Band 
Zweyter Theil [2].
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842
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842 Merian.

land (damals ig. I. alt)/ Frankreich und Italien und machte überall die Bekanntschaft mit den erstenKunstlichtern seiner Zeit: In England mit van Dyck,den er sich vorzüglich zum Muster nahm; in denNiederlanden mir Rubens (kurz vor dessen Todt)und Jordaens; in Paris mit Vouet und le Sueur;in Rom mit Sacchi und Maratti. Unter des er-stem Aufsicht studirte er dort nach den alten Mei-stern; mit dem letztem stiftete er die vertraulichsteFreundschaft/ und kehrte nun in sein Vaterlandzurück; wo er bald/ wegen seiner Kunst/ Gelehrslehrsamkeit, höflichen Sitten und Kunde vielerSprachen, von Hohen und Niedern (wie man zureden pflegt) allgemein geschätzt und geliebt wurde.Nürnberg war in Deutschland der Ort, wo er sichbey der in i 65 o. bort gehaltenen Friedcnsfeyerdurch eine Menge Bildnisse der Kaiserlichen, Fran-zösischen und Schwedischen Offiziere, zuerst be-kannt machte, allgemeinen Beyfall erhielt, undfürstlich bezahlt wnrde ( 5 ooo. Thl. an Werth soller nur an Geschenken erhalten haben). Auf An-halten seines kränklichen Vaters ging er alsdannnach Frankfurth, übernahm, nach dessen darauferfolgtem Tode, desselben Kunsthandel, undverhey-rathete sich in 1622. mit Antoinette MargarethaBarthels, einer Person von ausnehmender Schön-heit und Tugend. Ungefähr um diese Zeit malteer eine Marter von St. Laurentius für den großenAltar deS DohmS zu Bamberg . Mittlerweile be-sorgte er unermüdet seinen blühenden Kunsihandel,den er besonders durch die Fortsetzung des vonseinem Vater angefangenen Ichsatrl Lump^i beyKönigen und Fürsten in Achtung zu bringen wußte.Leopold l. Kaiferkrönung zu .Frankfurts ) (r 658 )war für ihn eine Goldgrube. Bald nach derselbenwurde er nach Wien berufen, wo er diesen Monar-chen in ganzer Statur zu Pferde, mit vielen alle-gorischen Figuren schildern mußte. Christian Lud-wig, Herzog zu Zell, nebst dem herzoglichen HauseBrannschweig -Lüneburg, überhäuften ihn mit Gna-den und Geschenken, die bald in schönen Pferden,die er sehr liebte, bald in kostbaren Schaumünzen,bald in irgend einer Natur- oder Kunstscltcnheitbestanden. die seiner Wissensbegierde und — baldmöchten wir vermuthen, ein wenig auch seiner Ei-telkeit schmeichelten. Der Kurfürst zu Brandenburg ,Friedrich Wilhelm der Große, hatte so viel Ach-tung für ihn, daß er ihn zu seinem Agenten undRath bestellte, und mehrmals in seinem Haus zuFrankfurlh ihn besuchte. Auch die Markgrafenvon Baden und Durlach beriefen ihn an ihre Höfe,und letztrer schuf ebenfalls einen Hofrath aus ihm.Don historischen Bildern führt, neben dem schonerwähnten Altarblatte zu Bamberg , Füßli I. 227.namentlich von ihm an: Eine Artemisia, welchedie Asche ihres Gemahls unter ihren Trank mischt.Er selbst soll es für eine seiner bcßtcn Arbeitengehalten, und den Liebhabern mit besonder,» Ver-gnügen vorgewiesen haben. Seine Bildnisse dannwaren meist in einem großen Styl, von festerZeichnung, und starker aber wohl geschmelzer Fär-bung; freylich nicht alle mit gleichem Bedacht undFleiß ausgeführt, so daß er (wie so viele Andre,die stark gesucht werden) zum Nachtheil seines Ruh-mes auch manches Mittelmäßige hinterließ. Zu demVorzüglichsten dürfte wohl sein historirtes eigenesFamilienstück (Kniebilder in Lebensgröße) gehören,welches in 1777. bey einer Versteigerung zu Frank-furt!) , um i 5 o. fl. an einen H. Burkard in Basel gelangte. In Zürich befinden sich von ihm zweysehr schöne: Des altern Generals Wertmiller, wahr-scheinlich noch jetzt bey einem Nachkommen dessel-ben, und vornehmlich ein Kniestück des in 1671.enthaupteten Graf Peters Serini, mit historischenUmständen, im Besitze des Chorherrn F. Nüsche-ler. Merian selbst besaß eine trefliche Samm-lung von Gemälden und Handzeichnungen. EineLucretia von Guido in derselben wurde für einesder ersten Bilder dieses großen Meisters gehalten.In den letzten Jahren seines Lebens wurde er hef-tig von dem Podagra geplagt, und dadurch oftan seinen beßten Kunstoorhaden gehindert. End-

Merigi.

lich unterlag er diesem Uebel 1687. Er war einMitglied des sogenannten Elbischen Schwanenorsdens, unter dem Namen Arnsander. Der bekannte >deutsche Poelaster, Joh. Riß, hat in seiner soge-genannten: Alleredelsten Belustigung Bunst-und Tugend - liebender Gemüther an ihn eine >herzbrechende Lobrede der edeln Gchilderkunst ^gerichtet. Uebrigens heißt es bann freylich in desH. Männlich Beschreibung der Gallerien zu Mün-chen und Schleißheim I. S. 28Z— 84. bey Anlaßvon unsers Künstlers Studien in Rom : „ Nach denvortreflichen Lehren (und Beyspielen) aller diesergroßen Meister" (es ist von Raphael, CarracciundGuido die Rede), „hätte Merian sie oder ihreSchüler erreichen sollen; allein es geschah nicht,weil er die Meister, und nicht, wie sie, die Naturzu erreichen suchte, und mit Unterwürfigkeit, gleich-sam in beständigem Knabenalter, ihnen nur vonWeitem, mechanisch folgte", u. s. f. Nach demWUnklerschen Gantkatalog hätte auch er in Ku- !pfer geatzt, und werden dort von ihm genannt:

Ein Bildniß des Kunstliebhabers G- Gutthäters, jund eine sterbende Cleopatra, ein schönes Blatt, !das Fleisch punktirt, beyde ausdrücklich, ohneweitere Namen, mit ch?. ^er-rarr/rm/o»- f. bezeich-net. Gestochen nach ihm haben (doch unsers Wis-sens bloß Bildnisse) vornehmlich B. und Ph. dieKiliane: Eines (Ferdinand Talieutscher, von derMinerva gekrönt) von Carl van Till geätzt, nenntder Catalog von Brandes ein seltenes (aberwahrlich nicht schönes) Blatt. — Von seinemst'hc-atrulu LuroyLum heißt es bey Hüsgen:„Die schönen Platten desselben haben leider 5 dasnämliche Schicksal gehabt, wie diejenigen derTopographie seines Vaters. Die Juden verkauf-ten noch zuletzt die Abdrücke von beyden für Ma-kulatur. Eben so nagte der Unverstand an seinem1682. verfertigten schönen Grundriß von untermFraukfurrh, der aus vier großen Platten besteht,und brachte Veränderungen neuerer Zeit von elen-den Handen hinein, die theils Mitleiden erwecken,theils lächerlich sind, so daß es jetzt weder das äl-tere noch das neuere Frankfurts ) vorstellt, sondernein Zwitter ohne allen Gebrauch ist Füßlin l.sitz-2g. — Hüsgen N- A. E—70.

* Merrgl, Morl'gi, auch Amerighl (MichelAngelus) genannt da Tarravaggio. Er war ei-nes Maurers Sohn, und in seiner Jugend mußteer den Freekomalern den Mörtel zutragen; indes-sen erwckte eben diese Gewohnheit, mit Künstlernumzugehen, die Lust zur Kunst in ihm. Er kamohne Geld nach Rom , und sah sich genöthigt,zu Joseph von Arpino zu gehn, welcher ihn Blu-men und Früchte malen ließ. Dieser Arbeit über-drüßig, verließ er solche bald. Alsdann verfer-tigte er sein Bild: Die Spieler. Dies gefiel demKardinal del Monte, der es ihm abkaufte, undihm Gelegenheit gab, sich öffentlich zu zeigen. —Von ihm urtheilt Lanzi l. 484—86. s. v. Ame-righi wie folgt: „Derselbe war besonders in derBeziehung merkwürdig, daß er die Kunst seinerZeit, von der Manier wieder zur Natur in Formund Colorit zurückleitete, dem Zinober und AzurAbschied gab, und seine Farben aus den wenigenaber wahren Tinten des Giorgione zusammensetzte.Auch sagte H. Carracci zu seinem Lob: Daß er aufseiner Palette Fleisch reibe; und auch Guercino und Guido nahmen diesfalls ihn zum Vorbilde,Nachdem er zu Mailand nur ganz kurze Zeit inder Kunst den Grund geleget hatte, ging er nachVenedig , um dort den Barbarella zu studiren, und ,lernte, wie schon gesagt, von diesem großen Mci- !sier jenes gemäßigte Licht und Schattenspiel, daßman noch in einigen seiner frühern (am meistengeschätzten) Arbeiten erkennen kann. Bald aber rißihn sein stürmisches schwarzes Naturell dahin, alleGegenstände bloß aufs Sparsamste zu beleuchten,und dagegen alle Schattenpartien zu carricatur.ren,so daß seine Figuren in Kerker gesperrt scheinen, Idie nur von oben ein wenig Licht erhalten. (Andre