Band 
Zweyter Theil [2].
Seite
860
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g6o Meyer.

Beobachtung der Natur und der Eigenthümlich-keiten der Thiere ist in seinen 5 «. neuen Fabelnsichtbar, welche in verschiedenen Auflagen mit undohne Kupfer (diese von Düringcr geistreich geätzt)erschienen. Die Originalität nnd Laune, welchedarin vorherrschend ist, zogen ihm den Beyfall Bod-mers, Breitingcrs nnd anderer damaligen Gelehr-ten zu, mit denen er, so wie beynahe mit allenvorzüglichen Männern seines Vaterlandes, in freund-schaftlicher Verbindung, zum Theil auch im Brief-wechsel stand. Früher Wittwerstand, Landleben,die öftern Jurisdictionsstreitigkeiten, in welche ihneine mit ungewöhnlichen Vorrechten versehene herr-schaftliche Besitzung, verbunden mit einem Charak-ter, dem Schmiegen und Nachgeben fremde war,verwickelte, gaben seinem Geist allmäblig eine eigen-thümliche Richtung. Zeitgeist, kleinlichte Politik,insbesondere alles Puissanciren, waren die Gegen-stände, an denen sich seine Feder, in zahlreichen,hingeworfenen, selten vollendeten Aufsätzen übte.Nicht ohne Verdienst beym Milizdienste seines Va-terlandes, in welchem er Stellen bekleidete, konnteer sich mit der Einführung einer vollständigen Uni-form unter dem Landvolke und einer zusammen-gesetztem Taktik nie versöhnen. Mit der Geistlich-keit beyder Confeffionen, die ihn zunächst umgab,war er oft in kleine Fehden verwickelt, die abernicht sowohl von Hetrodoxie als vom Hange zumMysticismus, der sich in seinen spätern Jahrenvermehrte, und von Verglcichung der Ueberliefe-rungen der ersten Kirche mit ihren gegenwärtigenäussern Verhältnissen ausgieng; gleichwohl stand ermit mehren aufgeklärten Geistlichen in freundschaft-licher Verbindung. Diese Stimmung gab zu man-cher Carrikatur und mancher Darstellung satyri-scher Ideen in Versen, Bildern, sogar in Hand-lungen und Kleidung den Anlaß. Zu seinen eigen-thümlichen Meinungen gehörte auch, daß er, zwarweit entfernt irgend ein Verdienst zu beneidenoder zu verkennen, dem sorgsamen Aufspüren undAufmuntern jedes Talentes gar nicht gut war.Wer was Rechtes werden will" (sagte er)wirdes von selbst werden." Diesen Satz befolgte ersogar als Erzichungsmaxime bey seinen Kindern;allein dieselbe glückte ihm nicht bey Allen. Nochbey vollkommenen Verstandeskräften trat er dieVerwaltung seiner Herrschaft, ganz aus eigenemTriebe, dem einzigen, ihn überlebenden Sohne ab.-Als dieser die Huldigung einnahm, wohnte erderselben mitten unter dem Haufen der Angehöri-gen bey. Selten verlor er über irgend etwas,das er thun wollte, ein Wort, bis im Augenblickeder Ausführung. Am Ende seines Lebens verließihn Gedächtniß und Besonnenheit beynahe ganz.Er starb den öo. October

Meyer (Peter Eduard), ein Herzoglich-Go-thaischer Hof-Goldarbeiter, der in dieser Eigen-schaft von ry/jrr/ 65 . in dem dortigen Adreß-kalender erscheint.

(P.), s. Peter Müller, sowohl imLey. als in den gegenwärtigen Zusätzen.

* (Rudolf), des unten folgenden Theo-dors ältester Sohn. Sein Vater ließ es an nichtsfehlen, ihm eine gute Kunsterziehung zu geben,und fand an ihm einen sehr lernbegierigen Schü-ler, über dessen frühe Fähigkeiten jedermann er-staunte, so wie hingegen seine immer schwächlicheGesundheit eben so frühe Sorgen erweckte. Diesebehinderten es, ihn nach Italien zu schicken. Ergieng also nach Augsburg und Nürnberg , undendlich nach Frankfurt , zu dem Freund seines Va-ters, Matthäus Merian ; diesem half er bey sei-nen vielen Geschäften getreulich, ätzte für ihn eineMenge Bildnisse, und 16Z0. die du. Sinnbildervon Daniel Tramer. Nach seiner Rückkehr insVaterland arbeitete er nur allzu unermüdet. AlleVorstellungen seiner Freunde, und selbst seines Va-ters , vermochten nichts über ihn: »Kunst und Arbeit"(antwortete der edle Mann)sind mein einzigesVergnügen; und da ich kein anderes kenne, so

Meyer.

will ich arbeitend sterben"; was nur zu balderfolgte. In einem Condolenzschrciben Merlansan seinen Vater bedauert derselbedie vor-trefliche und edle Hand, die der Selige im Ma-len, Reisten und Gradiren gehabt, und womit ersich einen unvergeßlichen Namen erworben"; undFkißll fand in mehrern seiner nachgelaßnen Ar-beiten bald alle Anlagen eines la Fage, die ge-lehrten Kenntnisse ausgenommen, die er sich nicht,wie jener, erwerben konnte. Auch soll er Bild-nisse mit vielem Verstand und starker Farbe, inRembrandtschem Geschmack gemalt haben. Erstarb verheurathet, doch ohne Kinder, nicht bloßim Ruf eines verdienten Künstlers, sondern aucheines biedern und tugendhaften Mannes. Füßll1. 18287. Ein Verzeichnis; meines sel. Vatersführt, nebst dem bereits im Lex. bemerkten, undeinigen Bildnissen, von ihm an: Soldaren-Büchll(16. Bl.); Berrelranze , Räubereyen u. s. f.(18.Bl ); B'ndersplele: IVlomentomvri ( 5 . Bl.);dann Verschiedenes mit seinem Bruder Tonrad ge-meinschaftlich Gearbeitetes. An der Erfindungund den Zeichnungen des Todtentanzes, der inder That (man kennt ihn nicht genug) vortrcflichist, halte er wahrscheinlich den meisten Antheil;und der darin herrschende Geist und Leben berech-tigte ohne Zweifel zu dem von ihm oben ange-führten Urtheil.

Meyer (Rudolf), geb. zu Aarau 17 einnoch lebender Gchweizerscher Handelsmann, deman wahrhaft nützlicher Industrie, so wie an demedelsten Gemeinsinn, in solchem Maaße Wenigeseines Berufes gleichen. Derselbe entwarf nachArt des Pfyffcrschen Modells eine Vorstellung derBerncrschen Schneegebirge, welche an Genauig-keit noch sein Vorbild überkrift, und auf der Stadt-Bibliothek in Bern zu sehen ist. Dann war esebenfalls dieser verdienstvolle Mann, der zuerstdas Unternehmen wagte, eine trigonometrisch auf-genommene, und stereographisch dargestellte allge-meine Schweizerkarte zu geben, und solche durchden gegenwärtig Französische» Ingenieur-Geogra-phen, I. H. Weiß von Straßburg , auf 17. vonEichler, Scheurmann und Guering, trcflich ge-stochnen Regalfolio-Blätter (deren letztes die zusam-mengezogene Generalkarle enthält) im Ganzen sehrglücklich ausführen ließ, wenn dieselbe gleich inden Theilen noch manche Verbesserung wünschenläßt, und derer (in den Ebenen des Landes fastnoch mehr als in dem Gebürge) ungemcin be-dürftig ist.

(Simon Peter), geb. 17Z0. und gest.178^. zu Hamburg , Stadtmedailleur daselbst, undThürmer an der dortigen Jacobi-Kirche; ein Künst-ler, der sich in verschiedenen Fachen erfindungs-reich zeigte. So z B- in Vervollkommnung einesMechanismus der Trompete, wodurch man auchdie halben Töne herausbrachte; dann in einemeinfachen und schön gearbeiteten Uhrwerk, wo-durch ein von ihm selbst verfertigtes Planetariumin eine wenigstens zweystündige Bewegung gesetzt,und so der periodische Umlauf der obern und un-tern Planeten der Theorie vollkommen gemäß vor-gestellt wurde; bey welcher letztern Arbeit ihm seineBruderstochter, die oben angeführte A- M. G>Meyer behülflich war. Hamb. Lünstlernachr.S. 108g.

* (Theodor, d. i. Dietrich), geb. 1672.zu Eglisau im K. Zürch, wo sein Vater, seinesBerufs ein Hafner, damals die Landvogtey be-kleidete. Da er frühe einen unüberwindlichen Hangzum Zeichnen äusserte, wurde er zum Glasmalenbestimmt; aus eigenem Trieb machte er späterhinVersuche in Oel , und seine kenntlichen Bildnissewaren sehr beliebt. Was aber seinem forschen-den Geist die meiste Ehre machte, war die Erfin-dung des weichen Etzgrundes, den, wie wir obengesehen, Merlan von ihm gelernt hatte, und dernachwcrts (wie es nicht selten zu geschehen pflegt)den Namen dieses letztern erhielt. Allein der