Band 
Zweyter Theil [2].
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928
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9 zo Müller. Müller.

waren. Hauptsächlich aber würdigten ihn die ihm, zum Beweis seiner Gnade um irgend etwassächsischen Fürsien Friedrich und Johann ihrer nie zu bitten. Mit weinenden Augen bat er ihn anfversiegenden Gnade/ und selbst "ihres vertrauten den Knieen um die Defreyung seines Herrn. DerUmgangs; sie nahmen ihn, wie es scheint, mit Kaiser tauschte ihn mit einem Wort, das ihn daseinem gewissen Gehalt, und dem Titel ckuculis Beßre hoffen ließ, und sandle ihn mit einem Ge-8 axoniR pictor in ihre Dienste auf. Er begleitete schenk, das in einem silbernen mit ungarschen Dursie auf die Jagd, war auch da nicht müßig für die taten belegten Teller bestand, nach der Stadt zu-Kunst, entwarf in seine Schreibtafel ihre Stell»»- rück. Und nun folgte Lucas seinem unglücklichengen, wenn sie einen Hirsch überwältigten, auf ein Fürsten ins Gefängniß nach, blieb die fünf JahreWildschwein losstürmten u. s. f. Man denke sich seines Verhaßtes unverrückt an seiner Seite, unddie Freude deutscher Fürsten über ein solches Kunst- » nächst dem Lesen in der Bibel, oder doch in Luthers geniek Als Friedrich der Weise (i525.l starb, war Schriften, und sonst vielfältig in vornehmen deut-es unser ffranach, der, nebst Christian Goldschmidt, sehen und französischen Historienbüchern, war esbey dem Leichnam unter die Armen Groschen aus- sein liebster Zeitvertreib, daß er den berühmtentheilte. Wenige Jahre später folgte auch der Herzog alten Lucas Cranach allerhand Contrefaktnren undJohann seinem Bruder im Tode nach. Dieser Bildwerk malen ließ." (Hortleder v. d. UrsachenVerlust ward ihm durch den Kurfürst Johann d. deutschen Kriegs B. I. S. g56.). Endlich imFriedrich den Großmüthigen erseht. Unter seinen Sept. 1 H 02 . erfolgte des Kurfürsten Befrcynng,vertrautesten Freunden dann verdient Luther vor und rZ. Monate hernach zu Weimar der Tod desallen genannt zu werden. Lucas war einer der Gaste edeln Künstlers im Drey und Achtzigsten seinesan seinem Hochzcitmal, nahm auch nachwerts oft Lebens. Zur Erhaltung seines Andenkens ward seinan seinen häuslichen Freuden Theil, und stiftete in Stein gehauenes Bildniß in Basrelief in Lebens-seiner ausgezeichneten Achtung und Liebe gegen ihn große, am Eingänge der dortigen St. Jacobskirche,vermittelst seiner Kunst die rühmlichsten Denkmale, an dem Ort seines Begräbnisses aufgestellt. SeinDie Bemühungen desselben, vernünftige Aufklärung eigentliches Grab liegt gleich neben dem tzauptcin-zu befördern, suchte er auf alle Weise zu erleichtern; gange erwähnter Kirche; ihm zur Rechten underrichtete sogar eine eigene Offizin, wozu wahr- Linken jetzt zwey andre vorirefliche deutsche Männer,scheinlich der schon genannte C- Goldschmidt vor- Musaus und I. C. Bode. Eranachs größte

nehmlich die Kosten reichte; versah, um die Ger Starke als Maler bestand in Bildnissen. Vor den-schichten der Bibel sinnlicher darzustellen, und der jcnigen des Herzogs Johann von Sachsen auf demJugend Neigung zum Lesen derselben einzuflößen, Schlosse zu Lochau machten die Vorübergchndeneinige Ausgaben der Lutherschen Ucbersetzung mit tiefe Verbeugungen, wenn sie es durch das FensterHolzschnitten, und malte solche bisweilen mir Gold erblickten; sie glaubten, es sey der Herzog selbst,und Farben aus, wodurch er sich vollends, nach Eben so treffend, bis auf den kleinsten Zug, warDürer , die erste Palme unter den vaterländischen seine Zeichnung der Thiere und Pflanzen. DasKünstlern seiner Zeit erwarb. Seine Aufmerksam- Geheimniß, seinen Farben eine den Jahrhundertenkeit für den Reformator gieng so ins Genaue hinein, trotzende Dauer zu geben — wer entziffert unsdaß er ihm z. B. verschiedene Juwelen vom Hof das ***)? In der Geschwindigkeit, seinen Gc-verschafte, damit er die Namen und Färbender in genstand aufzufassen und zu entwerfen, übertrafder Offenbarung vorkommende» Edelsteine genauer er die meisten seiner damaligen ersten Kunstgenossen,angeben könnte. Wegen seinen nicht geringen Ein- Wahrheit, Natur und holde Einfalt finden sichsichten auch in die Geschäfte des bürgerlichen Lebens, bey ihm überall. Was man an ihm allein mitnahmen ihn seine Mitbürger unter die Zahl ihrer Fuge rügen konnte, waren die Fehler seiner Zeit:Senatoren auf, und kiesten ihn ivZ/. vollends zu Seiner gänzlichen Unkunde oder Verschmahung desihrem Bürgermeister. Während er dies Amt ver- Costume'S nicht;» gedenken, manche Trockenheit inwaltete, erlebte er manchen traurigen Vorfall. Noch der Ausführung; daß er Schatten und Licht nichtkurz vorher (i5Z6.) starb ihm ein hoffnungsvoller immer der Natur der Sache und den Regeln derSohn zu Bologna *); jhm folgte seine Optik gemäß zu behandeln wußte, und hierni hinter

Gattin, und iZ/ch. Luther, dessen Andenken er noch seinen berühmten Zeitgenossen, Dürer und Lucasdadurch ehrte, daß er auch seinen Leichnam abbil- von Lcyden, allerdings zurückblieb. Aoehlecdete. Im folgenden Jahr ward der Kurfürst Jo- seinen (treflichen) Nachrichten zu Cranachs Lebe»hann Friedrich von Karls V. und Herzog Morizen's und Kunstwerken (Beyträge zur Ergänzung dervereinigtem Heer gefangen genommen, und Mitten- deutschen Litteratur- und Kunstgeschichte ll. l?Z—berg belagert.^ Fast alle akademische Lehrer und 20 b.) zählt 45. Bildnisse und an die 2 «. historischeandre — Haascn, welche von den unversöhnlichen Gemälde auf, welche schon von seinen ZeitgenossenFeinden der Lutherschen Lehre den Untergang der für Hauptwerke desselben gehalten worden, und be-Stadt fürchteten, waren entwichen. Eranach, merkt, so weit es möglich war, was von solchenmit wenigen Ediern, harrte standhaft aus. Der noch übrig geblieben, wo sie sich befinden mögen,Kaiser, der sein Verdienst ehrte, ließ ihn zu sich und welche Stiche von Vorhandenen und Vermißtenins Feldlager nach Pisteriz rufen, unterhielt sich gefertigt wurden- Unter den Bildnissen befindenmit ihm von seinen Kunstwerken **), und erlaubte sich 14 . von Luther »*»*); zwey von Anna Lora;

*) Als stuthec die Eltern zu besuchen kam, und sie über diesen Tod untröstlich fand, »gleich als wäreud sieseines Tods Ursach gewesen, weil sie ihn hätten hineingeschickt", sprach Martin mit seiner unvergleichlichenNaivetät: »Wenn das gälte, so wär ich so sehr Ursach als Ihr; denn ich's Euch und ihm treulich gerathenhab. Wir Habens aber in der Meynung gethan, daß er sterben sollt."

««-) »Es ist aber zu Mecheln ", sagte der Kaiser, »in meinem Gemach eine Tafel, auf welcher du mich, alsich noch jung war, abgemalet hast; ich begehre verwegen zu wisse», wie alt ich damals gewesen bin?" Daraufder alte stucas geantwortet: »Eure.Majestät war damals acht Jahr alt, als Kaiser Maximilian euch beyder reckten Hand führete, und Ew. Maj. in Niederland huldigen ließ. Indem ich aber anfieng, Ew. Ma>.abzureißen, hat Ew. Maj. sich stetig gewendet; worauf Euer Präceptor, welchem Eure Natur wohl bekannt,vermeldet, daß Ew. Maj. ein sonderlich Gefallen zu schönen Pfeilen trüge, und darauf befahl, daß man einenkunstreich gemalte» Pfeil an die Wand gegenüber stecken sollte, davon Ew. Maj. die Augen niemals gewendet,und ich desto besser das Konterfeit z» Ende gebracht." Die«e Erzählung hat dem Kaücr sehr wohl gefallen,u. s. f. Und nun folgt, wie schon im Tert erzählt ist. S. Lhytraus Leben Earls V. d. Uebels. Leipz. 595.

»n») Immerhin etwas sehr Gutes darüber sagt uns H. von Männlich in seiner Beschreibung der Churpfalz-bayerschen Gemäldesammlung zu München l. zoi—2.

Ewes derselben in der Kleidung eines Augustiner-Eremiten, so wie er auf den Reichstag zu Worms zog,ist mtt folgenden Zeilen versehen:

-leterna ipss xn« mentixLimulaclira l^iittieruxLxprimit: ac vultuxftuce occickuox.

woraus ein Fr. Gr. und eben so auch aus Untersuchung Cranachscher Gemälde der bekannte neuere EnkaustikerCalau in Berlin , den Schluß ziehen wollten, daß unser Linas auch in Wachs gemalt habe.