Band 
Zweyter Theil [2].
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8Z2 Mengs.

Farben auf drey zurückbringen: Gelb, Himmelnblau und Roth; aus ihrer Mischung brachte eralle übrigen hervor. Das Weiße und Schwarzehielt er für keine Farbe; und, wo er konnte, zoger die natürlichen Erden allen andern Materienvor. Er malte lieber auf Hol;, wo es sich thunließ, weil die Leinwand, auch noch so gut undstark angezogen, doch niemals eine so glatte undvereinte Oberflache giebt, wie jenes, und jedeErhöhung oder Vertiefung, so klein sie auch ist,immer einen falschen Widerschein macht. Nochmehr: Wenn das Luch ein wenig groß ist, so giebtes unter dem Pinsel nach, und die Hand kannnicht fest und sicher darauf gehen. Wer seineWerke untersucht, wird keinen Pinselstrich darauffinden, wie bey andern Malern; Alles ist vereint,wie es Wahrheit und Natur mit sich bringt, wel-che keine Sprünge macht; eine Linke verliert sichin der andern ganz unmerklich; daher die jungenLeute, welche seine Werke kopiren wollen, nichterrathen können wie sie gemacht sind, und wo sieanfangen sollen, indem die Regeln, die sie vonAndern gelernt, ihnen hier allen Dienst versagen."— Noch an einer andern Stelle (l. c. 1.XXX. bisI>XXXI.) heißt es: „Seine Verehrung des Alter,thums war groß; aber ohne fanatisch zu sey»;und wenn er daher Mangel fand, so erkannte ersie. Bey Aufsuchung der Fehler und der Schön,Heiken eines Werks ist dieser Unterschied: Daß"todes wunderwahrenWorks!) „zujencmdas bloßeAug'hinreicht, zu diesem aber ein aufgeklärter Ver-stand, von einem feinen Gefühl begleitet, nöthigist, die vereint sich eben nicht häufig finden. Sooft ich mit ihm das erhabene Bild des Laocoon betrachtete, war er ganz von seinen Schönheitenbegeistert; nur einmal hingegen machte er michdarauf aufmerksam, daß das rechte Bein weit kür,zer als das linke sey." — Lanzi dann (l. 5bo.bis 6Z.) der fast ausführlicher von den Schriftenals von den Gemälden unsers Künstlers spricht,und (beyläufig zu sagen) den erstem weit mehrGerechtigkeit, als so mancher Halbkenner unterseinen Landsleuten widerfahren laßt, thut derwenigen Werke, die sich von ihm in Italien fin,den, durchaus rühmliche, aber nur sehr kurze Er-wähnung ; nennt, neben anderm Bekannten, vonihm, die große Skizze einer auch bey Bianconierwähnten Abnahme vom Kreuz in schwarzer Kreide,bey dem Marchese Rinuccini in Florenz , die erfür denselben in Oel hätte ausführen sollen, wennihn der Tod nicht übereilt hatte, und einen schö,nen Genius al Fresco in einem Zimmer des Se-nators Grafen Orlando Malevolti del Benino,ebendaselbst, und schließt dann mit folgender lehr,reichen — vielleicht auch von einer (HärtungKlugheit ihm eingegebenen Stelle: „Ich überlassees Andern, die Grenzen der Verdienste dieses Künsttlers zu bestimmen, und zu entscheiden, in wieweit er nachzuahmen sey. Was mich bereist,konnt' ich niemals umhin, ihn, wegen seinem rast-losen Bestreben zu bewundern, in der Kunst stetsneue Fortschritte zu machen. Bereits von so Vie,len als der Erste geschätzt, benahm er sich beyjedem neuen Werke, als ob er erst seine Laufbahnantreten wollte — zog die Wahrheit (Natur) zuRath — betrachtete die Werke der größten Kunst,lichter — zergliederte Alles, bis auf ihre Farben —prüfte sie überhaupt Theil vor Theil, um ganz inden Gesichtspunkt und den Geist dieser hohen Mu-ster einzudringen. Während dem er in der Groß-herzogl. Galerie zu Florenz arbeitete (also noch sehrspath, kurz vor seiner letzten Reise nach Spanien ),rührte er keinen Pinsel an, bis er ganz gemäch,lich das dortige Vorzüglichste durchgegangen undstudirt hatte. In andern freyen Stunden machteer's eben so mit den beßten al Fresco's der floren,linischen Schule, und überhaupt mit allem Alkenund Neuen, was ihm zu Gesicht kam — zog ausAllem Nutzen, und leitete Alles zu feiner Vervoll,kommnung hin — ein wahrhaft großer Geist, mitjenem Alten zu vergleichen, der noch in seiner To-desstunde lernen wollte." Und hierauf eine Nutz,

Mengs.

anwendung, für die, welche — gerade das Wi,verspiel thun! Noch an einer andern Stelle endlich(l c. 6^8.) bemerkt auch Lanzi, wie Vieles Mengszur — möglichsten Wiederbelebung eines bessernKunstgeschmacks in Neapel und Spanien beyge-tragen habe. Bey Fiorillo hiernächst 1.255—4<r.findet sich theils sei» eigenes Urtheil über unsernKünstler, theils die Widerlegung von zwey Rügendes H. von Ramdobr über die Komposition desParnasses in der Villa Albani, und des angenom,inenen Standpunkts für den Beschauer des Pla-fonds in St. Eusebio (Ueber Malerey u. s. f. II.25. u. ff. 111. 2hg. u. ff.). Von jenen Rügen scheinthinwieder uns diejenige nicht ganz unbegründetzu seyn, welche findet, daß die Figuren des Par,nasses kein (nicht genug) gemeinschaftliches Inte-resse haben. Indirekt dann besinn L'iorlllo dasWesentliche des oben angehörten Prejßes des Rit-ters von Azara, und glaubt nämlich: Daß einaus Raphael, Correggio und T-rian zusammen,gesetztes Ideal noch nie existirt habe, und auch nieanders, als in der Einbildungskraft existiren werde;daß freylich Mengs unaufhörlich strebte, sichdemselben zu nähern, und daß, durch seine unterden Hauptbestandtheilen der Kunst gleich vertheilteSorgfalt, es ihm wirklich gelungen sey, in allendreyen vortrcflich zu werden. „Aber dennoch"(heißt es dann weiter) «konnte er seinen Figurennicht so viel Seele einhauchen wie Raphael; nichtso wie Correggio durch die Magie des Helldun,kels entzücken; nicht durch den Anblick des Flei,sches, worin man das durchschimmernde Blut wal-len zu sehen glaubt, täuschen wie Tirian; kurz,er erreichte keinen, vielweniger übertraf er einenvon ihnen." Eine Note zu obigem Texte dann,die so vieler schiefen Deutungen fähig ist, undalso lautet: „Es ist nicht zu läugnen, Er undsein vortreflicher Freund Winkelmann haben esverschuldet, daß sich, hauptsächlich unter den an,geblichen Kunstkennern in Deutschland , eine Seucheverbreitet hat, die man die Ideal-Epidemie nen,nen konnte", hätten wir lieber erspart gewünscht,so wie auch die Anführung der mehr witzigen alswahren Vergleichung des Ritters Loni zwischenMengs und Barrom. Denn, das Urtheil: Daßdem letztem, gleich dem Apelleü, die Gaben der(.achten) Grazien zum Loos gefallen seyen, mögendem Ritter diese guten Göttinnen vergeben. —Schärfer und genauer gezeichnet dann scheint unsdas Votum der Schrift: wmkelmann und seinJahrhundert S. 2/5—82. über unsern Künstlerzu seyn, wo es heißt: „Es war ein bedeutenderVortheil für das, was er leisten und wirken sollte,daß er nicht in der Schule irgend eines zu jener Zeitin Ruf stehenden Malers gebildet ward, sondernunter Aufsicht eines strengen Vaters in völligerAbsonderung gehalten und bloß angewiesen wurde,vornehmlich Raphaels Werke nebst den Antikenzu studiren, wodurch er, allem schädlichen Ein,fluß herrschender Irrthümer entzogen, ungehindertaus dem Wege fortwandelte, den ihm die beßtenMuster zeigten." Dann: „Nicht ohne Grund wirdMengs der Dürftigkeit in seinen Erfindungen bc,schuldigt; das Poetische derselben ist nicht seltengesucht, die Allegorien dunkel, und oft ringt ermit ungünstigen Gegenständen; überdieß gelangihm auch die Ausführung der einzelnen Theile des,ser als die Uebereinstimmung des Ganzen Zwarließ er es an ernster Uebcrlegung, an Aufwandvon Fleiß und Mühe nicht fehlen; ja das Gepräge'einer nie zu befriedigenden Sorgfalt in Anlage undVollendung ist den meisten Werken unsers Künstlerssichtbariich aufgedrückt, welches ihn, denn auch alsFehler angerechnet worden ist. Allein man wirdsich den Mangel an freyer Leichtigkeit in der Be,Handlung leicht erklären, und auch geneigt seyndenselben zu vergeben, wenn gehörig erwogen wird,wie Mengs in Reden und Schriften überall einehohe, gleichsam schwärmerische Idee von demErnst und von der Würde der Kunst geäußert, denhöchsten, wunschensweclhesten Zweck derselben indie Schönheit der Formen gesetzt und rastlos bemüht