Band 
Zweyter Theil [2].
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841
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M e r i a li.

Meriatt. 54l

mungen, und führte dann seine Frau nach Basel .Hier war es, wo er die schönsten Gegenden umHeidelberg , Stuttgardt und Schwalbach, so ge-treu nach der Natur gezeichnet, und so angenehmin Kupfer gebracht hac, daß ihre Durchblatterungbeynahe den Genuß der wirklichen Wanderungdurch dieselben gewährt; daß er hienachst eine MengeBlatter von Jagden u. a. nach Tempesia gab, dener in der Schönheit der Nadel weit übertraf, u. s. f.Alle dieses wurde begierig aufgekauft, und selbstvon den beßten Kennern hochgeschätzt. Endlichgab er denn doch dem beständigen Anhalten seinesSchwiegervaters Gehör, desselben Buchhandel zuübernehmen, und sich zu dem End in Frankfurt !)am Main niederzulassen. Dort traten nun allmärlig jene großen Werke ans Licht, die seinen Ruhmfesigründeten, unter welchen seine Topographie,die ersten Theile des Theatri Europäi, seine Blät-ter zu Gottfrieds vier Monarchien, sein größeresBibelwerk und sein Todtentanz zu den vorzüglich-sten gehören. Nach Andern kennt man von ihmB. (vielleicht seine früheste öffentliche Arbeit)ovse qusstlsni ac pagsnse regiunculec circa^ciclulas Liwalbacenses clelineatse per

(A.Mirou) 1620. (26. Bl. Ou. Oct.);bann andre einzelne nach I. Bol, P. Drill, N.Lastmann, Roos, u. s. f. 8ckerxi ä'-^mors (12.Bl.) nach O. Fialetti u. a. Uebrigens sind dieMeinungen über die Verdienste dieses unermüdetenKünstlers sehr verschieden Wahre Kenner werdenimmer die verständige Manier bewundern, welchein allen seinen Blättern herrschend ist; eben so seinevortrefliche Haltung in Licht und Schatten, feinegute Kenntniß der Perspektive, u. s. f Er war(wie Hüsgen richtig bemerkt) in Deutschland dererste, der im Landschaftstechen die Harte vermied,und einen markigten, warmen und anziehenden Ver-trag hatte. Man halte die Sadelec u. a. frühereMeister gegen ihn, und man wird dieses Urtheilsehr begründet finden. Die Weise, wie er die Mit-tel-und Hintergründe seiner Städte-Ansichten mitwahrer Darstellung des umliegenden Landes, oftbis an Meilen weit entfernte Horizonte, eben soangenehm als belehrend zu bereichern wußte, war(in solchem Maaße wenigstens) ihm ganz eigen,ist in der Folge, freylich oft schlecht genug nach-geahmt, aber, wie alles wahrhaft Gute, auch inneuern Tagen, von wackern Künstlern, aufs Neuemit Glück versucht worden. Seine Topographieder Schweiz z. B- stellt eine Menge Ansichten die-ses merkwürdigen Landes ungleich getreuer, als dieberufenen lablsaux pittorssgues <le Is 8u>88e,u. a. solche glänzende Pfuscherwerke dar. Diewahre Alpennakur indessen (die ihm aber nur in ge-wisser Entfernung zu Gesicht kam) darf man auchbey ihm noch nicht suchen. Dann im Geschicht-lichen eben so wenig den Geschmack der ältern bes-sern Schulen, aber denn auch dafür weit minder,als bey den meisten seiner Zeitgenossen, jenen ver-zerrten , den sie in Welschland von den Zucchari,in den Niederlanden von so Vielen entlehnten, undoft noch selbst damit wucherten. Auch SalomoGeßner, in seinem bekannten Schreiben über dieLandschaftsmalerei bemerkt: „Merlans Werke,denen man zu wenig Gerechtigkeit wiederfahrenlaßt, enthalten Sachen, die oft mit der beßtenWahl aus der Natur genommen, und nur durchdie zu fade Manier in der Ausübung verdorbensind. Man schaffe seine Bäume und Gründe nachder Weise eines Waterlvo um, und gebe seinenFelsen und Allem mehr Mannichfaltigkeit" (wasdenn freylich so gut als Alles wäre!) „so werdengewiß Sachen entstehen, die dem größesten GenieEhre machen würden, und wovon doch die ganzeAnlage in Merlan liegt". Unsers Wissens der

einzige (Fanden««», der übrigens unsern Merranin mehrern Stücken dem Tempesta vorzieht, glaubt(vielleicht nicht ganz ohne Grund), daß seine Schat-ten, da wo sie an die Lichter gränze», sich besserverlieren sollten, wie solches, schon vor ihm SimonFkisius, mit seiner zarten Radiernadel zu thun, sogut verstanden hätte. Was aber dann ferner demRuf dieses Künstlers bey der, immer mehr nachdem Neue» und Abwechselnden haschenden Nach-welt schadete, war (0 der Schande!) eben seinFleiß. Hatte er weniger gearbeitet, und fände sichnicht seine Nadel und sein Grabstichel in denmeisten großen Werken seinen Zeit, seine Blätterwürden zuverläßig noch heut zu Tage mehr gesuchtseyn. Und glücklich schätzen wir immerhin denje-nigen, der von seinen Landschaftsblättern, seinerBibel die ersten Abdrücke, von der GottfriedschenChronick die frühere Ausgabe in Quarto u. s. f.besitzet, und — nicht bereits seinen Kindern zumVerderben überlassen hat. Daß hier von Merlanseigner Arbeit, nicht von so Vielem, das überhauptunter seinem Namen von seinen Gehülfen erschie-nen war, die Rede sey, versteht sich von selbst.Die beßte Litteratur aller Werke von ihm sowohlals von seinen beyden nachfolgenden Söhnen,findet sich bey Hüsgen N. A 170 — 89. Wirunsers Orts würden den beyden, zusammen andie iho. Bl. starken Sammlungen: fte-

gionum aliguot amcLnigsimaruni cielinentionesex naturali locorurn po8>ru stesumptss etc.1V24. und 1626. aus d'Aubry's Verlage, baldvor allem Andern den Vorzug geben. Einen be-sondern Werth scheint (Fandet!«!« seinen (unsunbekannten) 60. Figuren zu Eberhard Baisersl'kegaurus politicuü zu geben. Als ein großesschönes einzelnes historisches Blatt von ihm, inCallot's Geschmack (doch im Vorgrund mit Figu-ren von 2" Höhe) nennt dann der LOinklerscheKatalog: Die Feyerlichkeiten zu Regensburg beyGrundlegung der dortigen Evangel. Kirche (1627.)nach I P. Schweuter's Erfindung. Ob ein Oel-gcmälde, welches in dem Derzeichniß der Kais. Kön.Bildergallcrie zu Wien (G. 280.) für sein Werkgegeben wird, solches wirklich sey, scheint wenig-stens ungewiß zu seyn Dieser trcfliche Mann —ein Muster deutschen Fleisses, mit Verstand undRechtschaffenheik vereint, und daher geehrt und ge-liebt von, Alter und der Jugend, hatte sein größ-tes Vergnügen an der Arbeit, und kannte im Grundkein andres, als dieses. Erst gegen das End sei-nes Lebens wurde er schwächlich. Noch wollte ecden Versuch machen, in den Bädern zu Schwal-bach seine Gesundheit wiederherzustellen, fand aber(, 65 o. nicht 5 i. wie das Lex. sagt ") an eben demOrt seine letzte Stunde, welche in seiner Jugendihn durch mannigfaltige rührende Naturschönheiten,zuerst für die Kunst begeistert halten. Sein Leich-nam wurde nach Frankfurth gebracht, und aufdem dortigen St. Peters-Kirchkofe bestattet. Im-merwährende Ehre sey seiner Asche!

*-(Matthäus), der Jüngere, des ältern

Matthäus älterer Sohn, empfing von seinem Va-ter eine »„gemein gute, liberale Erziehung. Joachimvon Sandrarl nahm ihn zu seinem Schüler an,und gewann ihn wegen seiner natürlichen Anmutheben so wohl als wegen seiner trcflichen Talente,bald sehr lieb. Doch eben diese glückliche Bekannt-schaft hätte ihm beynahe das Leben gekostet. Als ereines Abends in Geschäften seines Lehrherrn überLand ging, fiel er unter eine Rotte räubrischer Dau-ern, die ihm bereits den Strick um den Hals ge-worfen, und entrann noch kaum dem Tode. Baldhernach nahm Sandrarl ihn mir sich nach Holland .Hierauf ging er für sich selbst weiter nach Eng-

*) Dieses erhellt aus einer damaligen (seltenen) Denkschrift: HIeinoria Merianse», sive KpiceNia In pr^matu-rum et luctuo8um ovittim viri egrexii 8t iirtillm celebritsle li<»iii»8ti88in>i Ovmini 7>/e„n,,i civ>8

krancoturto- äloeiisni, kibliopulse sü Lseiatotlx ingsiiilinin^imi : (jui c»r»i«ilse vs>et«lliiii8 erxo »ä sci-äul»3 Ziislbscu - Latti H)e>b»cr»e-l8 prosectus , uuimain iki ly. j»„i Oe» Lrestori »c Lkrrswri 8lio reä-äiäit: cuju8 corpux kUsiicosiirruin revectuin, rr. eju8<l8in, /(nno HIOLI. sä l). ?etri tumiUstum 88t,»cripta ab kmicin. brsiicof. cura er impenciio. XVolkx. hlosmanni 4 >o. Auf der Kehrseite sieht sein Bildniß,ohne Künstlerbczeichnung (wahrscheinlich pv» seinem Sohne Caspar), mit"der Unterschrift:

Lenivr Lidliovala et lnronorr»r>l>u8.

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