Meng s.
gewesen ist, diesen Zweck zu erreichen. Im Schö-nen der Form besteht denn auch eben sein größtes,sein ganz vorzügliches Verdienst, womit er unterden neuern Künstlern sich glänzend auszeichnet,weil vorher keiner diesen Theil eigentlich bezielthatte" (wovon denn wahrhaftig auch diese Schriftselbst Raphael , und die übrigen großen Kunstlich-ter nicht ausnimmt). „Weiter auszumachen"(heißt es dann ferner) „ ob Mengs , seiner übri-gen Verdienste wegen, oder, wenn man will, über-haupt als Künstler mit den genannten Meisternverglichen werden könne, gehört nicht zu unsermgegenwärtigen Vorhaben; wir bestreiken auch die-jenigen nicht, welche die allgemeine Anordnungseiner Bilder zuweilen tadeln; wir geben zu, dieKöpfe seyen selten treffend charakteristisch, nochseltener von lebendigem, in hohem Grade geistrei-chem Ausdruck. Von jenem Geschmack in Ge-wändern und Nebensachen, den wir etwa den fei-nen und putzenden nennen möchten, besaß Mengs ebenfalls nur wenig; er behauptet aber demohnsgeachtet einen Platz unter den vornehmsten undbelebtesten Künstlern neuerer Zeit, wegen des an-geführten Vorzugs schöner Formen, und weil seineBemühungen zur Einführung eines bessern Kunst-geschmacks nicht ohne gute Wirkung geblieben sind."Hierauf folgen spezielle Bemerkungen über einigeseiner bekanntesten Werke, wie B »Die Dresd ,ner-Galerie zeigt als Mengfische Jugendarbeitenverschiedene Bildnisse in Pastell, welche, hinsicht-lich auf den wahrhaften Ton des Kolorits undgeistreiche Darstellung, auch einen vollendeten Mei-ster ehren würden; und ein in Fresco gemaltesDeckenstück der Kirche St. Eusebio, welches er ineinem Alter von nicht mehr als acht und zwanzigJahren zu malen unternommen, mußte die Römerin Erstaunen setzen, indem sie lange kein öffent-liches Werk von solchen Verdiensten hatten ent-stehen sehen. Es ist von äusserst frischen, warmenFarben, kräftig, in Haltung und Ton ein wah-res Meisterstück; die Anordnung des Ganzen istdem Gegenstände sowohl dls dem Zweck des Bil-des angemessen, und eines der glücklichsten, diewir von Mengs kennen. An den guten Formenverschiedener Engel bemerkt man schon das Rin-gen und Streben desselben nach dem Schönen. —Der Parnaß, ein anderes Deckenstück in Fresco,welches er einige Jahre spather in der Villa Al-bani gemalt, zeigt, verglichen mit dem vorigenWerk, seine weiter» Schritte gegen diesen Zweck;bey eben so frischblühendem Kolorit sind die For-men weit sorgfältiger gewählt, in einigen Theilendem Antiken nachgeahmt und sehr schön Aber!auf einer noch höhern, ja der höchsten Stufe,die seine Kunst erreicht hat, stehen die Malereyenam Gewölbe eines zur Vatikanischen Bibliothekgehörigen kleinen Zimmers, la Camera de'Papirigenannt, welche Mengs um das I 1772. verfer-tigte. Vor ändert nehmen sich daselbst die vierGenien aus, die nebe» den Figuren Mosis undund Stt Petri stehen. Sie gelten für die beßtenWerke unsers Künstlers, und sind, was man ohneunbillig zu seyn nicht abstreiten kann, die schön-sten Gestalten aus der ganzen Schöpfung derneuern Kunst " Ferner: „Mengs hat sich beynahein allen Arten der Behandlung versucht; in Fresco,Del, Pastell, Guazzo , Miniatur und in Schmelz-farben Auch findet sich eine plastische Arbeit inMarmor von ibm. Er hat nämlich die Beine aneiner kleinen schönen Venus, welche sein Biograph,der verstorbene Ritter Azara, besessen hat, restau-rier. Seine vorerwähnten Freskogemälde werdenan Kraft und Frischheit des Colvrirs von wenigenübertreffen, und man muß sich in der That wun-dern, wie er eben in dem Deckenstück zu Eusebioalle Schwierigkeiten dieser Art zu malen schon sovöllig beherrschen konnte. Den Amor in der Ga-»rie zu Dresden kann man als eine musterhaftePastelmalerey betrachten. In den Oclgemalden>st unser Künstler nicht immer sich selbst gleich ge-blieben ; einige derselben sind etwas grau und fro-stig gerathen, andere grünlicht in den Schatten,
Mengs. 8ZZ
aber dabey klar und kräftig. Die beßten sind die-jenigen , bey welchen er die großen Meister derVenezianischen Schule zum Muster nahm; sie ha-ben wenig Schatten und vortreflichen warmen Ton.Das Bildniß des Papstes Rezzonico ist von dieserArt, und eins der vortrcflichsten Werke seines Pin-sels. In der eben angeführten Camera de'Papirider Vatikanischen Bibliothek ist, wie Azara be-merkt, der Apostel Petrus- in Guazzo gemalt, sehrkräftig, und vollkommen mit den Frescogemäldendaselbst übereinstimmend. Zu Dresden zeigt maneine Halbfigur der M. Magdalena in Mignatur,schwach im Ton, aber rücksichtlich auf schöne Formhöchst schätzbar, und selbst im Ausdruck wohl ge-lungen. Seinem Vater hat Mengs bey verschie-denen Schmelzmalerryen geholfen. Die Zeichnun-gen unsers Künstlers sind meistens, wie der Cha-rakter seiner Kunst es nicht anders erwarten läßt,ausführlich, sehr selten getuscht, gewöhnlich mitschwarzer und weißer Kreide gezeichnet, zuweilenauch mit rother; desgleichen findet man einige,wo er mehrere Arten Kreide zugleich angewendethat. Ihm wird auch die Erfindung der zarten,gefälligen Weise mit Sepia zu zeichnen beygelegt,von welcher wir künftig zu sprechen Gelegenheithaben werden. Doch ist uns nie eine Arbeit die-ser Art von seiner eigenen Hand zu Gesicht gekom-men." Dann: „Als Lehrer empfahl unser Künstlerseinen Schülern- vor Allem, Erwerbung von Fertig-keit des Auges und der Hand. Er hielt es fürAnfänger nützlich, geometrische Figuren zu zeich,nen. Mit denen die schon weiter gekommen wa-ren, ließ er sich selten über höhere Theorien derKunst, oder auf Entwickelungen allgemeiner Grund-sätze, welche den Künstler leiten sollen, ein, son-dern berichtigte in ihren Arbeiten meistens bloßdie begangenen Fehler gegen Anatomie, Verhält-nisse, Charakter des Contours; er blieb auf dieseWeise gewöhnlich innerhalb den Grenzen des Tech-nischen, und pflegte verschiedentlich zu äusser», dieErfindung hänge allein von einer gewissen Inspi-ration- einem zarten Gefühl und der Empfindungdes Rechten und Guten ab. Diese Aeusserungvon dem denkendsten Künstler seiner Zeit mag frey-lich über Erwarten schwankend und unbestimmt schei-nen; allein sie ist, in geschichtlicher Hinsicht, be-deutend , indem sie die dunkle Unsicherheit der da-mals allgemein gangbaren Begriffe von dem wich-tigsten Theile der Kunst bestätigt. Weit bündiger,aus den Tiefen bewährter Erfahrungen geschöpft,waren hingegen Mengsens Aussprüche, wenn sieauf das Praktische Bezug halten. Einer vor an-dern geht jetzt noch als allgemeine Kunstregel vonMund zu Munde. Er sagte nämlich: BeymZeichnen soll man immer ans Malen, beymMalen ans Zeichnen denken. In der Thatein großes, wahres Wort. Man wird nun fra-gen , woher es komme, daß der MengsischenSchule wohl nicht ganz ohne Grund der Vorwurfgemacht worden sey, nur wenig geschickte, und kei-nen einzigen sich besonders auszeichnenden Künstlergezogen zu haben, da doch eine solche Lehrme-thode wenigstens dem praktischen Theile der Kunstgünstig zu seyn scheine? Die Antwort ist leicht:Mengs hielt keine eigentliche Schule, wo dieSchüler unter des Meisters Aufsicht zum Theil mitan seinen eigenen Werken arbeiteten, wie solchesin frühern Zeiten gebräuchlich war; sondern wersich seinen Schüler nannte, hatte freyen Zutrittbey ihm, um seine Arbeit vorzuweisen, woran erdann, auf obenerwähnte Weise, die Fehler zeigteund verbesserte. Wie redlich aber auch Meng-sens Achsichte» bey Ertheilung feines Unterrichtsseyn mochten, so wurde die mögliche Wirkungdavon durch seine allzustrengen Forderungen anGeschick und Kunstfertigkeit der Schüler wiedergehemmt, ja meistens gar aufgehoben. Vermuthlichrührte diese Strenge theils von seiner Erziehung,theils von dem hohen Begriff her, den er vonder Vollkommenheit der Kunst in Hinsicht auf For-men gefaßt hatte. Ernste strebende Naturen vcr»zweifelten, daß sie die unendlichen SchwierigkeitenO 0 0 0 0