessen Lehrerim Zeichnen er war) gebraucht habe, hören wir nochunten. Jemand hat unsern Künstler in Knnstrücksichtden letzten Römer genannt, und sogar auch ihnbeschuldigt, daß er den Verfall der dortigen Schulenoch eher begünstigt habe. Billiger wohl urtheiltIsNengs, der in seiner Abhandlung von, Ursprung.Fortgang und Verfall der Künste, Mararri dasschöne Lob giebt: Ihm sey es zu verdanken, daß dieKunst zu Rom nicht so (geschwind) wie anderwertsin Verfall gerathen sey.^ In seiner Jugend (sagtLanzi I. 52227.) beschäftigte er sich vornehmlich,nach Raphael zu zeichnen; und ihm gebührt dieEhre, (1700.) die Säle des Vatikans und der Far-nesina mit einer Einsicht und Mühe (welche unsBellori und Barch. Urbam beschreibt) so wiederhergestellt zu haben, daß die Nachwelt sich ihrernoch lange erfreuen kann. Dafür erhielt er (1704.)bey einer öffentlichen Feyerlichkeit im Kapital denChristus-Orden. Sein Talent gieng nicht aufgroße Maschinerien; daher malten er und seineNachfolger nicht häufig in Fresco. Von ihm kenntman in dieser Gattung einzig die Kuppole des Domszu Urbino , wovon die Entwürfe noch (dort?) imPallast Albano aufbewahrt werden.Seine Ma-donnen" (heißt es dann weiter)sind von einerbescheidenen Anmuth und zugleich einem durch-aus edeln Wesen, seine Engelchen voll Grazie,seine Heiligenköpfe alle von schönem Charakter, vollAndacht, aber dabey fast immer in ihrem Festtags-gewand. Zu Rom schätzt man qm Meisten, waser in Sacchi's Styl gemalt; wie z. B. seinen St.Xaver al Giesu, eine Madonna im Pallast Pam-phili, und weniges Andres. Späterhin nahm ereine andre, minder große Manier an, die aberhinwieder durch ihre' Genauheil musterhaft ist.Wenn er seine Entwürfe gezeichnet hatte, so übersah«r Alles Theil für Theil, ob er hinwieder der Naturgetreu sey; damit aber nicht zufrieden, durchgieuger noch einmal die Zeichnung seiner Figuren, wobeyihm Raphael, doch nicht ausschließend, sondernauch die Carracci und Guido zum Muster dienten.Bisweilen fiel wirklich sein Fleiß ins Gering-fügige, worüber dann etwa der Geist entflog. AmWenigsten war sein Faltenwurf zu loben, womiter, aus Begierde bey der Wahrheit zu bleiben,das Nackte oft allzu sehr verhüllte. In hohemGrade besaß er die Kunst, sein Hauptlicht auf EinenGegenstand zu werfen, und das übrige oft nurallzu wenig zu beleuchten; dies übertrieben nach-werts seine Schüler vollends so sehr, daß sie in einNeblichtes fielen. Nur selten malte er Tafeln vonungewöhnlicher Größe, wie z. B. seinen St. Carl

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in dessen Kirche all Corso, und seine Taufe Christi in der Karlhause, die man auch bey St. Peter inMosaik gebracht findet. Die meisten übrigen sindkleinere Bilder; wie mehrere zu Rom ; unter den-selben jener liebliche Stanislas Koslka auf demAltar der dessen Asche bewahrt; Mchrcres auchausser dem Kirchenstaat, wie sein St. AndreasCorsini in der Großhcrzogl. Kapelle zu Floren;, undsein St. Franzisc von Sales bey den Philippinernzu Forli , eines seiner vollendetsten Werke- Eben soarbeitete er auch für in - und ausländische Galerien.Lord Exeier hatte ihn während seiner Reise in Italien kennen gelernt und empfahl ihn seinen Landsleuten;daher sich viele seiner Bildnisse in England be-finden. DallnE!/ II. 261. In der Galerie zuMünchen befindet sich von ihm, nebst dem sehrschönen Kabinctstücke eines Evangelisten Johannes ,das seltene Slück einer 7^ hohen, und ,9* breitenLandschaft, wo die Figuren (Diana von Aktaonim Bad überrascht) unstreitig sein sind, die Land-schaft selbst aber Cresc. Onofri, oder Josi Costa»(wenn dieser je in Italien gewesen) zugeschriebenwerden. In Rom ist kein großes Haus, das nichtetwas von ihm besitzen sollte. Bald eben so imganzen Kirchenstaat. Zu Ancona , im Hanse derHH. Mancinforti, befindet sich von ihm eine Copieder Schlacht Constantins nach Raphael , von wel-cher er den Anlaß nahm, seine Schüler zu belehren:Daß, solche Meister zu copire», auch einem vol-lendeten Künstler keine Schande bringt. Noch aneiner andern Stelle (l. 0. 526.) bemerkt Lanzi sehrscharfsinnig: Daß nach Cortona's und Sacchi'sTod zwey Künstler vornehmlich den Styl derselbenfortgepflanzt haben: Liro Fern des erstem; LNa-rarri des zweyten; jener habe die Ideen erweitert,aber eine gewisse Nachläßigkeit hingehen lassen;Maratli hingegen habe letztre minder, als engereIdeen dulden wolle». Bisweilen indessen haktenihre Schüler sich genähert, und Einer von desAndern Schule die Fehler angenommen. Ma-rarri soll auch, nach der Mode damaliger Zeit,bisweilen auf Crystal gemalt haben ll. c. itik). Erhinterließ eine Tochter, die er in der Kunst unter-richtet harte, und von welcher ihr selbst gemaltesBildniß sich in der Galerie Corsini befinden soll.(l. c. 627.) Zu seinem und ihrem Unglück soll sieeines der schönsten Mädchen des neuen Roms ge-wesen seyn, welche ihm oft zum Modell dienenmußte, und in die ein Römischer Prinz verliebtwar, der ihr zuletzt ihre Gegenliebe mit demDolch bezahlte- lüx or« csleb. Und

nun hören wir noch ein Paar gewichtige Urtheileüber unser» Künstler an Das eine, von Füßlr(I. 221-53.) lauter, wie folgt:Obgleich dieNatur dem Mararri keine so lebhafte und dichte-rische Einbildungskraft, und überhaupt kein sooriginelles und lcichtwirkendes Genie, wie denersten classischen Malern der römischen Schule zu-getheilt hatte, so gab sie ihm dagegen eine hinläng-liche Empfänglichkeit, alles das Schöne zu fassen,und sich iheilweilc zu abstrahiern, was jene großenMänner bloß mittelst ihrer eigenen angebornen Ein-bildungskraft und ihrer überwiegenden Geistcssiärkeausgeführt hatten. Diele Empfänglichkeit für dasSchöne in den Werken seiner Vorfahren, nebst einerausserordentlichcn Liebe zur Kunst, und einem uner-müdet anhaltenden Fleiß, in beständigem Nach-zeichnen der beßten Gemälde und Zeichnungen inRom , besonders der Rafaelischen Kunstwerke, ver-bunden mit dem neunzehnjährigen Unterricht seinesLehrmeisters, des einsichrs- und geschmackvollenAndreas Saectil, setzten ihn endlich in de» Stand,aus den so mühsam gesammelten Kenntnissen undder so schwer erworbenen Festigkeit in den vornehm-sten Theilen der Kunst, eine ihm eigene Art derMalerey zu Stande zu bringe», die in dem Wesent-lichsten jene aller seiner Zeitgenossen übertraf. SeineErfindungen sind daher wohl überdacht, und mei-stens von vieler Bedeutung; seine Compositionensind sinnreich, und mit Rücksicht auf eine angenehmeContrastirung der Gruppen und Formen ange-ordnet; er zeichnete in einem großen Styl, und mit