Meil.
jedoch das geringste Hülfsmittel zu zeigen. Alleindies vermißte ich nicht, weil ich glaubte, manbrauche nur Kupferstiche und Zeichnungen zu copi-ren, so würde man Künstler; und am Ende hab' ichmich auch hierin nicht geirrt. Weil mir aber Allesreizend war, was zur Kunst gehörte, so kam ichauch ganz natürlich auf das Modelliren." Hier-auf folgt die Manier, wie er es anstellte, nebstdem daraus gezogenen Resultate: Modelliren undZeichnen seyen die zuverläßigsten Mittel, Alles inder Kunst mit Erfolg zu unternehmen, und näm-lich (wie er ausdrücklich sagt) Bildhauer, Maler,Kupferstecher, Medailleur und Steinschneider zuwerden, so bald man nur will. ,,Es kommt Hie-bey lediglich auf das Iudicium und auf richtigeIdeen an." Da man ihn noch zu jung fand, aufeiner eben damals in Bayreuth errichteten Pri-vatakademie zu zeichnen, so machte er sich eineLampe aus Thon, und zeichnete für sich selbst nachdem Runden. In seinem Vierzehnten kehrte ermit seinen Eltern wieder nach Altenburg zurück,und beschäftigte sich dort immer emsiger mit Bos-siren theils nach eigner Erfindung, theils nachden beßten Gipsfiguren. »Ein Farnesischcr Her-kules und ein Borghesischer Fechter , in der Größewie man sie in Gips hat, könnten beweisen, wieweit man es in solchen Jahren durch Fleiß brin-gen kann. Mittlerweile sah' mein Vater mir im-mer zu, ohne mich im Geringsten zur Skeinarbeitzu bereden; allein er erreichte seinen Zweck end-lich doch. Als ich ihn einmal arbeiten sah, sobehauptete er: Zwischen dem Bosslren und in Steinarbeiten wäre ein großer Unterschied n. s. f. Dieskonnt' ich zwar nicht schlechterdings läugnen, aberdoch beweisen, daß es mit mir eine andere Be-wandtniß habe." Wie er hierauf zuerst ein klei-nes Kinderköpfgen nach P. Pcrmvser, dann eineweibliche 7^ hohe Figur, und einen Apoll von5 // hoch (der noch jetzt im Herzogl. Garten zuAitenburg stehe) verfertigt habe^ In 1747. gicnger nach Leipzig , wo er bald in Bekanntschaft mitPros. Christ kam, und dessen Collegien über dieAlterthümer besuchte. »Dadurch erhielt ich vielevornehme Bekanntschaft, die mir Gelegenheit vcr-schafte, Lection im Zeichnen zu geben, Vieles inMiniatur und Pastel zu malen, und in Kupfer zuetzen. Mit letzterm hat mich H Christ am mei-sten beschäftigt, indem ich, fast möcht' ich sagenunzähligen Gemmen aus seinem Museum radirthabe. Nun hieß ich Zeichenmeister und Kupfer-stecher; der Bildhauer zeigte sich nur noch imModelliren. So brachte ich unvermerkt eine Zeitvon ctlich zwanzig Jahren in Leipzig zu, als ich(wir denken wohl von seinem jüngern Bruder)nach Berlin berufen wurde. Ich reiste also, inBegleitung aller meiner Künste, 1774. im Augustnach Berlin . Das vorzüglichste Glück, welchesich hier genieße, besteht darin, daß ich als — Me-dailleur alle Gelegenheit nutzen kann, von der mirdeshalb ertheilten gnädigen Erlaubniß Gebrauchzu machen. Sonst haben mich verschiedene Um-stände gehindert, daß ich während meines hiesigenAufenthalts nicht so viel habe arbeiten können,als ich wohl gewünscht hätte. Ich hoffe aber inder Zukunft diesen Verlust der Zeit durch meinenFleiß zu ersetzen, und mich auf Arbeiten berufenzu können, deren ich mich nicht zu schämen habe."So weit, was unser Künstler bis 1779. von sichselbst spricht. Diesem folgt I. c. 9—iu. ein Ver-zeichniß seiner bis damals verfertigten Etzarbeiten,worunter 112. Bl. zu den Gellerrschen Fabelnvon 176h. nebst einem Anhange < 12. Bl ) vcn1788. und einige andre zu den Fabeln des la Fon-taine (letztre indessen bloße Kopien nach Chodo-wiecki) das Bemerkenswertheste, alles übrige (aus-ser den schon benannten Gemmen nach ChristsMuseum) Vignetten sind; dann zwey in 1777.von ihm ausgefertigte Schaumünzen, die eine aufdie Ankunft des Russischen Großfürsten zu Berlin ,die andre aus dessen Vermählung mit der Prin-zessin von Würtemberg. Noch fügt Mensel II.von ihn, einiges Geetztes von 1779—82. (neben
Meil. 82r
Andern, Blätter zum Setlerschen Bibelwerke),und endlich die Notiz bey: »Er schneidet auchPetschafte in Stein und Stahl." Seither indes-sen haben wir von unserm vielseitigen Mannenicht das Geringste vernommen, bis in 1800. woes in der Zeitschrift: kerlin II. 5 . 112 iö. vondem siebenzigjährigen Greisen leider heißt: „Vondem Herrn Rector I. H. Meil dem ältern wardauf dem diesjährigen Salon eine Diana ausge-stellt, die ins Bad gehen will. Von diesem Ge-mälde ist es unbegreiflich, wie es auf eine Kunst-ausstellung kommen konnte, da es selbst für eineAnfänger-Arbeit zu schlecht ist." So viel scheintgewiß zu seyn, daß sein nachfolgender Bruder mitglücklicher Ausübung eines einzelnen Kunstzweirges, verbunden mit großer Bescheidenheit, zuweit ausgebreiterm Rufe gelanget sey.
Meil (Johann Wilhelm), Johann Chri-stophs jüngerer Sohn, geb. zu Altenburg 170?.widmete sich anfangs zu Bayreuth und Leipzig den Wissenschaften, bis im I. 1762. zu Berlin der Anblick der dortigen Kunstwerke sein Talentfür die bildenden Künste weckte, das er von nunan, ohne einem Meister zu folgen oder einer Schulenachzuahmen, selbst auszubilden suchte. Unab-läßig übte er sich im Zeichnen und im Radiren,und schuf sich so eine ganz eigne Manier in letzizterm, welche ihm unter den berühmtem Kupfer-ätzern der neuern Feit eine ausgezeichnete Stelleerwarb, da er nämlich alle seine Ideen mit dervollkommensten Richtigkeit entwarf und mit einerbisdahin nie gesehenen Sauberkeit in kleinen lieb,lichen Gestalten ausführte. Seine reitzenden Vig-netten zieren eine Menge der vorzüglichsten, dannaber auch zum Theil ganz vergessener deutscherSchriften. Die ganze Sammlung derselben, wel-che aber höchst selten vollständig zusammen zu brin-gen ist, beläuft sich über ein halbes Tausend. Zuden gelungensten gehören seine meisterhaften Blätterzu Engels Mimick, und zu der neuesten Ausgabevon S'ebaldus rJorhanker, welche beweisen, wievortreflich er physiognomische Charaktere darzu-stellen wußte. Dabey besaß er eine genaue Kennt-niß von dem Kostüme der alten und mittlern Zeit,uns hatte sich daher, durch Angabe richtiger undgeschmackvoller Zeichnungen, auch um das Thea-ter zu Berlin großes Verdienst erworben. Ueber-haupt war er ein eben so gelehrter als geschmack-voller Künstler zu nennen. Sein Studium derGeschichte der Kunst war unermüdet, und er sam-melte sich ein auserlesnes Kabinet von merkwür-digen, vorzüglich ältern Gemälden, Zeichnungen,Kupferstichen und Büchern. Im Umgänge vollAnmuth und lebhaften treffenden Witzes, hatteer sich wahrend seines mehr als fünfzigjährigenAufenthalts in Berlin die Liebe und Frenndschaftseiner achtungswürdigsten Einwohner erworben,und starb endlich, allgemein bedauert daselbstam 2. Febr . i 8 o 5 . als Viccdirector der dortigenAkademie der Künste (seit 1798.), Rector vor 1788.und wenigstens zwanzig Jahre früher bereits Mit-glied. Nekrolog in Mensel's Arch. I. 4 -2»h—8. u. In 1786. gab er die Erfindun-
gen und Zeichnungen zu Verzierung des Königl.Schlosses bey der dem Könige Friedrich Wilhelmgeleisteten Huldigung, welche er nachwerts auchin Kupfer etzte. Gemalt wurden jene Verzierun-gen von dem geschickten Perspektivmaler Joh.Friedr. Fechelm, damaligen Kabinetsmaler desHerzogs von Meckclnburg-Schwcrin. Die Büs-ten Berlinischer Gelehrter und RttiistlerS. 171. sagen, daß sich die Anzahl seiner Blat-ter schon um 1787. an die 400. belaufe» habe,und einige derselben schwer zu finden seyen. Ueberi 4 o. seiner kleinern Blätter sind bey )vost II. 20Z.bis 4. angezeigt. Mehrere im cataloHue rgj-sonnö clu Labinet 6'Lstampes äs Franarr. undin desselben sowohl als dem winklerschen Gant-katalog. Zu dem Bedeutendsten gehören 5 u. Bl.zu dem in Berlin 1766. in Querqnarto erschiene-nen Lpectaculum blaturre et Hrtuim. Von