Band 
Zweyter Theil [2].
Seite
831
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M e» gs.

herrlicher Cameo (wahrscheinlich derselbe, der nachseinem Tod durch den scl. Reifenftein für dieRussische Kaiserin um i 5 oo. Zecchincn erstandenwurde) in allen Häusern der Prinzen und Eminen-zen herumgieng, von Jedermann bewundert, undvon Niemand gekauft wurde, war es kein Andrerals der durch Aerger vollends aufgereihte Mengs,der diese Kunstjuwelle für eine sehr große Summean sich brachte, und seiner Frau i» ein — Prasseletfassen ließ. Die erwähnte bekannte Thatsache dannist: Daß er mit der großen Sammlung seiner Gips-abgüsse von Antiken, die er mit sich nach Madrid gebracht, eines Tags dem Könige von Spanien ,zu Handen seiner Akademie, ein Geschenk — voneinem Werth gemacht, den nur Kenner zu beur-theilen wissen. Von seiner edeln Unbeugsamkeitdann Folgendes: Wenn vordem die Päpste sichmalen ließen, mußten die Maler — kmeend ihreKunst üben. KNengs, der den Papst Rezzonicozu schildern berufen war, weigerte sich dessen. Erkönne (sagte er) nur sitzend — treffen. Und (wohlunnöthig ist es hinzuzusetzen) man erlaubte ihm zu —sitzen. Er hinterließ zwey Söhne und fünf Töch-tern. Für die erstern sorgte der oben genanntegroßmüthige Monarch Dem jungem gab er einenPosten beym Jngenieurkorps; der ältere, welchersich der Kirche gewidmet hatte, war im Fall, zugroßen geistlichen Bedienungen befördert zu wer-den. Von den Töchtern ward die eine, wie wirschon vernommen, an den Kupferstecher Carmona,eine zweyte an einen wohlbemittelten Mann zuAscarano, im Gebiet Ascoli , eine dritte an einenEtaatskanzellisten des Kardinals Pallavicini, Vinz.Filion, vermählt Das Schicksal der beyden übri-gen ist uns ganz unbekannt. Durch die Vorsorgedes Kardinals Rimanini, der von dem Pabstezum Vormund ernannt wurde, und die edelmüthigeFreundschaft des H von Azara, war für die Hinter-lassenen noch Manches von Gemäloen, Zeichnun-gen und Studien aus dem Schiffbruche alles übri-gen Vermögens gerettet worden. Einiges (wie wirdavon bereits ein Beyspiel gesehen) gieng, zumTheil für ungeheure Summen, nach Rußland . DerH. von Azara selbst erstand Vieles; Zeichnungenkamen (lesen wir irgendwo) viele an den Hof vonGachsen-Gotha: Andres an seinen TochtermannCarmona: wieder Andres an andre spanische Künst-ler oder Dilettanten; wie j. B: Mariano Maclla,Sebastian Martine;, Pedro Gonzalez Sepulveda,und Juan de Villanueva. In Rom ließ bald nachseinein Tode der Ritter Azara ihm ein Denkmal zurSeite dessen von Raphael setzen, das in seinerBüste (anfänglich von Erzt, nachher in Marmor)bestand > welche schon bey seinem Leben unter seinerAufsicht verfertigt wurde, mit der einfachen Inschrift:

^ut. krplisell IVleoßLkiccori klnlosopkoZor. dlic. tic Xrai» Xmico suo ?.

KH)(^I.XXIX.

Viiit Xooo» t.1. IVIensez III. Die» XVII.

Ein andres (wo wir nicht irren) wurde ihm, ausAuftrag der Kaiserin von Rußland i» der St.Peterskirche errichtet. Fiorillo I. 22/z—Z/,. undI V. /,25—27. und, nebst mehr anderm dort Angeführ-ten, vornehmlich: Nemorie roncsrnenti ls Vita6i an der Spitze seiner Werke,

wovon wir unten noch Einiges hören werden, undRlanconl"« Llo^io storicollel Lav.>F.)?.welches zumal über seine Erziehung, Bildung undCharakter, ungemeiu viel Merkwürdiges enthält.Seine Figur und Temperament beschreibt dieser letz-te , wie folgt: „Seiner Statur nach, gehörte er unterdie mittlere und eben rechte Größe eines Mannes; vonLeib war er mager; in seiner Jugend von Gesichtsshr schön, obgleich von einer etwas bräunlichenSarbe. Diese Schönheit verlor sich mit den Jah-ren, unter seinen unermüdlichen Arbeiten, undmancherley Verdruß und Familiensorgen. SeineLebhaftigkeit hingegen verminderte sich niemals,weswegen er auch zum Zorn sehr geneigt blieb,der aber nur einen Augenblick dauerte. Und glück-lich war der, mit dem er sich zankte; denn ausser-

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dem, daß er nachher selbst kam, und um Verzei-hung bat, beschenkte er ihn auch, nach Verhält-niß des Lerms,,den er gemacht hatte. Nicht We-nige seiner Schüler und Hausgenossen sollen diesesmißbraucht haben." Von seiner Wohltätigkeit ha-ben wir schon oben vernommen. „Seine Almo-sen bestanden immer wenigstens in Silbermünze,und öfters in — Zecchinen"! — Und nun, seinenKunstcharaktcr betreffend, hören wir jetzt, vorAllen, seinen freylich geschwornen Freund, undnachher auch die — wir hoffen — gänzlich Unpar«theyischen an. „Unter allen neuern Malern"(heißt es bey Azara l. c. HXXXIX-XLV. „gaber Raphael in der Zeichnung und im Ausdrucke,ssorregglo in der Grazie und im Helldunkel, und Ti-na:» im Colorite den Vorzug. Der erste beschäf-tigte seinen Verstand, der zweyte sein Herz, undan dem dritten konnte er sich nicht saktsehn. Erbenutzte das Gute von allen dreyen, um seinenStyl darnach zu bilden. Man darf nur Einesseiner Gemälde sehen, so wird man hievon über-zeugt seyn." — „ Da Raphael den wesentlichstenTheil der Malerey, nämlich den Ausdruck in sei-ner Gewalt hatte, so studirte ihn auch lMengsam fleißigsten, und konnte ihn niemals genug be-trachten. Dennoch ist in diesem Punkt ein großerUnterschied zwischen ihnen beyden. Raphaelwußte mit seinem Pinsel Alles, was nur in derNatur sichtbar ist, und den Einfluß der Seele aufden Körper in der Bewegung der Leidenschaftenauszudrücken. Ein feines Unterscheidungsvermü-gen, welches niemand in einem höhere Grade alsEr besaß, leitete ihn, immer das Schönste in derNatur zu wählen; allein wir sehen nicht, daß ersich jemals über sie hinausgeschwungen hatte.Seine H. Jungfrauen z. B. sind Bildnisse derschönsten und frischesten Mädchen, die er findenkonnte; aber sie haben eine zu gemeine Physiog-nomie , und tragen nichts Göttliches an sich."„Die von Mengs hingegen haben so wenig von»Menschlichen an sich, als es nur möglich war;aus vielen vollkommnen Theilen, welche er wohlzu wählen wußte, bildete er sein Ganzes, indemer das Unedle, das Ueberflüfflge, und was aufmenschliche Schwachheit deutet, hinwegließ. Daherdie erhabne Jdealschönheit, wodurch seine Werke sichauszeichnen." — „Raphael, so gut er sich auchauf den gefühlvollen Ausdruck verstand, scheintsich gewissermaaßen (?) wenig um das Helldunkel undum das Colorit bekümmert zu haben. Seine Bil-der pflegen, ich weiß nicht was für eine (?) unange-nehme Monotomie zu haben, und daher gefallensie auch beym ersten Anblicke nicht, sondern wol-len erst lange betrachtet seyn: Mengs seine ver-einigen den erhabenste Ausdruck mit dem wahr-sten, harmoniösesten Kolorite, und mit jener Ein-sicht in die verschiedenen Wirkungen des Lichts,welche beym ersten Anblick die Sinnen, und beynäherer Prüfung auch den Verstand bezaubert.Besonders aber enthalten sie jene Grazie, welcheman wohl empfinden, aber nicht aussprechen kann.Der Urhiner kopirte das schönste Sichtbare; derDeursche that es auch, aber er verbesserte undveredelte es noch. Jener opferte bloß dem Ver-stand , dieser aber dem Verstand und den Grazienzugleich" Azara scheint das Anstößige dieserStelle selbst zu fühlem Was darin Gemeinplatzist, wird keinem Verständigen entgehen, und dieWahrheit keinem Freund derselben. Immerhinbemerkenswerthcr hingegen scheint uns Folgendeszu seyn: „Die Art und Weise, wie Meng« denPinsel führte, war ihm ganz eigen Er impastirteseine Bilder sehr stark, damit sie desto mehr Licht-strahlen auffangen und zurückwerfen könnten. DieNatur einer jeden Farbe, und die Wirkung, dieman sich nach langer Zeit versprechen muß, wenndas Del daraus verflogen ist, kannte er eben sogründlich, als die Theorie des Lichts und «einerDecomposition in sieben Farben durch das Prisma.Indessen befolgte er, letztres betreffend, ein ganzandres System, welches er durch seine Praxis ge-funden hatte, und behauptete, man könne alle