Band 
Zweyter Theil [2].
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84 o Merian.

staaten, und unterstützt von denselben) den Entschluß/selbst eine Reise nach Surinain zu wagen. In 1698.schiffte sie sich mit einer ihrer Töchter (Dororh.Mar,garerb.Henrica)dah!n ein/ und brachte daselbst zweyJahre zu / alle dortigen Insekten zu sammeln, und,nebst den ihnen zur Nahrung dienenden Pflanze» undFrüchten, nach dem Leben zu malen. Erst im Herbste

1701. kam sie wieder nach Amsterdam zurück, undüberreichte dem dortigen Magistrate einen Theil ih-rer mitgebrachten Naturschätze. Diese Reise brachtenun das vortrefliche Werk zu Stand, welches sie(4msteloü. 1705.) auf 60. Kupfertafeln in Regal-fol. mit Anmerkungen in deutscher, französischer,lateinischer und holländischer Sprache herausgab,die der berühmte Easp. Eonielin aus ihren Pa-pieren gezogen und in Ordnung gebracht hatte.Der ganze Titul dieses Werkes ist: Metamorpho-se insectorum 8urinamensinm, in gua erucreso verme^urinamenses cum omnibus sui8 trans-kormationibus so vivum clelileantur et äescri-buntur, singulis eorum in plsntss, üores ettructes collocatis, in guibus reperta nunt, tumetiam ^eneratio ransrum, hukonum, Isceria-rum rsriorum. serpentum, arsnesrum et formi-carum exkibentium, omoia vivum ostursliinaxnitulline picts atgue äescripts per 8.

etc. Die Originalzeichnungen auf 102 Per-gament-Blattern, von ihr selbst gemalt, besaß ehe-mals H. Da». Marsbag in Amsterdam ; nach des-sen Tod wurden dieselben auf einer Versteigerungmit 750. fl. bezahlt. Anfänglich kostete dieses Werknicht über i 5 . fl. Auch mehrere von ihr selbst,mit der ihr natürlichen Leichtigkeit, nicht so fastilluminirte als ausgemalte, wurden nicht höher alsmit 45 . fl. bezahlt (jetzt die gewöhnlichen um 18Rchthl.). Dabey bediente sie sich eines sonderba-ren Handgriffes. Sie nahm nämlich nicht den Ab-druck der Platte selbst zum Jlluminiren, sondern legtediesen, wie er erst von der Preße kam, und nochfeucht war, unter einen andern angefeuchteten Bo-gen, und erhielt so einen etwas matten Gegen-druck, der dadurch zur Illumination nur um so vielgeschickter war. Um dieses vortrefliche Werk nochvollständiger zu machen, übertrug sie eine zweyteReise, welche Alter und Schwachheit ihr selbst nichtmehr vergönnen wollten, ihrer ältesten Tochter Jo-hann Helena (geb. 1H68 ). Dieselbe war an ei-nen nach Surinam handelnden Kaufmann JohannHerold verheirathet. Mit diesem ging sie bereits

1702. wirklich dahin, und sandte dann nach eini-gen Jahren ihre neuen Entdeckungen nach Hause,welche nun ihre Mutter, als einen Anhang des grös-ser« Werkes ans Licht stellen wollte. Allein siestarb vor der Ausführung ihres Vorhabens, dasindessen späterhin von ihrer jünger» Tochter, dererwähnten Dorothea Maria Henrica (geb. 1678.),welche ebenfalls Blumen und Insekten malte, be-werkstelligt wurde. Französisch erschienen (wohlihre beyden Jusektenwerke) in zwey Foliobänden zuAmsterdam 17Z0. unter dem Titel: ttistoire ciesInsectes ä'biurope et se 8urmam. Wer sich ei-nen vollkommenen Begriff von den ausgebreitetenKenntnissen und dem Genie der Maria Sybilla erwerben will, kann solchen theils in den holländi-schen, theils in einigen Frankfurther-Kabineten (wiez. B. in dem Gerningischen) hauptsächlich aber indem Brittischen Museum zu London , wo sich vonihr zwey Foliobande mit Zeichnungen surinamischerGewächse und Blumen befinden, deren jeder (S.Bioernsiahl V. 626.) 5 oo. Guineen gekostet habensoll, oder endlich in St. Petersburg erlangen, wo,wenn wir anders BernouiUi (Reisen V. io 5 .)glauben dürfen, bey der dortig» n Akademie derWissenschaften vollends 910 Bande von ihr auf-bewahrt werden. Alle ihre Arbeit war auf Velingemalt. Mehrere oder mindere von diesen sah'dort auch I'Evesque, der ihrer mit verdiemtemRuhm gedenkt. Eine besondre Seltenheit, nämlichein Oelgemäld auf Holz von ihrer Hand, welchesein Körbchen mit Blumen auf einem Tisch vorstellt,besitzt die Kais. Königl. Gallerie zu Wien . Dannsoll sie auch im Seidensticken sehr geschickt gewe-

Merlan.

sen seyn, und, neben Anderm, das Geheimniß be-sessen haben, auf Leinwand und Seidenzeug so voll-kommen und dauerhaft zu malen, daß ihre Kunstselbst beym Waschen nicht das geringste von ihrerVollkommenheit verlor. Nach Füßlt I. 161. sollsie so für einen großen General ein ganzes Gezeltverarbeitet haben. Auch stickte sie ihre Blumen, Vögelund Insekten eben so kunstreich als sie mit dem Pin-sel malte; und, um ihrem Geschlechte hierin zu die-ne», gab sie frühe einenka8ciculu8 klorum i»ivo. Bl welcher auch späterhin, unter dem deut-schen Titul: vermehrtes Blumenbuch, dochsicher nicht, wie es bey Bougine V. 35 Z. heißt,in i6gr (also sechs Jahre vor ihrer Geburth) er-schienen war. Ohne Zweifel ist dies dasselbe Werk,welches in 1776. fol. Frankfurth, unter dem Titul:

^ntholoßls Merlans, contmens n5. plantarumllorum etc. tabuls8 (Pr. 6. Th>) neuerdings auf-gelegt wurde, und aber nicht viel bedeuten soll.Rost l 261 86. und Hüsgen N. A. 2637Z.wo von ihr, gleich Anfangs, folgende Silhouettegegeben wird: «Unsre Merlan erhielt von derNatur weder Schönheit noch sonderliche Reize,aber desto größere Talente zur Kunst, die sie derBewunderung der Nachwelt würdiger machten,als das kleine Verdienst, ei» schönes Gesicht gehabtzu haben. Dabey ist sie eine sehr höfliche manier-liche Frau gewesen; wie dieses H. von Uffenbachbezeuget, der sie persönlich gekannt hat. Ihre ob-genanuten Töchter erscheinen auch im Lex. kurz un-ter dem Art. ihres Vaters Joh. Andr Grafen;die Dorothea Maria Henrica noch besonders ingegenwärtigen Zusätzen 8. v. Graf. Ihre Mutterließ sie in mannigfaltigen Kenntnissen man sagtsogar in der hebräischen Sprache unterrichten.Ihre bey Georg Gesell erzeugte Tochter SalomöAblgail heurathete zu St. Petersburg deu berühm-ten Mathematiker Euler . Von der Johanna Ma-ria, vermählte Herold, ist noch nachzuholen, daßsie in Amsterdam verstorben seyn soll, wo die Pro-fessoren Burmaun, Vater und Sohn, 70. gezeich-nete und illuminirte Gewächse von ihr besaßen, diesie in 1720. verfertigt, und welche damals 4oo.fi. geko-stet halten. Hüsgen S. 27Z74.

* (Matthäus), der ältere. Sein Va-ter , Q?alrher Merlan, Mitglied des Raths zu Ba-sel , ein edler seltner Mann, übernahm selbst dieSorge, seinen Sohn zu erziehen, den er dann auchzu einem der würdigsten und tugendhaftesten Män-ner seines Zeitalters bildete. Da er die außeror-dentliche Neigung des Matthäus zum Zeichnen be-merkte, so sandte er ihn (16. Jahr alt) nach Zürich zu Dietrich Meyer, der besonders auch im Radireneinige neue Entdeckungen gemacht hatte. Den Un-terricht desselben benutzte der Jüngling so gut, daßer nach vier Jahren sich schon als Künstler auszeich-nete, und nach Nancy berufen ward, um den Lei-chenpomp des eben verstorbenen Herzog Heinrich H.von Lothringen , nach Erfindung Cl. de la Ruclle,in einem Blatt zu liefern, welches ihm viel Ehremachte. Hierauf ging er nach Paris , wo er seineneuen Handgriffe im Aetzen mit glücklichem Erfolganwandte, und bort besonders mit Callot in einefür beyde sehr nützliche Bekanntschaft kam Ihrerverschiedenen Gemüthsart ungeachtet (der Lothrin-ger war lebhaft und hitzig, der Schweizer sanft undnachgebend) wurden sie bald Freunde, theilten ein-ander ihre Arbeiten und Entdeckungen mit; unddiese Mittheilung bewirkte (wie Füßli scharfsinnigbemerkt) die Mannichfaltigkeit und große Anzahlder Blätter, welche beyde geliefert haben. Nach-dem er einige Jahre mit Vortheil in Paris verlebthatte, ging er wieder nach Basel , um von da eineReise nach Italien zu unternehmen, die er bereitsantrat, als er in Chur , einer ansteckenden Krank-heit wegen, den Paß gesperrt fand. Man muß bey^üßli nachlesen, wie es dann kommen mußte,daß er Welsch land nie zu sehen und dafür an derTochter Theodor de Bry's zu Oppenheim eine sehrschöne Frau bekam. Dort half er eine Weile seünein Schwiegervater in dessen großen Unternchs