Band 
Zweyter Theil [2].
Seite
926
JPEG-Download
 

928 Müller.

sanglich für die Theologie bestimmt, führte ihneine unüberwindliche Neigung zur Kunst nachStuttgard, wo sich bald sein entschiedenes Talentfür das Kupferstechen entwickelte, und ihm dieGunst des Herzogs erwarb, der ihn durch einJahrgehalt in den Stand setzte, im I. 1770. nachParis zu gehen, wo er unter Wille's Anführungfast unglaublich schnelle Fortschritte machte. ImJahr 1776. (->, ü. 1779.) ward er bereits zumMitglied der franz. Malerakademie aufgenommen,in dem nämlichen Jahre nach Stuttgart berufen,und als Professor bey der Herzogt. Kunst- Akade-mie angestellt, wo er eine Kupferstecher-Schuleerrichtete, die von da an Unterseiner Leitung stand,und dadurch der deutschen Nation den neuen Ruhmerwarb; Daß gerade zu der Zeit, da die Kunst mitdem Grabstichel zu arbeiten, durch so viele andrezum Theil neu erfundene Gravurarten, ihrem völ-ligen Untergang nahe zu sey» drohete, dieselbenunmehr auf's Neue von verschiedenen deutschenKünstlern mit Erfolg unterstützt ward. Müllerlebte noch im I. 1808. in voller Thätigkeit seinerKunst, und genoß das Glück, einen seiner in jederRücksicht würdigen Sohn gebildet zu haben. SeinCapitalblatt unter den Bildnissen, und ein eigent-liches Meisterwerk seiner Kunst, ist sei» LudwigX Vl.ganze Figur im Königl Ornate, wenn schon das-selbe seither, zumal in Absicht auf rührende Ähn-lichkeit, durch dasjenige von Verwirk noch über-troffen ward. Zu seinen übrigen beßten Bildnissengehören: Das von Wille, nach Grenze: Die vonGalloche, nach Tocquö, und von Lerambert, nachN. S. A. Belle, als seine beyden Receprionsbläk-ter. Von neuern besonders diejenigen berühmterDeutschen für den Frauenholzischen Verlag; dannzu Nürnberg das des Mährischen Bruder-BischofsSpangenberg, nach Graf; von historischen Blat-tern: Das schöne Nachtstück: Loth mit seinen Töch-tern, nach G. Hvnthorst. In 1794. erschien zuLondon sein historisches Hauprblatr nach I. Trum-bull, welches den Angriff auf Bunkershill, daserste Treffen im Amerikanischen Kriege vorstellt,wobey der General Waren sein Leben verlor. Inneuern Tagen (180/,.) gab er für das XXI. Heftdes Musee /ran^ois die Madonna della Sedia,nach du Terkre's Zeichnung vortreflich; und, wie esheißt, eben so schön arbeitete er 1808. noch wirk-lich, für dasselbe Werk, an der H. Cäcilia,nach Zampieri, und an einer H. Jungfrau nachL. Carracci. Bemerkenswerth und bitter genug lasman vor ein Paar Jahren in öffentlichen Blättern:Daß die .frauenholzische Kunsthandlung denPreiß seines Bildnisses von Schiller , von einemLaubthaler auf 3 . fl. 36 . Kr. erhöhete, als einandres Bild des Dichters von Smith ebenfallsfür den erstgedachten Preiß erschienen war, „so-wohl" (hieß es) »um der Arbeit des H. Müllersnur einigermaaßen Gerechtigkeit wiederfahren zulassen, als auch diejenigen, welche nur einen Laub-thaler auszugeben gesonnen sind, der Verlegenheitzu überheben, welches von beyden sie zu wählenhaben." Endlich war er auch fürw-G- BeckersAttgustaum, und desselben Fortsetzung, unter demTitel: Dresdens antike Denkmäler, einer derwichtigsten Mitarbeiter. Rost ll. 288 —290.Conk. Mensel 1 l. u. S. auch MeuselsMisc. XVl. wo sein ^lexsncire Vaingusur ctezoi-wZrne nach Flink beurtheilt wird. Ebendas.XXVIII 2ZZ—07, wo alle feine bis und mit 1786.erschienenen Blätter angezeigt, und einige näherbeschrieben sind. Ebendess. Mus. I. 46 — 48 .Beschreibung seines Bildnisses von Moses Men-delssohn . Ebendas ll. 71-72- wo von seinemBildnisse Ludwig XVI. vorläufige Nachricht er-theilt, und bemerkt wird, daß ihm dafür 06,000.kivr. zugestanden seyen. Ebendas. XII. 688-89.Beschreibung von EpangenbergS Bildniß. Eben-das. XVIII. 427—28. wo nun des vollendetenBildnisses Luvewigs und des angefangenen Blattsnach Trumbull Erwähnung geschieht. Beschreibungund Belobung seines schönen Bildnisses von A.Graf, nach demselben, s. m den Deutsch . Lunstbl.4°. I. An?. S. ti.

Müller.

Müller (Joh. Gottlieb) erscheint, von 1763,an, als Bildhauer zu Leipzig , wo er auch 1765.gestorben ist. Leipz. Adreßkal.

— — (Joh. Gottlob) erscheint in der Schrift:Dresden , zur Rennrniß s. Häuser, um 1798.als dortiger Schreib- und Zeichenmeister.

— — (Joh. Heinrich), Kupferstecher, geb.zu Leipzig 1766. lebte noch dort 1783 stach Land-schaften und Gesch ichte. Schulze Leipz. S. 020.

— — (Joh. Jacob), Kupferstecher und Na-turmaler, geb. zu Hanau 1743. Derselbe war an-fangs für den Geistlichen-Stand, und, da ihmdie Neigung hiezu fehlte, zu dem Handwerke sei-tres Vaters, eines Kupferschmieds, bestimmt.Allein ein besondrer Hang für die Zeichenkunst,den er an seinem Geburtsort nicht einmal befrie-digen konnte, entschied ihn für diese. In 1764.gieng er aufReisen, besah' einen Theil von Deutsch-land, der Schweiz, Frankreich und Italien , und ließkeine Gelegenheit unbenutzt, sein Talent zu üben.Als er in Zükch das erstemal ätzen sah, gefiel ihmdies sowohl, daß er es sofort zu erlernen wünschte,und, da ihm der Anlaß dazu fehlte, es für sichselbst trieb, und es darin weit gebracht hatte. Vonihm kennt man über 200. Blätter. So z B diemeisten zu Bergsträssers Nomenclatur und Be-schreibung der Insekten der Grafschaft Hanau-Münzenberg; das Wühelmsbad; Kupfer zum Ha-nauischen Magazin , und zu Goeze's Naturge-schichte einiger Vögel. Dieser Künstler lebte nochzu Hanau 1789. Mensel ll. Neueres haben wirnichts von ihm vernommen.

— — — — — So heißt auch in

der Schrift: Dresden zur Rennrniß s Häuser,ein Scholar der dortigen Kunstakademie 1798.

* — — (II). Neben dem im Lex. vonihm Bemerkten schreibt ihm ein Verzeichniß mei-nes sel. Vaters noch 20. Blätter, Plane vonSchwedischen Pallästen und Gärten zu.

— — — — ein Landschaftsmaler gleichenNamens, von Riga gebürtig, lernte die Malereybey Klcngel in Dresden . Schon auf der dortigenKunstausstellung von 1801. sah man von ihm ver-schiedene Arbeiten (theils nach eigner Erfindung,theils Kopien nach Wagner und Klengel, in Oel),welche bereits großen Beyfall erhielten; nur daßdaran der allzubraune Ton (seines Meisters) ge-rügt wurde. Deutsch . Runftbl. (8°.) S- 4 »— 4 ».Hierauf gieng er nach der Schweiz , und von dain Italien , von wo er im I. 1804. zurückkam,und sich im Dezember dieses Jahrs zu Stuttgardaufhielt. Dort sah man von ihm eine große tref,liche Landschaft in Oel, welche eine Aussicht amLago di Nemi vorstellte; dann ein von ihm selbstgeistreich geätztes Blakt: Gruppe Pinien in derNahe von Rom , nach einer Naturzeichnung vonihm. Kenner rühmen besonders die schönen Töneseiner Fernen und Mittelgründe, womit er zuoialdie italienische Natur bezaubernd darzustellen wisse.Dem Kaiser Alexander übersandte er eine. Grottedes Neptuns zu Livoli, welche ebenfalls großesLob erhielt. Sein liebenswürdiger biederer Cha-rakter, seine Bescheidenheit, und, neben seinenausgezeichneten Kunstarbeiten, auch sein mei-sterhaftes Guitarrespiel, waren überall eine neueEmpfehlung für ihn. 717 §c. Unbekannt ist es uns ,ob er der nämliche Künstler sey, von welchemim Tüb. Morgenbl. (1807. S. 612.) aus Stutt-gart gemeldet wird, er arbeitete an einer Aussichtvon Bellevüe, als Pendant zu einem Prospektedes Stammschlosses Würtemberg, und werde sol-ches für ermeldtes Blatt selbst in Kupfer ätzen.Doch vermuthen wir es; und eben so, daß er der-selbe ist, welchen ermeldtes Tagblatt (1809. S. 291.bis 92.) Landschaftsmaler in Stuttgart nennt, undvon dem es dort heißt, daß nach oder von ihm(?)zwey Blätter in ltzräters Prachrwerk über dienordische Mythologie geliefert werden, welches